Der Poetry-Slam hat sich mittlerweile als fester Bestandteil in der studentischen Freizeitbeschäftigung etabliert. Hauptsächlich zum Zwecke der Unterhaltung besuchen viele Studenten die Poetry Slams um sich den Kampf zwischen den wortgewandteste Poeten anzusehen, um dann per Applaus den Gewinner zu bestimmen. Als eine Art Weiterentwicklung hat sich auch der Science Slam an vielen Unis etabliert, bei dem die Teilnehmer aus bestimmten Wissenschaftsbereichen ein komplexes Thema ihrer Zunft verständlich und witzig vor Publikum vortragen.
Aber nicht nur für Wissenschaftler und Sprachinteressierte, sondern auch für angehende Jungunternehmer hat sich eine Art Wettbewerb entwickelt: Elevator Pitch. Was soviel bedeutet wie „Verkaufsgespräch im Aufzug“. Dass dieser Vergleich ein bisschen hinkt, ist schon klar. Denn dieser Wettbewerb dient weniger der Unterhaltung, als vielmehr der Vermarktung einer eigenen Geschäftsidee vor einem hochkarätigen Publikum. Angehende Jungunternehmer, darunter auch viele Studenten, haben hier die Möglichkeit innerhalb von drei Minuten, auf einer Bühne in einem Fahrstuhl stehend, ihre Geschäftsidee möglichst effektiv zu vermarkten. Eine Jury bewertet die Idee mit Punkten und kürt anschließend die Gewinner.
Für viele Kandidaten steht jedoch nicht der Sieg im Vordergrund, sondern die Vermarktung der Idee und das Kontakteknüpfen nach der Veranstaltung. Hier können mögliche Investoren gefunden werden, die sich von der Idee während des Kurzvortrags überzeugen konnten.
Zeit und Geld sind zwar heute ein knappes Gut, aber mal Hand aufs Herz: Liegt in der Kürze wirklich soviel Würze und hat diese Form der Selbstvermarktung nicht auch ein bisschen was von Phrasendrescherei und Anbiederung? Ob das zum gewünschten Erfolg führt und was so ein Wettbewerb über die Arbeitskultur in Deutschland aussagt, sei auch mal dahingestellt. Welche Frage mich an der ganzen Sache jedoch am meisten beschäftigt ist, wo in Deutschland fährt man heutzutage eigentlich drei Minuten mit dem Aufzug?


