Unsere Großeltern haben es ja schon lange geahnt: Studenten sind heutzutage egoistischer als vorhergehende Generationen. So zumindest lautet das Ergebnis einer Studie der Universität Michigan, die 72 Einzelstudien der letzten 30 Jahre auswertete. Danach empfinden amerikanische Studenten heute viel weniger Mitgefühl als noch im Jahre 1979 - das Einfühlungsvermögen ist um 40 Prozent gesunken. An der Bezeichnung "Generation Ich" ist also vielleicht doch etwas Wahres dran ...
Es mag ja sein, dass das auch hierzulande so ist. Interessant sind aber vor allem die Gründe, die als Auslöser für diese negative Entwicklung vermutet werden. Einerseits müssen wieder mal die Medien herhalten. Allen voran die Gewalt in Medien, denn die klingt als Sündenbock ja meistens erstmal plausibel. Studien, die einen derartigen Zusammenhang nachweisen, würde ich gerne mal sehen. Dass außerdem die enorme Informationsflut etwas mit der Selbstsucht zu tun haben soll, kann ich mir nun wirklich nicht erklären.
Noch absurder ist allerdings die Begründung, dass soziale Netzwerke die zwischenmenschliche Kommunikation dauerhaft verschlechtern. Aber ganz ehrlich: Nur, weil man in einem Online-Chat nicht immer antworten muss, würde sich doch niemand so in einem realen Gespräch verhalten.
Einzig zustimmen kann ich der Annahme, dass der zunehmende Leistungsdruck und Wettbewerb unter den Studenten den Egoismus fördert. Jeder ist sich selbst und seinem Lebenslauf der nächste - auch in Deutschland ist das bestimmt nicht erst seit Bologna so.


