Viele Studenten wissen, wie es ist, für wenig oder überhaupt kein Geld zu arbeiten. Niemand würde dann auch noch auf die Idee kommen, für einen Praktikumsplatz zu bezahlen. Nicht so in den USA: Unter dem Schein des wohltätigen Zwecks versteigern Unternehmen auf charitybuzz.com Praktika für hunderte oder gar tausende von Dollars. Charitybuzz bietet Auktionen aus allen Lebensbereichen an. Die Erlöse kommen Organisationen wie Amnesty International zu Gute. An sich nicht schlecht, nur warum müssen es bitte Praktika sein?
Klar, sich ein Workout mit Hugh Jackman für mehr als 5.000 Dollar zu ersteigern, mag gerechtfertigt sein – Die Frauenwelt wird mir zustimmen. Wer das Geld hat, sei gesegnet. Das stärkere Geschlecht hingegen kann aktuell um eine Einladung zur Halloween-Party in der Playboy-Mansion buhlen.
Wenn es aber darum geht, sich ein Praktikum zu ersteigern, ist Skepsis geboten. Die Qualifikation für einen Job sollte doch das einzige Kriterium sein, einen Praktikanten einzustellen. Zusätzlich werden so die weniger wohlhabenden Studenten unter uns diskriminiert. Und die Unternehmen versprechen sich daraus auf Kosten des Bewerbers einen großen Imagenutzen, ohne selbst einen Pfennig zu löhnen. Irgendwie verlogen, oder?
Bestes Beispiel ist Versace. Das Modehaus hat Anfang des Jahres das erste Mal ein dreimonatiges Praktikum in der New Yorker Firmenzentrale für rund 5.000 Dollar versteigert. Im April haben sie sogar noch ein Meet-and-Greet mit Donatella Versace draufgepackt. Reiche Gören werden sich freuen, aber ansonsten? Ich bezweifle auch, dass das Praktikum mit besonders viel Arbeit verbunden ist. Selbst wenn am Ende ein großer Name in der Bewerbung eine gute Referenz darstellt, was ist sie wert, wenn sie nur erkauft wurde?
Wollen wir mal hoffen, dass dieser Trend nicht zu uns überschwappt. Schlimm genug ist schon, dass viele Jobs bei großen Unternehmen unter der Hand weggehen und gar nicht erst ausgeschrieben werden.



1. Juli 2010 at 19:40
Habe ich das richtig verstanden, dass die Praktikanten nach der Ersteigerung des Platzes sich dann in keinster Weise mehr bewerben müssen sondern definitiv genommen werden? Wirklich unglaublich, dass ein Weltunternehmen wie Versace so etwas mitmacht bzw. mit dem Meet and Greet sogar noch unterstützt. Das ein Teil der Erlöse gespendet wird, ist ja eine schöne Sache, aber da sollten die doch lieber nur das Meet and Greet über eBay versteigern und einfach alles Spenden -> das wäre (im Gegensatz zu den versteigerten Praktika) bestimmt eine gute PR. Aber die Modebranche hat ja gute Erfahrungen in schlechter PR
btw. das dieser Trend nach Deutschland kommt, kann ich mir wirklich nicht vorstellen…
3. Juli 2010 at 22:28
Sicherlich wird dieser Trend nicht nach Deutschland überschwappen ! Obwohl Ebay wird in den nächsten Monaten 100% eine deftige PR-Aktion starten !