Vor vier Wochen hatten wir die Stelle eines Teamleiters in einer unserer Restaurants in Süddeutschland ausgeschrieben. Gestern fand das Vertragsgespräch mit unserem bevorzugten Kandidaten statt.
Etwas erstaunt war ich dann doch, als wir zur Frage der Entlohnung kamen. Der Kandidat war sichtlich verwundert, dass wir ihm bereits einen Betrag in den Vertragsentwurf geschrieben hatten. Er führte aus, dass er darüber doch sehr verwundert sei, da im Internet und in der Bewerbungsliteratur oft Informationen zur Gehaltsverhandlung bereitgestellt würden und er davon ausgegangen sei, dass wir heute auch wirklich „verhandeln“. Er errechnete sogar vorher das richtige Gehalt.
Es war nicht so, dass er die Höhe seines künftigen Entgeltes in Frage stellt, ihm fehlte anscheinend „nur“ das Ritual des „Handelns“. Er unterschrieb dennoch den Vertrag, aber ich hatte das Gefühl, dass er es etwas sehr persönlich nahm. Irgendwie fehlte ihm was.
Als Personalerin habe ich bei tariflichen Stellen keine großartigen Möglichkeiten zu verhandeln. Mir bleibt ein gewisses Gehaltsband, aber das war es auch schon und Einsteiger werden in den ersten sechs Monaten bei uns ins untere Gehaltsband eingestuft.
Das jeweilige Entgelt sollte sich doch an den Anforderungen des Arbeitsplatzes und den Leistungen orientieren, und ich habe doch auch eine Verantwortung jedem Mitarbeiter gegenüber, dass er/sie gerecht bezahlt wird. Oder sollten die Verhandlungskünste des Einzelnen über die Höhe des Entgeltes entscheiden?



7. August 2008 at 09:12
Eine gute Frage, die Sie da zum Ende aufwerfen. Ich war selbst schon mal in der Situation, dass mich die Personaler vorm Unterschreiben meines Vertrages wirklich fragten, wie ich mir meine Entlohnung vorstelle. Das ist immer eine sehr knifflige Frage, doch wenn Sie mir schon mal gestellt wird, sollte ich sie auch ehrlich beantworten und meine Vorstellungen äußern. Nur ob man das jetzt wirklich “Handeln” wie auf dem Flohmarkt nennen kann, denn schließlich habe ich meine Wünsche geäußert und sie wurden berücksichtigt. In den Vertrag wurde dann der entsprechende Betrag eingefügt, mit dem beide Seiten gut leben können. Also eine richtige Verhandlungssache war das jetzt nicht, sondern eher ein Entgegenkommen der Betroffenen.
PS: Was heißt eigentlich Gehaltsband?
7. August 2008 at 17:18
Hallo Sophie!
Die meisten Unternehmen sind mit ihren Löhnen und Gehältern an Lohn- und Gehaltstarifverträge gebunden.
In diesen Tarifverträgen werden Lohn- und Gehaltsgruppen festgelegt. Für jede dieser Gruppen gibt es eine Beschreibung, die genau definiert, welche Tätigkeiten mit welcher Gehalts- oder Lohngruppe entlohnt werden.
Die Lohn- und Gehaltsgruppen können in sich noch einmal gestaffelt sein, z.B. nach Alter, Betriebszugehörigkeit oder Berufsjahren.
Ziel dieser Staffelung ist es, dass die mit den Jahren zunehmende Berufserfahrung und damit der Nutzen des Mitarbeiters für das Unternehmen automatisch Berücksichtigung findet.
Einige Unternehmen bezeichnen ihre Gehalts- und Lohngruppen somit als “Gehaltsband”.
Da geeignete Kandidaten die unterschiedlichsten Voraussetzungen für eine zu besetzende Stelle mitbringen, müssen für eine entsprechende Eingruppierung in die richtige Tarifgruppe viele Kriterien zugrunde gelegt werden, wie z.B. die fachliche Qualifikation, Ausbildung/ Studium, Alter, Berufserfahrung, erworbene Zusatzqualifikationen oder sonstige Kompetenzen etc.
Ein Bewerber, der eine über das normale Maß hinausreichende Qualifikation besitzt, hat sicherlich gute Chancen, sein Gehalt innerhalb der Bandbreite der Tarifgruppe zu verhandeln.
Der Personaler muss eine höhere Eingruppierung jedoch immer entsprechend den Anforderungen des gültigen Lohn- und Gehaltstarifvertrages nachvollziehbar begründen können, so dass der Grundsatz der Lohngerechtigkeit gewahrt bleibt.
8. August 2008 at 09:42
Vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Ich habe mich noch nie so wirklich mit derartigen Spielräumen in der Tarifverhandlung auseinander gesetzt, da es bei mir wie gesagt doch etwas anders war. Für den Fall, dass ich mal für einen neuen Vertrag in die Lage komme, mein Gehalt zu verhandeln, werde ich mich mit solchen Dingen mehr beschäftigen. Bis dahin werde ich aber hoffentlich noch lange in meinem jetztigen Vertrag bleiben.