Chatrooms sind ja ein alter Hut. ICQ, MSN, Trillian und Co. hat jeder auf seinem Rechner. Aber das Internet wäre nicht das Internet, wenn es nicht täglich mit neuen, zum Teil skurrilen, Innovationen um die Ecke kommen würde. Chatroulette heißt so ein neuer Trend aus den USA. Ohne viel Schnickschnack werden auf chatroulette.com wahllos zwei Chatpartner per Webcam miteinander verknüpft, um sich irgendwie auszutauschen. Wegklicken oder weggeklickt werden, das ist hier die Frage. Eine Mischung aus dem klassischen Zappen und den Anfangszeiten des Internets, wo es noch wirklich anonym zuging und die Neugier über den Verstand siegte.
Wer sich auf das Spielchen einlässt, muss hart im Nehmen sein, denn wer nicht gerade mit einer Affenmaske auf dem Kopf vor der Kamera mit exotischen Früchten jongliert und dabei ein Lied von Lady Gaga trällert, der gilt schnell als Langweiler und wird nach einer Milisekunde gnadenlos weggeklickt. Es beginnt ein Wechselbad der Gefühle: Zwischen Absurditäten, Beleidigungen, Langweilern, Perversen und Verzweifelten kommt hier und da doch eine oberflächliche Konversation zustande. Wer aber innerhalb kürzester Zeit keinen natürlichen „Wegklick-Reflex“ ausbildet, läuft Gefahr in diesem Kuriositätenkabinett sang- und klanglos unterzugehen.
Chatroulette spricht den scheinbar menschlichen Urtrieb des Gaffens auf primitive Art und Weise an. Wer also sein Weltbild nicht erschüttern lassen will und nicht gerade auf einer einsamen Insel mit Chatroulette als einigstem Kontakt zur Außenwelt festsitzt, dem sei dringend von diesem neuen Trend abgeraten. Verbote klingen immer reizvoll, aber denkt an meine Worte…


