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Die Frage, ob man sich als Student und angehender Akademiker ab 20:15 Uhr der leichten Unterhaltung hingeben darf, spaltet die Gemüter. Die „Ich gucke nur Arte und die Tagesschau“ Fraktion ist selbstverständlich strikt gegen niveaulose Unterhaltung und ist auch nach einem anstrengenden Uni-Tag nicht müde, sich noch durch die FAZ, TAZ und Co. zu arbeiten. Sehr löblich. Ranicki wäre stolz. Andere hingegen frönen ganz hemmungslos ihrer Leidenschaft, die sie tagtäglich dazu verleitet, sich im Quotenstrom von RTL und Co. treiben zu lassen. Ihre Sendungen zelebrieren sie wie einen Gottesdienst. Wieder andere verheimlichen ihre Lust an der seichten Unterhaltung, wie eine perverse Neigung, aus Angst vor den negativen Reaktionen ihres Umfeldes. Die Zimmertür in der WG wird diskret geschlossen, der Ton des Fernsehers wird auf Minimum gestellt.

Aber hat der Student nach einem Tag mit Luhmann, Lacan und Saussure nicht mal das Recht, sein Gehirn auf Standby zu schalten? Sich berieseln zu lassen von brav auswendig gelernten Moderationen? Einfach an nichts denken und dem Schuldenberater dabei zuschauen, wie er bei überschuldeten Familien mit der Faust auf den Tisch haut. Einfach mal die Füße hochlegen, während im Fernsehen Hausfrauen ihre Familien tauschen, randalierende Kinder von der Super Nanny zur Vernunft gebracht werden und paarungswillige Landwirte die Brunftzeit einläuten um mit ihren Auserwählten den Kuhstall aus zu misten.

Natürlich trifft diese Form der Unterhaltung nicht jedermanns Geschmack. Und wenn Quotenqueen Heidi Klum zum hundertsten Mal nach dem neuen Topmodel sucht und verständnisvolle Stadtfrauen ihren fleischigen Bauern ein Wurstbrot nach dem nächsten schmieren ist eine gewisse Distanz sicherlich angebracht. Aber der kluge Student kann ohnehin nicht gegen seine Natur und betrachtet derlei mediale Inszenierungen immer durch die Brille eines Wissenschaftlers. Also kein Grund zur Sorge, Herr Ranicki.





 

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