So, nachdem in Frankreich "der Frühling der Stühle" (es streikt, demonstriert und protestiert einfach niemand so gerne wie die Franzosen) so langsam zu Ende geht und die Stühle wieder dahin gestellt werden, wo Sie auch tatsächlich hingehören, wird es Mitte Juni (15.6. - 19.6) jetzt auch bei uns einen Bildungsstreik geben. Gestreikt und demonstriert wird für bessere Studien- bzw. Lernbedingungen für Studenten uns Schüler. Im Fokus stehen unter anderem die verkürzte Gymnasialzeit, das Bachelor-Master System und (na klar) auch die Studiengebühren bzw. ein gebührenfreies Studium. Also ich bin da vielleicht etwas pessimistisch was diese ganze Sache angeht. Irgendwie kann ich mir nicht so wirklich vorstellen, dass da groß was draus wird. Klar, es sollen Dinge bestreikt werden, die so gut wie jeden betreffen, aber so kurz vor den Semester Ferien und somit auch vielen Klausuren passt so eine Streikwoche bei den meisten nicht so ins Konzept glaube ich. Gerade die Studenten die auf Bachelor bzw. Master studieren schneiden sich wohl kaum ins eigene Fleisch (auch wenn die Streikwoche anders terminiert wäre, würde ich nicht auf eine rege Teilnahme setzen, davon mal ganz abgesehen). Außerdem haben wir ja vor kurzem bereits festgestellt, dass Studenten generell einfach immer unpolitischer werden. Heißt auch: beschweren ja - handeln nein. Man muss auch einfach mal sagen, dass bei uns einfach dieses Protest-Gen fehlt, was die Franzosen haben. Da werden ja mittlerweile schon Autos und Mülltonnen angezündet, wenn der Professor zur letzten Sprechstunde vielleicht 5 Min. zu spät gekommen ist. Gut, das ist vielleicht etwas übertrieben. Sagen wir 10 Min. ...
Klar, gibt es aktuell auch Beispiele wie die Pädagogische Hochschule Heidelberg, die zeigen, dass Studenten sich dann doch nicht alles gefallen alles. Aber wie gesagt, Deutschland ist nicht Frankreich und die paar wenigen, die an diesen Tagen tatsächlich aktiv sein werden, reichen nicht aus um wirklich etwas zu bewegen. Naja, zumindest die Stühle freuen sich, die bleiben nämlich wo sie sind ...
Ich lasse mich übrigens gerne vom Gegenteil meiner "Behauptungen" überzeugen!



11. Juni 2009 at 02:26
Natürlich ist die Protestkultur in Deutschland längst nicht so ausgeprägt wie in Frankreich. Leider passiert es in Deutschland oft, dass jegliche Kritik am Ist-Zustand gleich in die äußerste linke Ecke gedrängt wird und somit kaum Unterstützer zu finden sind.
Bei dem Bildungsstreik in der nächsten Woche geht es auch nicht unbedingt darum die komplette Woche zu streiken.
Wichtig sind die bundesweiten Demonstrationen am 17. Juni um endlich ein Zeichen gegen die teils missglückte Bildungspoltik zu setzen. Für eine Demo werden sich hoffentlich einige zehntausende bzw. hunderttausende bewegen lassen. Ansonsten würde ich mir ernsthaft Gedanken um das Demokratieverständnis der jungen Generation machen.