Wer gedacht hat, dass die Endnote und die Studiendauer die alleinigen Kriterien sind, nach denen Personalchefs entscheiden, ob man den Job bekommt oder nicht, liegt falsch. Denn nicht nur Note und Dauer des Studiums sind entscheidend, sondern je nach Branche, ist auch die Uni an der man seinen Abschluss erlangt hat ein Auswahlkriterium. Für eine Umfrage der Wirtschaftswoche wurden rund 500 Personalchefs von großen deutschen Unternehmen zu den Auswahlkriterien der Absolventen befragt.
Gute Chancen in den Bereichen Naturwissenschaften, Maschinenbau und Elektrotechnik haben laut der Umfrage Studenten, die ihren Abschluss an der RWTH Aachen erlangt haben. Dicht gefolgt von dem Karlsruher Institut für Technologie und der TU Darmstadt. Aber auch für angehende Betriebswirtschaftler haben die Personalexperten einen klaren Favoriten unter den deutschen Unis: Hier liegt die Uni Mannheim auf dem ersten Platz, gefolgt von der LMU München, die auch der Umfrage auch die besten Nachwuchs-Juristen hervorbringt.
Dennoch gibt dieses „Ranking“ lediglich Auskunft über die Vorlieben der Personaler. Aber wir alle wissen ja, dass bei der Wahl der Uni noch ganz andere Faktoren entscheidend sind. Außerdem sollten die, die keine der angeführten Unis besuchen nicht verzweifeln. Schließlich schätzten 85 Prozent der befragten Personalchefs die Berufsaussichten für 2011 als sehr gut ein. Zudem gelten Praxiserfahrung und Soft-Skills noch immer als die wichtigsten Einstellungskriterien.
Wenn man sich an der Uni umhört, dann wollen die meisten nach ihrem Abschluss vor allem einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz, der noch Zeit für Freizeit und Familie lässt. Die Frage nach der Moral spielt häufig eine untergeordnete Rolle. Aber wie ist das eigentlich, wenn man sich plötzlich in einem Beruf wiederfindet, der sich mit den Moralvorstellungen, die noch an der Uni für einen galten, nicht vereinbaren lässt?
Beispiele für derartige Berufsfelder gibt es zu Hauf. Zwar sind die Moralvorstellungen individuell, aber dennoch finden sich immer wieder Berufe, bei denen man durchaus in einen Gewissenskonflikt geraten kann. Für die einen ist nichts dabei, Menschen per Telefon Dinge zu verkaufen, die sie nicht brauchen, aber für die anderen ist selbst das bereits verwerflich. Aber auch beliebte Berufsgruppen, wie Juristen, spalten die Gemüter.
Bei vielen Berufen stellt sich die Frage, ob bei einer angemessenen Entlohnung auch mal die Moralvorstellungen über Bord geworfen werden können. Denn auf der einen Seite steht der persönliche Nutzen des Berufs, der den eigenen sozialen Status sichern soll und auf der anderen Seite die moralischen Werte. Lassen sich diese beiden Faktoren überhaupt miteinander vereinbaren? Ethikforscher sind der Ansicht, dass es keine unmoralischen Berufe gibt. Nicht das was gemacht wird ist entscheidend, sondern das „wie“.
Wie steht ihr zu moralischen Werten bei der Berufswahl? Kann man sich bei guter Bezahlung auch auf einen Beruf einlassen, der den eigenen Moralvorstellungen widerspricht?
Für viele Abiturienten ist völlig klar, dass sie nach der Schule zur Uni gehen. Häufig wird gerade an Gymnasien die Möglichkeit einer Ausbildung seltener in Betracht gezogen. Das mag einer der Gründe sein, warum der Anteil der Studierenden eines Jahrgangs in den letzten fünf Jahren von 37 Prozent auf 50 Prozent angestiegen ist.
Aber nicht nur Studenten, sondern auch Handwerker braucht das Land. Deswegen fordern Vertreter des deutschen Handwerks einen Bachelor-Titel für Meister, Fachwirte und Co. Der „Bachelor Professional“ soll den deutschen Abschluss auch im Ausland für eine klarere Zuordnung sorgen.
Die Hochschulen sehen diesen Vorschlag allerdings kritisch und wollen ihren „Bachelor“ keineswegs mit dem Handwerk teilen. Aus Angst, die Grenzen zwischen den beruflichen Qualifikationen könnten zu stark verschwimmen. Ganz unbegründet ist diese Angst nicht: Schon jetzt können Hauptschulabsolventen mit einer abgeschlossenen Ausbildung z.B. am Studieninstitut für Sport, Freizeit und Tourismus einen „Bachelor of Tourism (CCI)“ durch ein Fernstudium erwerben. Dieser entspricht dem „Fachwirt für Tourismus“. Der Zusatz „CCI“ bedeutet, dass das Zeugnis durch die IHK verliehen wird.
Die IHK sieht sich mit dem Vorwurf des Titelschwindels konfrontiert, da der Abschluss des Bachelors in Deutschland ausschließlich ein Hochschulgrad sei. Die Diskussion ist allerdings schon einige Jahre alt. Daher feilen derzeit Politiker, Hochschul- und Handwerksvertreter an einem einheitlichen Regelwerk, das die Einstufung der einzelnen Qualifikationen festlegen soll. Der „Deutsche Qualifikationsrahmen“ soll eine bessere Vergleichbarkeit auf nationaler und internationaler Ebene gewährleisten. Aber auch hier scheint eine Einigung schwer zu fallen und man darf gespannt sein, ob es ein bisschen mehr Klarheit im Bachelor-Master-Chaos bringt.
Um sich das Geld zum Studium zu verdienen, greifen viele Studierende zu Nebenjobs: Verkäufer, Promoter, Tutor – die Möglichkeiten sind mannigfaltig, denn das Geld ist knapp. Verschärft wird die Situation zusätzlich durch Gebühren oder Krediten fürs Studium. Manche Studierende haben so nach dem Studium eine Last von mehreren zehntausend Euro angehäuft.
Ross Harper, 21, und Ed Moyse, 22, zwei Absolventen aus England, hatten dank des Studiums die stolze Summe von 50.000 Pfund (ca. 57.500 Euro) Miese angehäuft. Aufgrund schlechter Jobaussichten haben sie sich zu einer außergewöhnlichen Geschäftsidee entschlossen: Auf buymyface.com vermieten die beiden seit Anfang Oktober für 366 Tage ihre Gesichter als Reklamefelder – zu Tagessätzen von 70 bis 150 Pfund.
Und der Kalender der beiden ist voll: Bis Anfang Dezember sind keine Termine mehr frei. Insgesamt haben sie in den ersten 20 Tagen schon fast 10 % des Geldes zusammenbekommen: 4.500 Pfund hätte die Idee schon gebracht, so Harper im Spiegel-Interview. Moyse und Harper fotografieren sich mehrfach am Tag, um zu beweisen, dass sie für das gezahlte Geld die Bemalung tatsächlich den ganzen Tag über tragen: "Das Wichtigste war, dass wir uns das Kratzen abgewöhnen", erklärt Harper.
Auf diese Art dürften die beiden das Geld, um die Schulden aus dem Studium abzubezahlen, schon in einem halben Jahr zusammenhaben. Ob das Beispiel auch in Deutschland Nachahmer findet, ist noch nicht bekannt.
Bildquelle: buymyface.com
Rankings gibt es wie Sand am Meer. Gerade Studienanfänger sehen in den Uni-Rankings eine gute Orientierungsmöglichkeit für die Wahl ihrer Wunsch-Uni. Ob und wie hilfreich diese Rankings wirklich sind, sei mal dahin gestellt. Aber nicht nur Unis, sondern auch Arbeitgeber schmücken sich zunehmend mit Auszeichnungen wie „Top Job“ oder „Top Arbeitgeber“. Aber auch der Titel „Great Place to work“ findet sich immer häufiger auf den Seiten einiger Unternehmen. Allerdings sind solche Auszeichnungen wenig hilfreich für arbeitsuchende Absolventen.
Arbeitgeberwettbewerbe funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Wer zahlt, ist dabei. Mit dem sogenannten Benchmarking werden mehrere Unternehmen einer Kategorie gegenübergestellt und zum Beispiel im Hinblick auf Unternehmenskultur und Vergütung verglichen. Die Ergebnisse variieren stark und sind so als Orientierungshilfe für Jobsuchende nur bedingt geeignet. Arbeitgeber, die ohnehin bei den Absolventen als beliebt gelten, haben es quasi gar nicht nötig, an solchen Wettbewerben teilzunehmen. Google, Audi und Co. werden demnach kaum mit den Auszeichnungen werben müssen. Zudem investieren häufig nur die Unternehmen in derartige Wettbewerbe, die sich sicher sind, dass sich die Investition auch lohnt und sie mit einer positiven Auszeichnung rechnen können.
Das ist natürlich nur ein Teil der ziemlich komplexen und unterschiedlichen Bewertungsmethoden. Oft werden auch Studenten gezielt gefragt, bei welchen Unternehmen sie gerne arbeiten möchten. Solche Image-Erhebungen dienen den Unternehmen aber vielmehr als Gradmesser für den eigenen Marktwert, denn kaum ein Student wird realistische Auskünfte über die Arbeitsbedingungen bei seinem Wunscharbeitgeber machen können. Alles in allem sind die Arbeitgeberwettbewerbe mit Vorsicht zu genießen, denn oft steckt vielmehr der reine Eigennutz für das Unternehmen dahinter, als eine unabhängige und aussagekräftige Orientierungshilfe für Jobsuchende. Wer es genau wissen will, sollte sich auf Informationen aus erster Hand verlassen und Freunde und Kollegen zu ihren Erfahrungen befragen. Die sind oft aussagekräftiger und authentischer, als jedes Gütesiegel.
Würdet ihr für 100.000 Dollar euer Studium schmeißen, um Teil einer neuen Geschäftsidee zu werden? Der Investor Peter Thiel, der auch schon das Bezahlsystem PayPal entwickelt hat, hat 24 Studenten ein Stipendium der besonderen Art angeboten: 100.000 US Dollar, wenn sie ihr Studium schmeißen, um mit seiner Unterstützung ein eigenes Unternehmen zu gründen. Dazu stehen ihnen in den ersten Jahren Mentoren zur Seite, die die Studenten unterstützen und beraten sollen.
Alle Kandidaten sind unter 20 und haben gerade ihr Studium an den Eliteunis in den USA begonnen. Sie haben sich in den verschiedensten Bereichen mit ihren Ideen bei Thiel beworben und erhalten nun die Chance, ohne Uni-Abschluss ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Wie viele von den Jungunternehmen später genauso erfolgreich werden, wie Peter Thiel, bleibt abzuwarten. Der Milliardär will mit seinem gewagten Gründer-Experiment vor allem aber beweisen, dass Bildungsabschlüsse zu hoch bewertet werden und vielmehr die Innovation gefördert werden muss.
Klingt alles sehr amerikanisch. Aber ich frage mich, warum nur Studenten von Eliteuniversitäten mit einbezogen werden. Denn eigentlich steht denen doch ohnehin ein dichtes Netz nützlicher Kontakte zur Verfügung, die sie während und nach Beendigung ihres Studiums nutzen können.
Zudem weiß ich nicht, ob ein 18-jähriger „Ersti“ wirklich schon die geistige Reife hat, um sein eigenes Unternehmen zu gründen (ja, Mark Zuckerberg hat das auch so gemacht, weiß ich ja.) Aber schließlich macht man ein Studium ja nicht ausschließlich, um später beruflichen Erfolg zu haben, sondern auch, um sich persönlich weiter zu entwickeln. Wahrscheinlich fehlt mir zu diesem Verständnis einfach der amerikanische Unternehmergeist.
Der Weg zum Traumberuf ist steinig und von zahlreichen Praktika gepflastert? Mag sein. Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit, die den Zugang zum Traumberuf erleichtern kann. Gerade Studenten können ihre Studienzeit im Hinblick auf den Traumberuf sinnnvoll nutzen, wenn sie sich engagieren. Dabei ist es völlig egal ob im sozialen Bereich oder bei studentischen Initiativen: Engagement und ehrenamtliche Tätigkeiten sind immer ein Pluspunkt.
Wer sich an seiner Uni engagiert, der hat die Möglichkeit sein Wissen aus dem Studium direkt anzuwenden und auszubauen. Studentische Initiativen bieten eine Vielzahl von Tätigkeitsfeldern in denen sich Studenten an realen Projekten versuchen können. Zudem können in der Zusammenarbeit mit den Unternehmen erste Kontakte geknüpft werden, die für den Start ins Berufsleben nützlich sind.
Aber nicht nur den Einstieg in das Berufsleben kann durch Engagement erleichtert werden. Vor allem die persönlichen Erfahrungen und das aktive Mitwirken an Projekten können einen großen Motivationsschub bedeuten. Zudem lernt man im praktischen Umsetzen des Erlernten viel eher seine persönlichen Fähigkeiten kennen. Dabei spielt auch der Umgang mit anderen Mitgliedern eine wichtige Rolle: Hier ist nicht nur Teamwork gefragt, sondern mit dem Kontakt zu anderen bildet sich ein weit verzweigtes Netzwerk, dass sich vor allem auch nach dem Studium als nützlich erweisen kann.
Auch ehrenamtliche Tätigkeiten können den Einstieg in das Berufsleben erleichtern. Denn wer sich während seines Studiums ehrenamtlich engagiert, der beweist nicht nur Verantwortungsbewusstsein, sondern auch Ernsthaftigkeit und Engagement. Hier gilt es jedoch zu beachten, dass die Tätigkeiten nicht erst kurz vor der Bewerbungsphase begonnen werden. Das könnte sonst etwas zu scheinheilig wirken.
Mit ehrenamtlichen Tätigkeiten und studentischen Initiativen lassen sich also wunderbar die sogenannten „Soft Skills“ trainieren und können einem neue Perspektiven bei der Berufswahl aufzeigen.
Je weiter das Studium voranschreitet und je älter man wird, umso näher rückt die Frage, was denn jetzt danach kommt. Oft erscheint die Entscheidung, die man nach dem Abi voller Motivation und Überzeugung gefällt hat, plötzlich naiv und unüberlegt. Viele Entscheidungen basieren vielmehr auf dem Bauchgefühl und den (eingeschränkten) Auswahlmöglichkeiten. So kann sich die Studienwahl nach ein paar Semestern als Flop herausstellen und man merkt, dass man sich in etwas verrannt hat. Das hat oft nichts mit dem Fach an sich zu tun, sondern auch damit, dass man älter wird und seine Stärken und Schwächen besser einzuschätzen weiß.
Bis einem das allerdings klar wird, ist der Abschluss schon zum greifen nahe. Wer vorher nicht den Absprung schafft und ziellos vor sich hin studiert, für den steht eine schwere Entscheidung an: Was, wenn ich mein Studium beende und gar nicht in diesem Bereich arbeiten will? Ein Zweitstudium können sich die wenigsten leisten und fragen sich: Bin ich dafür nicht schon zu alt? Nicht allein die Tatsache, dass man das Mindesthaltbarkeitsdatum des klassischen Absolventen nach Beendigung seines Studiums dann weit überschritten haben dürfte, bereitet vielen ein ungutes Gefühl. Auch die Tatsache, dass es dieses Mal wirklich klappen muss, setzt diejenigen unter Druck, die nochmal von vorne beginnen.
Aber ein Neuanfang kann sich wirklich lohnen und eine echte Chance sein. Das zähe „vor sich hin studieren“ könnte mit einem Neustart ein Ende haben.
Dennoch gilt es einige Dinge zu beachten: Generell ist es nie zu spät, aber je eher die Entscheidung getroffen wird, umso besser. Natürlich sollte man wissen, was man stattdessen machen will und sich gut über die Möglichkeiten und auch gegebenenfalls über die Anrechnungen von Studienleistungen erkundigen. Beratung ist ohnehin das Wichtigste. Außerdem sollte man einen Plan B parat haben, damit man nicht völlig aufgeschmissen ist, falls alle Stricke reißen. Bis zum Neustart muss also einiges an organisatorischer Vorarbeit geleistet werden, die frischen Wind auf dem Weg zum Traumjob bringen wird.


