Nachdem ich mich in meinem letzten Blog über unser betriebliches Gesundheitsmanagement ausgelassen habe und über die zunehmenden Bestrebungen die „Work-Life-Balance“ bei uns umzusetzen, habe ich heute eine tolle Studie zur Generation „Y“ gelesen. Wenn Ihr Euch fragt wer das ist, na ihr seid die Generation. Hier stand geschrieben, dass sich die Werte wandeln und die Lebensinteressen und Lebensperspektiven sich ständig ändern. Das heißt heute, weg von Pflicht- und Akzeptanzwerten, hin zu Selbstverwirklichungs- und Engagementwerten. Die heutige "Generation Y“ verfolgt Erlebnisfreude, will Spaß und hat eine Abneigung gegen Routinearbeit. Wer kann hier wirklich widersprechen? Na, ein bisschen schon. Ein gewisser Anteil an Routinearbeit kann auch zur „Work-Life-Balance“ beitragen. Insgesamt bleibt es aber dabei, wie Ahlrichs es formuliert hat: „Today, candidates need a compelling reason to join and to stay.” Na in diesem Sinne doch ein gesundes Arbeiten in einem gesunden Unternehmen!
Einen Abend im Monat treffen wir uns mit einem größeren Kreis von Personalfachleuten zum informellen Austausch: Personaldirektoren, Personalleiter, Personalentwickler großer und mittelständischer Unternehmen aller Branchen, Dienstleistung genauso wie Industrie. Ich freue mich jedes Mal drauf, es gibt immer interessanten Gesprächsstoff.
Unsere Diskussion diesmal ging um "Burnout" von Mitarbeitern. Bisher stand meist der ausgebrannte Mitarbeiter als Einzelner im Blickpunkt. Ist diese Sichtweise nicht viel zu einseitig? Wenn Mitarbeiter im Betrieb "unter die Räder" kommen, hat das nicht auch immer etwas mit den Strukturen im Unternehmen zu tun? Ist da nicht auch "Unordnung" im Unternehmen vorhanden? Unsere Diskussion analysierte Ursachen und Symptome potentiell "ausgebrannter" Unternehmen. Zahlreiche Berichte und Erfahrungen der langjährigen Personaler bereicherten die Diskussion. Die unerfahreneren Kollegen unter uns konnten wertvolle Tipps und Erfahrungen mitnehmen, um zukünftige Anzeichen rechtzeitig zu erkennen.
Nehmen wir unsere Verantwortung an und sorgen dafür, dass unsere Mitarbeiter vor Motivation "brennen" und nicht ausbrennen!
Gestern kam Jürgen, ein hochbegabter und engagierter junger Fachmann Anfang 30 im Bereich Development – Entwicklung neuer Standorte -, den wir sehr schätzen für seine exzellente Arbeit, mit einem besonderen Anliegen zu mir ins Personalbüro. Das Gespräch hat mich sehr betroffen gemacht und geht mir nicht aus dem Kopf. Er möchte Pflegezeit in Anspruch nehmen. Seine Frau ist vor einem Jahr an einer besonders schweren Form von Krebs erkrankt, in den vergangenen Monaten gab es mehrere Operationen, Chemos und Strahlentherapien.
Die Beiden durchlebten eine schwere Zeit, Hoffnungen und Niederlagen wechselten sich ab. Der Zustand seiner Frau hat sich im letzten Monat stark verschlechtert und die Ärzte geben ihr eine sehr negative Prognose. Jürgen hat sich entschieden, die verbleibende Zeit mit seiner Frau zu verbringen, möglichst zu Hause und nicht im Krankenhaus. Er möchte sie pflegen und unterstützen. Er hat um einige Monate "Auszeit" von seiner Arbeit gebeten. Als größeres Unternehmen möchten und werden wir ihm diesen Pflegezeitanspruch auch gewähren. Maximal sechs Monate sind möglich.
Nun die Herausforderung für mich als Personaler: Wie kann ich innerhalb von zwei Wochen einen Ersatz finden, der zumindest die Routinearbeit von Jürgen für einige Monate übernehmen kann? Welche Kollegen aus dem Umfeld können einzelne Aufgaben vorübergehend mit übernehmen? Kann Jürgen selbst am Anfang zumindest für eine Stunde am Tag telefonisch mit Rat zur Verfügung stehen? Viele Herausforderungen, aber das ist nichts im Vergleich dazu, was Jürgen momentan durchmacht. Verantwortliche Personalarbeit findet zwar im Unternehmen, aber immer rundum den Menschen statt und hört nicht an der Ausgangstür auf!
Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, einem systematisch aufgebauten Konzept, das bereits einige Jahre erfolgreich läuft, wollen wir weitere Neuerungen einführen, um den Mitarbeitern Anreize für positives Gesundheitsverhalten zu bieten.
Drei Handlungsbereiche erweitern wir signifikant: Das Thema "Sport und Bewegung" wird um zahlreiche Angebote ausgebaut. Neu hinzu kommt das Thema "Entspannung" mit Yoga, autogenem Training und progressiver Muskelentspannung. Im Bereich "Gesundheits- und Ernährungsberatung" können die Mitarbeiter eine Ernährungsberatung in Anspruch nehmen, das Angebot der Lebensberatung will den, wichtigen Themenkreis der psychosomatischen Krankheiten angehen. Außerdem nehmen wir ein Programm für Raucher-Entwöhnung dazu.
Als Personaler bin ich natürlich total interessiert, wie sich das Aktionspaket auf die Steigerung der Motivation, Veränderung der Leistungsbereitschaft und auf die Fehlzeitenquote auswirkt. Aber auch Lebens- und Arbeitsqualität können wir bereichern: Bewusstsein schaffen für eine erfolgreiche Work-Life-Balance. Ich denke, ein erstes Resümee werden wir in einem halben Jahr ziehen können. Es bleibt spannend bis dahin!
Wir sind gerade dabei, ein neues Konzept zu erarbeiten. Einige Gedanken dazu:
Bei Mitarbeitern, die unser Unternehmen verlassen, um in den Ruhestand zu gehen, liegen von heute auf morgen große Potenziale brach. Manche Rentner sind noch leistungsfähig und leistungswillig und verfügen über lange Berufserfahrung und sehr spezielle Fachkenntnisse, die durch ihren Weggang verloren gehen würden. Sie haben Zeit, sind flexibel, können helfen und unterstützen, besitzen ein gutes Urteilsvermögen und können Entscheidungshilfen bieten.
Sie haben keine Karriereambitionen mehr. Die Entlohnung der nachberuflichen Aufgabe ist ihnen weniger wichtig als das Ziel, eine wertgeschätzte Aufgabe für andere Menschen zu erfüllen. Die perfekten Berater also für unerfahrene Jungmanager im Unternehmen.
Also: die alte graue Eminenz wird bei uns noch gebraucht und gehört längst nicht zum alten Eisen. Die bisher befragten Führungskräfte sind begeistert von unserer neuen Konzeptidee. Wir arbeiten weiter dran!
Ab dem kommenden Jahr schaffen wir für ausgewählte Nachwuchsführungskräfte in allen europäischen Ländern in unserem Unternehmen die Möglichkeit, an der Open University ein Fernstudium mit Masterabschluss zu absolvieren. Die Open University ist die größte staatliche Fernuni in Europa und spielt am Bildungsmarkt ganz vorn mit. Die Management-Ausbildung der Business-School verfügt über drei renommierte internationale MBA-Akkreditierungs-Gütesiegel der Association of MBAs, der European Foundation für Management Development und der Association to Advance Collegiate Schools of Business.
Kaum ein Prozent aller Hochschule haben weltweit diese Dreifachakkreditierung. Die Nachwuchsführungskräfte können wählen zwischen Business Management Studies, Human Resources, Accounting and Finance, Global Development Management und Technology Management. Weiterer Vorteil: Die Studierenden lernen in Englisch, unserer Unternehmenssprache weltweit. Es haben sich bereits 7 Nachwuchsführungskräfte um einen Platz im Programm beworben. Studium bezahlt vom Arbeitgeber, vereinbart mit einem strammen karriereorientierten Job im Unternehmen, das ist doch ein echter Anreiz!
Jeden Herbst bieten wir für unsere Vertriebsleute, die manchmal im Dienst 100.000 oder mehr Kilometer pro Jahr fahren, ein Fahrsicherheitstraining im Fahrsicherheitszentrum am Nürburgring an. Die Vertriebsleute, meist Männer, lieben dieses Training. Jeder, der schon mal dabei war, sagt, dass ihm die Praxiserfahrungen schon in manch brenzliger Situation bei Regen, Schnee, Eis oder nasser Fahrbahn geholfen hat, schnell richtig zu reagieren und einen Unfall zu vermeiden.
Denn Autounfälle können unsere Mitarbeiter schwer verletzen und manchmal für viele Monate im wahrsten Sinne "aus dem Verkehr ziehen". Das kleine zweitägige Training, das sogar die Berufsgenossenschaft bezahlt, ist bestens investiert in unsere Mitarbeiter und hat außerdem für die Beteiligten einen riesigen Spaßfaktor. Die Wunschliste von interessierten Mitarbeitern im Personalbüro ist schon lang, bevor der nächste Termin überhaupt feststeht. Höhepunkt und Ende des Fahrsicherheitstrainings ist immer eine Fahrt über die legendäre Nordschleife des Nürburgrings.
Seit einem halben Jahr gibt es eine Zusammenarbeit mit einem Lerncoach. Die Azubis aller Ausbildungsberufe bei uns im Unternehmen dürfen – vom Betrieb finanziert und während der betrieblichen Arbeitszeit – eine Coaching-Stunde pro Woche buchen. Bei schlechten Berufsschulleistungen, Lernschwierigkeiten, Konzentrationsschwächen oder psychosomatischen Störungen hilft der Lerncoach. Der wöchentlich stattfindende Coachingprozess startet nach einem gemeinsamen Vorgespräch mit dem Azubi, dem Ausbildungsbetreuer und den Eltern.
Fazit nach sechs Monaten: die Azubis finden das Coaching völlig cool! Die Schulleistungen jedes beteiligten Azubis verbesserten sich um mindestens eine Note. Sie haben mit dem Coach ihren eigenen Lerntyp erarbeitet, passende Lerntechniken dazu vermittelt bekommen, die ihre individuellen Fähigkeiten fördern: ihre persönliche beste Art zu lernen kennen sie nun. Die Azubis entwickelten mehr Selbstbewusstsein und ein besseres Auftreten. Und stellten fest, dass in ihnen selbst alle Fähigkeiten "schlummern", die sie brauchen. Diese müssen nur "geweckt" werden. Jetzt fällt es ihnen viel leichter, Stoff zu erarbeiten.


