Kategorie: Allgemeines
Sobald man das bequeme Hotel Mama verlassen hat und zum Studieren in eine neue Stadt zieht, fallen einem schnell die kleinen aber feinen Unterschiede zur Heimat auf. Eigentlich wollte man ja raus aus der Großstadt, aus diesem anonymen dreckigen Moloch, auf der Suche nach was Besserem. Das Rauschen der Autobahnen, die rauchenden Schlote, die merkwürdigen Gestalten, die sich am Bahnhof rumtreiben und die Gewissheit, dass man an jeder Ecke einen Döner-Laden findet, wollte man ja eigentlich weit hinter sich lassen.
Aber jetzt wo man in der Provinz studiert, vermisst man plötzlich die einst ungeliebte Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, die nervige Parkplatzsuche in der Innenstadt und die schmierige Fußgängerzone. Hier schließen die Geschäfte schon um 18 Uhr und machen so was wie „Mittagspause“ zwischen zwölf und zwei. Der Weg zur nächsten Autobahnauffahrt dauert fast eine Stunde, die nächste Großstadt ist etwas um die vierzig Kilometer entfernt und die Leute sehen irgendwie alle anders aus. Irgendwie fühlt sich Provinz für den eingefleischten Großstädter plötzlich zu sauber und zu idyllisch an und man entwickelt einen für Provinzler nicht nachvollziehbaren Patriotismus zur eigenen Stadt. Man vermisst plötzlich die einst so ungeliebten Makel der Heimat.
Und jedes Mal, wenn man jetzt mit dem Zug nach Hause fährt und einem am Bahnhof die ersten zwielichtigen Gestalten entgegen schlurfen, man sich noch schnell an der nächsten Ecke einen Döner kaufen kann und der Bus schon in drei, statt in vierzig Minuten kommt, dann ist es zu Hause doch irgendwie am Schönsten.


