Kategorie: Allgemeines
Bei BMW wird derzeit heftig diskutiert. Nicht über den neuen Fünfer oder das 3er Cabrio. Diesmal geht es um die interne Kleiderordnung des Unternehmens. Zu leger, zu sportlich und gar anzüglich sollen einige Mitarbeiter gekleidet sein. Von Motto-Shirts und Flip-Flops ist die Rede. Eine Image-Zwickmühle: Will man auf der einen Seite jung, modern und sportlich wirken, so sollen doch auf der anderen Seite, Tradition und Klasse gewahrt werden. Eine witzige Vorstellung, dass die hochkarätigen Gäste aus Fern-Ost von einem Ingenieur im „Busen-Bier-und-Ballermann“-Shirt in Empfang genommen und durch die Hallen geführt werden. Na dann Sayonara.
Ist diese Ballermann-Mentalität, die derzeit durch die Flure des renommierten Traditionsautoherstellers geistert, vielleicht noch ein Relikt aus alten Studientagen der Ingenieure und BWL-Studenten, die mit dem Berufseinstieg nicht ganz abgelegt wurde? Irgendwie scheint sich jedenfalls der sogenannte „Casual Friday“ bei BMW verselbständigt zu haben und zu einem wahren „Casual All-Day“ mutiert zu sein. Und da stellt sich die Frage, wie „casual“ sollte es in einem Unternehmen zugehen?
Ist Kleidung nicht nur Fassade? Eigentlich schon, denn über Kompetenz sagt sie nun wirklich nichts aus. Das wissen wir alle. Aber dennoch würden wir einem uniformierten pseudo-seriösen Schlipsträger eher etwas abkaufen, als einem Motto-Shirt tragenden Individualisten. Irgendwie wollen wir an den schönen Schein glauben und uns der Illusion hingeben, dass dieser uniformierte BWL-Roboter, der vor uns sitzt genau weiß, was er tut. Das wissen auch die Unternehmen.
Wir sind also mit Schuld an der ganzen Misere. Denn mal ehrlich: Ist uns ein inkompetenter Schlipsträger nicht lieber, als ein Blödel in Shorts und T-Shirt? Kleider machen eben doch Leute.


