Trotz gleichem Studienabschluss und einem Vollzeitjob bekommen Frauen beim Berufseinstieg weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Die Forscherinnen Brigitte Burkart und Kirsten Wüst von der Hochschule Pforzheim gingen dieser Vermutung nach und befragten für ihre Studie mehr als 3000 Absolventinnen und Absolventen für Wirtschaft und Recht. Das Ergebnis war eindeutig: Im ersten Jahr verdienen Absolventinnen im Durchschnitt 3000 Euro weniger.
Das liegt aber nicht zuletzt daran, dass Frauen im Schnitt bis zu 20 Prozent weniger Bruttogehalt erwarten. Laut Studentenspiegel 2010 sind viele Absolventinnen in ihrer Selbsteinschätzung zu bescheiden und verlangen daher weniger Einstiegsgehalt. Neben der Bescheidenheit legen Frauen zudem mehr Wert auf die Familie und seien weniger mobil als Männer, was zu diesem Gehaltsunterschied führe.
Christiane Funken, Professorin für Geschlechtersoziologie an der Technischen Universität Berlin begründet den Gehaltsunterschied in der Welt so:"Das zentrale Kriterium ist, dass in den Köpfen der Manager Stereotypen über Frauen vorherrschen: Frauen wird unterstellt, sie seien weniger produktiv, sie hätten weniger Durchsetzungskraft und sie würden im Beruf eher ausfallen, weil sie sich um Kinder oder kranke Eltern kümmern müssten."
In anderen europäischen Ländern sind die Unterschiede geringer. Bei der Entgeltgleichheit sind Malta, Portugal und Belgien Spitzenreiter. Auf Malta liegt der Unterschied gerade einmal bei drei Prozent, in Belgien bei sieben und in Portugal bei neun Prozent. Deutschland steht mit im Durchschnitt 22 Prozent weniger Lohn ganz unten auf der Liste. Auch England, Österreich und Zypern gelten als Schlusslichter.
Das Netzwerk berufstätiger Frauen BPW macht nun mit einer Protestaktion auf das Lohngefälle aufmerksam und wird vom Deutschen Frauenrat und dem Bundesfamilienministerium unterstützt. Schließlich gibt es keinen Grund dafür, Frauen schlechter zu bezahlen.


