Kategorie: Allgemeines
Die Guttenberg-Debatte scheint wohl ausgestanden. Der Bundesverteidigungsminister ist in Folge der Plagiatsvorwürfe gegenüber seiner Doktorarbeit zurückgetreten. Vorher hatte er bereits seinen Doktortitel niedergelegt und dieser wurde auch von der Universität Bayreuth offiziell wieder eingezogen. Ziemlich viel Ärger wegen einem akademischen Grad, man fragt sich also warum? Was bedeutet ein Doktortitel tatsächlich und vor allem, was bringt er?Eine Promotion vermittelt nach außen eine bestimmte Botschaft: Kompetenz, Vertrauenswürdigkeit und Ausdauer. Die zwei Buchstaben vor dem Namen lassen einen also in einem ganz anderen Licht erscheinen, sie schaffen ein Bild von Elite und wirken deshalb auch als Karrieremotor.
Die FAZ bezeichnet ihn als „Karrierekatalysator“, sowohl in Politik wie auch in der Wirtschaft. Knapp jeder fünfte Bundestagsabgeordnete hat promoviert (115 von 622), neun (Karl-Theodor zu Guttenberg nicht eingerechnet) von 16 Mitgliedern des Bundeskabinetts führen eine Doktortitel. Was für die Politik recht ist, ist für die Wirtschaft billig. Aufstiegs- und Gehaltsperspektiven sind in der Wirtschaft eng mit einem Doktortitel verbunden. So führt in den Chefetagen deutscher Unternehmen jeder zweite Manager einen Doktortitel.
Etwa 25.000 neue Doktoren kommen in Deutschland jedes Jahr neu dazu, wovon nur einer von zehn eine wissenschaftliche Karriere anstrebt (in Wissenschaft und Forschung sowie in der Medizin ist die Promotion ein Muss für höhere Positionen). Der Rest entscheidet sich für die Wirtschaft. Der Spiegel fragt deshalb, was der Titel noch wert sei. An den Universitäten gibt es inzwischen schon Bedenken – man fürchtet, das Ansehen der akademischen Grade könnte durch die „Flut“ der Karrieredoktoren Schaden nehmen.
Die Sorge ist durchaus zu verstehen, denn es geht weniger um den Nachweis wissenschaftlicher Fähigkeiten als vielmehr um gesteigertes Sozialprestige, bessere Aufstiegsmöglichkeiten sowie mehr Gehalt. So kann einer Studie der Personalberatung Kienbaum zufolge, das Anfangsgehalt für einen Hochschulabsolventen mit Promotion um bis zu 15.000 Euro höher liegen als das eines Absolventen mit einfachem Hochschulabschluss. Und auch sonst liegt das Durchschnittsgehalt eines promovierten Mitarbeiters höher, als das seiner Kollegen ohne Doktortitel.
Der Spiegel führt weiter an, dass dadurch auch der Druck auf die Hochschulabsolventen steigt aus der Masse der Bewerber hervorzustechen. Zu einem qualifizierten Bewerber gehört inzwischen oftmals auch der Doktortitel. Vielleicht trägt der „Karrierekatalysator“ Promotion wirklich zu einem laxeren Umgang mit Fach- und Formvorschriften für den Titelerwerb bei. In Zeiten von Google ist das „Zusammenbauen“ einer wissenschaftlichen Arbeit per copy-and-paste wesentlich einfacher geworden. Deshalb hat der Deutsche Hochschulverband, die Vertretung der deutschen Wissenschaftler, im vergangenen Jahr extra eine Resolution "Wider das Plagiatsunwesen" verabschiedet, in der ein Verhaltenskodex gefordert wird.
Fakt ist, dass in Zukunft – auch in Hinblick auf die Guttenberg-Debatte – die Universitäten wohl einen noch genaueren Blick auf wissenschaftliche Arbeiten werfen werden.


