Monika ist nach Hause gefahren. Ihre Eltern waren längere Zeit verreist gewesen und wissen demnach noch nichts von ihrem zukünftigen Enkelkind. Monika wollte es ihnen nicht am Telefon sagen. Verständlich. Max hätte sie gerne begleitet, ihm kam aber der Termin für ein Vorstellungsgespräch für eine Praktikantenstelle im Unternehmen meines Mannes dazwischen. Für Max ein Déjà-vu-Erlebnis, da er bereits vor seinem Studium ein Praktikum in der Firma absolviert hatte.
Damals wie heute drängte ihn sein Vater, etwas für seine finanzielle Sanierung zu tun, schon gar im Hinblick auf die neue „familiäre“ Situation. Monika redete ihm gut zu, sprach von einer Chance, die er nutzen sollte und fuhr allein –mit dem Zug- ins Bergische Land zu ihren Eltern. Ich hatte zuvor die Gelegenheit genutzt, von Frau zu Frau mit Monika zu sprechen, die jetzt in der zwölften Schwangerschaftswoche war.
Sie war schon beim Arzt gewesen, der ihr eine gute Konstitution bescheinigte und mit dem bisherigen Schwangerschaftsverlauf recht zufrieden ist. Lediglich Eisentabletten muss sie schlucken. Einige Sorgen machte dem Arzt wohl ihr psychischer Zustand, da sie seit Wochen sehr „nah am Wasser gebaut“ ist. Dies kommt nicht allein von der Hormonumstellung, dachte ich mir. Meine Frage, inwieweit eine Fortsetzung des Studiums als Schwangere für sie in Frage kam, beantwortete sie mit einem zögerlichen Achselzucken. Ich riet ihr, sich an ihrer Fachhochschule, in ihrem Fachbereich, zu erkundigen, ob es nicht die Möglichkeit der Beurlaubung oder eine sonstige Alternative gab. „Ich werde mal schauen“, sagte sie so leise, dass ich sie kaum verstand, „Erst werde ich mit meinen Eltern reden müssen.“ Dies hatte ich zu akzeptieren und nahm sie zum Abschied –ich gestehe- zum ersten Mal in den Arm, eine junge zierliche, zerbrechlich wirkende Frau.


