Zu alt, verheiratet und zwei Kinder und kein deutscher Vorname? Diese Angaben in einer Bewerbung könnten vielen Jobsuchenden zum Verhängnis werden; ohne, dass vorher ein Blick auf ihre Qualifikationen geworfen wurde. Seit Herbst 2010 läuft daher ein von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Auftrag gegebenes Pilotprojekt zur anonymisierten Bewerbung. Daran beteiligen sich fünf große Unternehmen in Deutschland, bei denen sich Bewerber künftig anonym bewerben können.
Das gute alte Passfoto in der Bewerbungsmappe könnte daher bald der Vergangenheit angehören, denn es gibt nicht nur Auskunft über das Alter des Bewerbers, sondern auch über Herkunft und Geschlecht. So sollen vor allem ältere Bewerber, Frauen mit Kindern oder Migranten größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen. Denn laut einer Studie haben Bewerber mit Migrationshintergrund eine 14 Prozent geringere Chance zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, als ihre einheimischen Mitbewerber. Das soll sich mit dem einjährigen Pilotprojekt nun ändern: Einzig und allein die Qualifikationen der Bewerber sollen darüber entscheiden, ob man zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird, oder nicht.
Aber ich frage mich, ob das wirklich notwendig ist. Eigentlich müssten sich Unternehmen doch ihrer Verantwortung bewusst sein und klug genug sein, dass sie Bewerber mit ausländischem Vornamen und Top-Qualifikationen nicht einfach ablehnen. Aber das ist wahrscheinlich zu naiv gedacht, denn scheinbar ist das Problem der Diskriminierung so allgegenwärtig, dass ein Umdenken nötig ist. Gesetzlich wird sich das Verfahren der anonymen Bewerbung laut der Antidiskriminierungsstelle des Bundes jedoch kaum verankern lassen. Vielmehr soll sich das Verfahren in Zukunft auf freiwilliger Basis bei den Unternehmen etablieren.
Welche Ergebnisse dieses Pilotprojekt auch immer hervorbringen wird: Es hat auf jeden Fall die Diskussion um die Bewerberkultur in Deutschland neu angeregt.
Was ist denn nun die beste Variante, um sich zu bewerben? Soll ich zum Fotografen gehen und mich richtig gut für ein Bewerbungsfoto ablichten lassen oder lass ich das Foto lieber gleich weg?
Seit das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) eingeführt wurde, sollen Bewerber nicht mehr aufgrund ihres Fotos bzw. Äußeren beurteilt werden, sondern mehr nach ihren erbrachten Leistungen. Doch haben deutsche Personaler wirklich ihre Bewerbungsrichtlinien dahingehend angepasst, dass sie kein Bewerbungsfoto mehr verlangen?
Und warum betreiben viele Jobanwärter trotzdem noch den Aufwand, um ein möglichst gutes Abbild von sich zu präsentieren? Viele Bewerber kennen das AGG gar nicht oder lassen es einfach außer Acht, da sie denken ohne Foto nicht aufzufallen und Chancen nicht zu nutzen. mehr...


