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Kinder sind ohne Frage eine der schönsten Angelegenheiten überhaupt. Aber ist die Zeit der schlaflosen Nächte und schmutzigen Strampelanzüge erstmal überstanden, stehen die Eltern vor einer weitaus größeren Schlacht, die es zu gewinnen gilt: Der Bildungsweg muss geebnet werden. Möglichst lückenlos und natürlich erfolgreich. Dabei geht bei den Eltern die nackte Angst um, denn eine Fehlentscheidung hätte möglicherweise fatale Konsequenzen für die spätere Karriere. Also heißt es: Früh übt sich, wer mal ein ganz Großer werden will.

Denn zu keinem Zeitpunkt sind Kinder so formbar, wie zu Beginn ihrer Bildungslaufbahn. Somit wird schon im Kindergarten 2-jährigen Englisch, Mathe und Naturwissenschaften beigebracht. Spielerisch versteht sich. Und die Eltern platzen vor Stolz wenn ihr Jüngster sich beim nächsten Kaffeeklatsch mit den Freunden auf Englisch vorstellt. Wird dann in der Grundschule noch Chinesisch gelehrt, ist das natürlich vorteilhaft, wenn man bedenkt dass China immer mehr auf den Weltmarkt drängt und ein enormes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen hat. Da käme es natürlich gut an, wenn man sich auf Chinesisch zum Geschäftsessen verabreden könnte.

Von der Grundschule geht es weiter auf ein privates Internat - denn hier wird Elite groß geschrieben. Hier will keiner mehr Tierarzt, Lehrer oder Sozialarbeiter werden. Hier arbeiten und lernen die Lobbyisten und Wirtschaftsbosse von morgen, die sich als nächstes, ohne Frage, an einer privaten Universität wiederfinden. Dabei können die Eltern, die dafür bis zu 10.000 Euro im Jahr zahlen, über die umstrittenen 500 Euro Studiengebühren an anderen Universitäten nur müde lächeln. Hier werden die Studenten auf ihre 60-Stunden-Woche vorbereitet. Das bedeutet: Lernen rund um die Uhr. Von morgens bis abends. Da bleibt einiges auf der Strecke. Unipartys, lockeres WG-Leben und Wecker, die erst nach 11 Uhr klingeln, findet man hier selten. Schließlich wächst hier die Elite von morgen heran, die später unsere Wirtschaft führt – da macht sich ein Katerfrühstück nach einer durchzechten Nacht unter der Woche einfach nicht gut.

Mithalten und dazugehören muss man. Zu denen, die ganz oben stehen und was zu sagen haben. Getreu dem olympischen Motto „Höher, schneller, weiter“, das zunehmend das Motto einer leistungs- und erfolgsorientierten Gesellschaft geworden ist, ist der Druck auf Eltern und Kinder gewachsen, denn sie müssen mithalten mit dieser Entwicklung. Wer kann sich schon leisten, Leistung zu verweigern? Daher scheint ein Stillstand und ein Ausstieg aus diesem Hamsterrad unmöglich. Also heißt es: kein Jahr verschenken, bloß nicht sitzen bleiben und keine Verschnaufpausen. Eine unermüdliche Hatz, bei der nicht alle mithalten können: Auslandserfahrung, Berufserfahrung, Praktika, gute Noten und das alles möglichst vor Ende des dreißigsten Lebensjahres. Soziale Herkunft war noch nie so entscheidend für den persönlichen Werdegang. Dabei erleichtert ein dickes Konto und genügend Druck den Weg nach ganz oben.

Für alle anderen bleibt die Hoffnung, dass sie später, nach Schulverweisen, schlechten Noten, unzähligen Unipartys, WG-Stress, und einem studentischen Leben am Existenzminimum, das die täglichen Aldi-Einkäufe einschließt, doch noch mit einem entspannten Lächeln auf ihre holprige Bildungskarriere zurückblicken können.




 

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2 Kommentare zu „Aus dir soll mal was werden“




  1. Tina Says:

    Also ich kann dem Post schon zustimmen, wenn man das Sarkastische daran weg lässt. Ich finde es richtig, die Kinder auf den richtigen Weg zu bringen, wenn das Kleingeld dafür stimmt. was ist falsch daran, sich für seine Nachkommen nur das Beste zu wünschen?! Wenn ich das Geld und die Kinder hätte, würde ich ihnen auf jeden Fall die beste Bildung ermöglichen wollen. Ich hatte mir auch schon überlegt, mein Kind auf jeden Fall mit einer Fremdsprache, wie Englisch oder Chinesisch, aufwachsen zu lassen, damit es sich überall auf der Welt verständigen kann. Klar, man muss nicht schon im Kindergarten auf Elite-Einrichtungen setzen, aber spätestens bei den weiterführenden Schulen werde ich darauf achten, dass mein Kind da was lernt und einen überall angesehen guten Abschluss erhält. Ich werde ihm immer so weit wie möglich finanziell den Rücken frei halten, damit es sich nur aufs lernen konzenrieren muss. Der gesellschaftliche Druck ist natürlich groß, denn heute bekommt man noch nicht mal ohne Abitur einfach einen Ausbildungsplatz. Es werden immer nur die Besten ausgewählt, weil es eben diese Auswahl gibt. Ich werde also dafür sorgen, dass mein Kind dazu gehört und ihm alle Türen offen stehen.




  2. Nadine Says:

    Natürlich würde auch ich meinen Kindern das Beste wünschen und ermöglichen wollen. Aber so wie Tina meint, glaube ich nicht, dass eine solche Erziehung die beste Lösung für ein Kind ist. Wo bleibt denn da die Kindheit?! Kleinkinder sollen im Sandkasten spielen und nicht mit Mathe vertraut gemacht werden. Fünftklässler brauchen keinen Stundenplan der womöglich voller ist als der eines gewöhnlichen Beamten! Ja, Bildung ist gut und wichtig, vor allem heutzutage, aber zu viel des Guten ist nicht immer angebracht. Und überhaupt kann sich der größte Teil unserer Bevölkerung ohnehin keine Elite-Ausbildung leisten. Was natürlich die Frage nach Gerechtigkeit und Chancengleichheit aufkommen lässt.




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