Wer kennt sie nicht: unfaire Mitarbeiter und Vorgesetzte in vielen Unternehmen. Aus persönlicher Kränkung entstehen Frust Aggressionen. Nicht nur Verzweifelte oder Psychopathen mit Bluthochdruck möchten dann für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen und schmieden heimlich Rachepläne. Laut dem Manager Magazin finden sich „bedrohte, verleumdete und gemobbte Führungskräfte zu Hunderten in deutschen Firmen.“
Dabei neigen wir alle zu Rache: ob Verbreitungen von üblen Gerüchten, Sabotage oder das Verlegen wichtiger Papiere bis hin zum Abführmittel im Kaffee – viele glauben, dass es ihnen spürbar besser geht, sobald sie es demjenigen heimgezahlt haben, der sie fies behandelt hat. Ob es uns tatsächlich besser geht, wenn wir uns am Chef oder gemeinen Mitarbeitern rächen, ist fraglich. Forscher der Universität Zürich fanden sogar heraus, dass allein Rachefantasien unser Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren, ungefähr so als hätten wir den Lotto Jackpot geknackt. Noch viel interessanter ist die Erkenntnis, dass viele Menschen bereit wären, finanziell in die Bestrafung zu investieren.
Rache ist in den meisten Fällen jedoch eher schädlich als hilfreich. Wissenschaftler der Colgate Universität in Columbo untersuchten in einem Experiment die Gefühlslage von „Rächern“ nach der Vergeltung. Das Ergebnis war eindeutig: Diese waren unzufriedener als Testpersonen, die auf das Bestrafen verzichtet hatten. Schließlich ärgerten sie sich auch noch nach der Rache über die Peiniger und waren sich nicht wirklich sicher, auch genug Vergeltung geübt zu haben.
Ich finde, Verzeihen ist in jedem Fall die beste Rache, denn „Wer auf Rache aus ist, der grabe zwei Gräber“.


