Gerade, als Alex und ich uns entspannt zurücklehnen wollten, wohlgemerkt auf unserem in die Jahre gekommenen blau-gemusterten Sofa, um endlich darüber nachzudenken, wann wir die notwendigen Verschönerungsarbeiten (Tapezieren, Streichen etc.) in unserem Wohnzimmer in Angriff nehmen sollen, erreichte uns ein Anruf von Monika, unserer Schwiegertochter in spe. Max hatte sich beim Fußballspielen verletzt und liegt im Krankenhaus.
Alex, der den Anruf entgegengenommen hatte, wechselte die Gesichtsfarbe als er die Diagnose hörte; Verdacht auf Kreuzbandriss sowie Abriss des inneren und äußeren Meniskus. Mein Mann sagte nur ein Wort, und dieses fing mit „Sch…“an. Was bedeutete dies für das Studium, das Max doch so zügig hinter sich bringen wollte? Nun lag er gut 200 km von seinem Heimatort und seinem Elternhaus entfernt im Krankenhaus. Monika, seine schwangere Freundin, weinte am Telefon. Alex und ich sagten unser Kommen für den nächsten Tag zu. Ein OP-Termin war noch nicht in Sicht, da das Knie noch zu sehr geschwollen war. Dennoch wollten wir in der Nähe unseres Sohnes sein und uns ein eigenes Bild von seinem Befinden machen.
Mit dieser Verletzung würde Max wochenlang der Hochschule fernbleiben müssen, zumal sicherlich ein längerer Aufenthalt in einer Reha-Klinik zur vollständigen Wiederherstellung des Knies empfohlen werden würde. Wird die Krankenkasse eine solche Reha-Maßnahme finanzieren? Gedanken, die uns durch den Kopf schwirrten, als wir uns schließlich ins Auto setzten.
Gaby hat Euch ja bereits über die aktuelle Situation von Franzi und Max berichtet. Ich nutze diese „trügerische“ Ruhe, um mit euch über unsere eklatante Bildungsmisere nachzudenken.
Max und ich haben schon im Vorfeld lange über den von der Bundesregierung groß angekündigten „Bildungsgipfel“ diskutiert. Was dann nach dem „Gipfel“ als Errungenschaft herausgestellt und mediengerecht von der Bildungsministerin als Erfolg verkauft wurde, war ein großes Paket „heißer Luft“. Was können denn auch im Rahmen eines 2-stündigen Gespräches für grundlegende Entscheidungen getroffen werden? Rechnet doch bitte einmal mit und korrigiert mich, wenn ich falsch liege.
Wir haben 16 Bundesländer. Wenn jeder Bildungsminister eines Landes zu Wort kommen sollte, so verblieben ihm umgerechnet durchschnittlich 7,5 Minuten, wobei die Statements der Kanzlerin und der Bundesministerin bei dieser Rechnung noch unberücksichtigt sind; eine Farce. Wie also sollten innerhalb dieser Zeit gezielte Ist-Analysen der Bildungssituation der einzelnen Bundesländer möglich sein, geschweige denn, die Findung von Lösungsansätzen? Der Bund träufelt zur Beruhigung aller Kritiker – jedoch ohne die notwendige Gegenfinanzierung zu offenbaren - in den nächsten Jahren einige Milliarden in die „dahinsiechende“ Bildung und klebt somit ein Pflaster auf deren weit auseinanderklaffende Wunde, die allerdings ständig - um im Bild zu bleiben - nachblutet.
Geld allein wird es, so fürchte ich, nicht richten. Was meint Ihr dazu? Nehmt ihr Alles als gegeben hin, weil Ihr es – Eurer Meinung nach - doch nicht ändern könnt? Es geht um Euch, um Eure Zukunft! Denkt einfach mal darüber nach …
Habt ihr auch manchmal das Gefühl, alle Probleme lösen sich fast wie von selbst? In einer solchen Phase befinde ich mich gerade. Dabei geht es weniger um mich als um meine Kinder. Franzi hat doch tatsächlich im Nachrückverfahren einen Studienplatz an der hiesigen Universität bekommen und ist überglücklich, sich nicht länger als ein paar Stunden am Tag von ihrem „Schnucki“ Lars trennen zu müssen.
Mittlerweile hat sie erste Campusluft schnuppern dürfen und noch, Betonung liegt auf „noch“, macht ihr das Studium Spaß. In der ersten Woche hat sie überschwänglich von ihrem Psychologieprofessor geschwärmt. Zugegeben, ein charmant aussehender Mann, den ich -meiner Neugierde nachgebend- auf der Homepage der Uni entdeckt habe. Nun denn, Franzi scheint zufrieden zu sein, das ist die Hauptsache. Mein Sohn Max und seine schwangere Freundin Monika haben ebenfalls wieder ihr Studium aufgenommen. Max hatte eine lange Unterredung mit seinem Vater, der ihm zugeraten hat, das Studium nicht aufzugeben. Es wäre eine falsche Entscheidung, auch wenn es vordergründig unseren Geldbeutel entlasten würde. Alex, mein Mann, hat ihm klar gemacht, dass wir gewillt sind, weiterhin in seine Zukunft zu investieren; eine Investition, die sich bei dem dazugehörigen Fleiß sicherlich lohnen wird. Max hat schließlich eingewilligt und versprochen, sich anzustrengen und innerhalb der sechs semestrigen Regelstudienzeit seinen Bachelor zu meistern. Wir nehmen ihn beim Wort!
Monikas Eltern haben sich, nach dem ersten Schock und dem Bewusstsein, Großeltern zu werden, großartig verhalten und ihrer Tochter ebenfalls ihre volle Unterstützung zugesagt. Monika war mittlerweile bei der Studienberatung an ihrer FH und wird -mit Max zusammen- noch ein Semester studieren. Für das darauffolgende Semester wird sie ein Urlaubssemester beantragen und sich zunächst einmal -wenn alles gut geht- um den Nachwuchs kümmern. Danach sehen wir weiter. Hoffentlich hält diese „Alles-ist-gut-Phase“ noch ein wenig an, aber unverhofft kommt oft.
Könnt Ihr Euch noch an mein Lebensmotto erinnern? Nein, nun gut, es heißt: „Was immer du tust, bedenke die Folgen!“ Während meine Frau vor deren Abreise mit Monika gesprochen hatte, wobei das Ergebnis dieses Gespräches wenig aufschlussreich war, war es mein Part, mit Max zu sprechen. Irgendwie fiel es mir schwer, den Einstieg in die Unterredung zu finden. Wieder einmal musste unser blau-gemustertes Sofa als „Konferenzsitz“ herhalten und Gaby wurde kurzerhand aus dem Wohnzimmer verbannt, obwohl ihre Lieblingssendung im Fernsehen lief.
Sie fügte sich leicht murrend. Versorgt mit je einer Flasche Bier, plauderten Max und ich zunächst über das Vorstellungsgespräch vom späten Vormittag, das er souverän gemeistert hatte; kurzum, er hatte sich clever verkauft und war ein Aushängeschild für die Fachhochschule und seinen Fachbereich. Ich war stolz auf meinen Sohn, mächtig stolz sogar. Warum habe ich ihm das eigentlich nicht gesagt? mehr...
Monika ist nach Hause gefahren. Ihre Eltern waren längere Zeit verreist gewesen und wissen demnach noch nichts von ihrem zukünftigen Enkelkind. Monika wollte es ihnen nicht am Telefon sagen. Verständlich. Max hätte sie gerne begleitet, ihm kam aber der Termin für ein Vorstellungsgespräch für eine Praktikantenstelle im Unternehmen meines Mannes dazwischen. Für Max ein Déjà-vu-Erlebnis, da er bereits vor seinem Studium ein Praktikum in der Firma absolviert hatte.
Damals wie heute drängte ihn sein Vater, etwas für seine finanzielle Sanierung zu tun, schon gar im Hinblick auf die neue „familiäre“ Situation. Monika redete ihm gut zu, sprach von einer Chance, die er nutzen sollte und fuhr allein –mit dem Zug- ins Bergische Land zu ihren Eltern. Ich hatte zuvor die Gelegenheit genutzt, von Frau zu Frau mit Monika zu sprechen, die jetzt in der zwölften Schwangerschaftswoche war. mehr...
Unsere Franzi hat tatsächlich schon eine Zusage für einen Studienplatz erhalten, allerdings ist dies die erste Zusage von ihren insgesamt drei Bewerbungen an Universitäten in drei verschiedenen Bundesländern.
Eigentlich sollte sie den Platz annehmen und sich in der von der Hochschule festgesetzten Frist immatrikulieren. Eigentlich, gäbe es da nicht den berühmten Haken. Die Zusage kam ausgerechnet von der von unserer Heimatstadt am weitesten entfernten Universität. Franzi will zunächst die Reaktion unserer Uni hier vor Ort abwarten ehe sie sich entscheidet. In letzter Zeit hat sie jedoch mehrfach betont, dass eine Trennung, und sei es auch nur über eine Distanz von 250 Kilometer, für sie und ihren „Schnucki“ einfach nicht in Frage kommt.
Eine solch besitzergreifende „Liebe“ kann auf Dauer doch nicht gut gehen!?! Also verzichtet Franzi lieber auf’s Studium, falls sie an unserer hiesigen Hochschule nicht zum Zuge kommt? Dies hängt natürlich auch davon ab, ob der Studiengang zulassungsbeschränkt ist. Leider konnte mir Franzi dazu gar nichts sagen, sie hat sich einfach mal beworben. mehr...
Hallo, ich bin es wieder, Gaby, die Oma in spe. Nein, es ist mir eigentlich nicht zum Scherzen zumute. Seit der „Nachwuchs“-Beichte unseres Sohnes Max, auf die mein Mann Alex und ich zugegebenermaßen sehr unterschiedlich reagierten, sind einige Tage vergangen.
Das einzige Wort, was Alex bisher über die Lippen brachte, war „Glückwunsch!“ und dies gerichtet an unseren Sohn Max, der seitdem leicht betrübt und ungewöhnlich kleinlaut durchs Haus schleicht. Monika saß in letzter Zeit oft bleich, mit rot verweinten Augen unter einem der kleinen Apfelbäume in unserem Garten und starrte dumpf vor sich hin. Ihr Gesicht erhellte sich erst, wenn Max sich zu ihr gesellte und sie beide eng umschlungen am Fuße des Apfelbäumchens miteinander flüsterten. Ich habe meinen Sohn, der sich rührend um seine Freundin bemüht, noch nie so „erwachsen“ erlebt. mehr...
Eigentlich hatte ich ja versprochen, euch -aus der Sicht meines Freundes, dem Professor, der uns letzte Woche vor der Fahrt in einen mehrwöchigen Urlaub noch besucht hatte- die Verwendung der Studiengebühren von Seiten der Hochschulen zu verdeutlichen. Dies muss noch etwas warten - es ist aber nicht vergessen.
Was mich aktuell beschäftigt, bzw. sehr nachdenklich werden lässt, ist die Situation meines Sohnes Max und seiner Freundin Monika. Sogar die Verliebtheit meiner Tochter Franzi in ihren „Schönling“ Lars tritt in den Hintergrund, sie schwebt aber nach wie vor auf einer rosa Wolke. Zurück zu Max. Ich war ehrlich gesagt schockiert, als ich von der Schwangerschaft hörte. Selbstverständlich habe ich nichts gegen Kinder –habe ja selbst zwei- aber alles zu seiner Zeit. Für meine Frau Gaby brach die Welt zusammen als ihr bewusst wurde, dass ihr Sohn sie zur Oma macht. mehr...


