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Dort, wo Leistung gefordert wird, ist Doping nicht weit. Da findet man Radsportler, die vor versammelter Presse ein Dopinggeständnis ablegen oder Fußballtrainer, denen das weiße Pulver auf ihre Anzüge rieselt. Doch nicht nur körperliche, sondern auch geistige Leistung bedarf scheinbar eines leichten Anstoßes um sie zu perfektionieren. Daher sind so genannte Neuropusher zunehmend dort in aller Munde, wo geistige Leistungsfähigkeit postuliert wird: in Universitäten, Unternehmen und Schulen.

Wo man in anderen Ländern Blätter kaut um sich geistig zu stimulieren, hat sich bei uns die gute alte Tasse Kaffee am Morgen durchgesetzt, die zwischen Zeitung und den geschmierten Broten zum Frühstück geschlürft wird. Dieses Szenario am Frühstückstisch könnte künftig ganz anders aussehen. Denn es rollt eine neue Trendwelle auf uns zu. Diesmal nimmt der Trend jedoch nicht Angriff auf unsere Fettpolster, Tränensäcke oder Falten, sondern auf unser Gehirn: Neuro-Enhancement nennen Experten die bewusste Leistungsteigerung des Gehirns durch den Konsum von Tabletten gegen Narkolepsie, Alzheimer und Parkinson.

In den USA haben es sich Fluctin und Ritalin längst im Küchenschrank bequem gemacht. Ob Student oder Manager: Um dem Leistungsdruck stand zu halten, greifen immer mehr zu den bunten Muntermachern. Dabei entschädigt das Ergebnis für mögliche Nebenwirkungen und das schlechte Gewissen. Denn wer immer hellwach und geistig dabei ist, dem ist der anerkennende Händedruck vom Chef oder der Erfolg in der Uni garantiert. Keine Durchhänger, keine Müdigkeit und immer volle Leistung.

Damit scheint sich dieser Trend in die Kette von fatalen Trends einzureihen, die unsere Gesellschaft hervorgebracht hat. Allen vorweg der Schönheitswahn, der Perfektionisten, Verzweifelte und Unzufriedene auf die OP-Tische dieser Welt treibt. Und genauso absurd, wie die Tatsache sein gesundes Fleisch mit einem Skalpell bearbeiten zu lassen, um nachher eine gerade Nase zu haben, erscheint der Wunsch seinen gesunden Geist mit einer Tablette zu manipulieren. Die Folgen sind zwar nicht absehbar, aber die Vorstellung, dass irgendwann nicht nur ähnlich modellierte und gestraffte Gesichter, sondern auch ähnlich formierte Gehirne herumlaufen ist beängstigend.

Der Wunsch nach Perfektion scheint, genau wie der Wunsch nach Individualität, ein menschliches Grundbedürfnis zu sein. Das paradoxe ist jedoch, dass wir alle das gleiche wollen, nämlich gut drauf sein, glücklich, belastbar und leistungsstark. Diesen Anspruch hat die Pharmaindustrie längst erkannt und reibt sich schon gierig die Hände. Ethiker hingegen schlagen selbige über dem Kopf zusammen, denn vielleicht heißt es in Zukunft dann am Frühstückstisch nur noch „Hast du deine Pille schon genommen?“.




 

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Blog GO!Jobware - RSS Feed - Kommentare zu Hauptsache die Chemie stimmt: Neuropusher als Doping fürs Gehirn

1 Kommentar zu „Hauptsache die Chemie stimmt: Neuropusher als Doping fürs Gehirn“




  1. Kevin Says:

    Ich halte eine Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit mit chemischen Pillen für durchaus bedenklich. Denn wenn Pillen es erst einmal an unsere Hochschulen und ins Bürogebäude geschafft haben, dann ist es nicht mehr weit bis auch unsere Kinder in der Schule damit anfangen. Und ich glaube kaum dass Eltern ruhigen Gewissens “Drogen” an ihr Kind verabreichen wollen, nur damit es besser in der Schule ist. Ich halte von solchen Mitteln also rein gar nichst.




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