Seit Eintritt der Bologna-Reform vor etwa 10 Jahren werden Bachelor- und Masterstudiengänge an europäischen Hochschulen eingerichtet. In Deutschland sind mit Beginn des Wintersemesters in 2011 schon 85% aller Studiengänge umgestellt worden, so der aktuelle Bologna-Bericht. Auch immer mehr Absolventen verfügen über einen Bachelor- oder Masterabschluss.
Noch vor einigen Jahren hatten Firmen kaum mit Bachelor- und Master-Absolventen zu tun. Inzwischen haben sie viele Erfahrungen mit den neuen Abschlüssen sammeln können. Anfängliche Zweifel an der Qualität oder der Kompetenz der Absolventen haben abgenommen. Viele Unternehmen sehen jedoch wesentliche Unterschiede beim Einarbeitungsbedarf von Bachelor- und Master-Absolventen. Solche mit einem Bachelor-Abschluss starten seltener mit anspruchsvollen Aufgaben und bedürfen anfangs häufiger einer genauen Anleitung. Oft führen Firmen dies auf die fehlende Praxis im Bachelor-Studium zurück.
Dabei war die Idee der Bologna-Reform, dass ein Bachelor-Studium sich gerade durch Nähe zum Arbeitsmarkt und zur Praxis auszeichnet. Viele Firmen unterstützten deshalb anfangs die Umstellung und schätzten die kurze Ausbildungszeit. Stattdessen hört man jetzt oft Kritik an Bachelor-Absolventen. Leider bieten Unternehmen in solchen Fällen selten ein berufsbegleitendes Master-Studium an, sondern setzen meist auf Weiterbildungsmaßnahmen. Immer mehr Bachelor entscheiden sich deswegen, nach ihrem Abschluss ein Master-Studium zu absolvieren, statt direkt in den Beruf einzusteigen.
Doch das muss nicht sein. Obwohl offensichtlich große Unterschiede zwischen Bachelor- und Master-Absolventen bestehen, suchen zwei Drittel der befragten Unternehmen nicht gezielt nach bestimmten Abschlüssen oder ziehen einen der beiden Abschlussarten vor. Der Fokus liegt vielmehr auf den Studienfächern und -schwerpunkten. Auch Praktika und Auslandsaufenthalte sind von Vorteil. Es lohnt sich also durchaus, nach dem Bachelor auf Jobsuche zu gehen.
Immer mehr Studenten entscheiden sich für Hochschulen in Ostdeutschland. Auch solche, die ursprünglich aus dem Westen Deutschlands kommen. So lässt sich schon seit 2008 eine deutliche Zunahme westdeutscher Studenten an ostdeutschen Hochschulen beobachten. Seit 2010 beginnen sogar mehr westdeutsche Abiturienten ein Studium im Osten als umgekehrt.
Trotzdem muss weiterhin sehr stark für Hochschulen in Ostdeutschland geworben werden, da es dort immer weniger Abiturienten gibt. In den Kampagnen werden Vorteile wie moderne Gebäude, geringe Mietkosten oder gute Betreuung angeführt. Laut einer aktuellen Studie äußert sich dies in einer hohen Zufriedenheit ostdeutscher Studenten. Sie übersteigt sogar die Zufriedenheit an Hochschulen in Westdeutschland. Gefragt wurde in der Studie nach Studieninhalten, Ausstattung oder Verknüpfung von Theorie und Praxis.
Trotz der guten Studienbedingungen ist der Berufseinstieg für ostdeutsche Absolventen wesentlich schwerer als für westdeutsche. Sie benötigen mehr Zeit für die Jobsuche, müssen mehr Bewerbungen schreiben und durchlaufen eine höhere Zahl an Bewerbungsgesprächen. Auch verdienen sie anfangs weniger Geld.
Hauptgrund ist meist die schlechtere Vernetzung von Hochschulen und Wirtschaft in Ostdeutschland, denn an der Qualifikation der Absolventen liegt es nicht. Ostdeutsche und westdeutsche Absolventen werden diesbezüglich von Personalern als gleich gut angesehen. Folglich brauchen ostdeutsche Absolventen zwar länger, um einen Job zu finden, haben aber deswegen keine schlechteren Arbeitsmarkt- und Karrierechancen.
Würdet ihr für 100.000 Dollar euer Studium schmeißen, um Teil einer neuen Geschäftsidee zu werden? Der Investor Peter Thiel, der auch schon das Bezahlsystem PayPal entwickelt hat, hat 24 Studenten ein Stipendium der besonderen Art angeboten: 100.000 US Dollar, wenn sie ihr Studium schmeißen, um mit seiner Unterstützung ein eigenes Unternehmen zu gründen. Dazu stehen ihnen in den ersten Jahren Mentoren zur Seite, die die Studenten unterstützen und beraten sollen.
Alle Kandidaten sind unter 20 und haben gerade ihr Studium an den Eliteunis in den USA begonnen. Sie haben sich in den verschiedensten Bereichen mit ihren Ideen bei Thiel beworben und erhalten nun die Chance, ohne Uni-Abschluss ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Wie viele von den Jungunternehmen später genauso erfolgreich werden, wie Peter Thiel, bleibt abzuwarten. Der Milliardär will mit seinem gewagten Gründer-Experiment vor allem aber beweisen, dass Bildungsabschlüsse zu hoch bewertet werden und vielmehr die Innovation gefördert werden muss.
Klingt alles sehr amerikanisch. Aber ich frage mich, warum nur Studenten von Eliteuniversitäten mit einbezogen werden. Denn eigentlich steht denen doch ohnehin ein dichtes Netz nützlicher Kontakte zur Verfügung, die sie während und nach Beendigung ihres Studiums nutzen können.
Zudem weiß ich nicht, ob ein 18-jähriger „Ersti“ wirklich schon die geistige Reife hat, um sein eigenes Unternehmen zu gründen (ja, Mark Zuckerberg hat das auch so gemacht, weiß ich ja.) Aber schließlich macht man ein Studium ja nicht ausschließlich, um später beruflichen Erfolg zu haben, sondern auch, um sich persönlich weiter zu entwickeln. Wahrscheinlich fehlt mir zu diesem Verständnis einfach der amerikanische Unternehmergeist.
Wer sich gegen Ende des Studiums schon das ein oder andere Mal mit seinen Kommilitonen über die zentralen Fragen, die die persönliche Zukunft betreffen, unterhalten hat, dem wird aufgefallen sein, dass es nur zwei Arten von Menschen gibt: Die einen, die weder die Stadt noch das Land interessiert, in dem sie später für ihren Traumjob landen und sich hauptsächlich am besten Jobangebot orientieren und die anderen, für die Faktoren wie die Nähe zum Partner, zu Freunden sowie die Stadt an sich entscheidend sind.
Viele zieht es für ihren Traumjob in das hinterletzte Kaff, andere bevorzugen das Altbewährte oder suchen gezielt in ihrer Traumstadt nach einem Job. Was aber hat Vorrang? Das persönliche oder das berufliche Glück? Und wie schwer lässt sich beides miteinander vereinen? Fernbeziehungen und Umzugskarussell sind in unserer Generation zum Standard geworden. Schließlich muss man nehmen, was man kriegen kann. Alles miteinander vereinen zu können, scheint für viele undenkbar, sodass sie ihre Prioritäten setzen.
Diese Einstellung ist vor allem das Resultat wachsender Unsicherheit und die Unwissenheit über den eigenen Marktwert gerade zum Berufseinstieg. Die meisten sind zunächst froh, wenn sie den ersten Job in Aussicht haben und stürzen sich auf das erstbeste Angebot. Wer danach noch einen Wechsel wagen will, der braucht viel Mut und Entscheidungswillen. Ein neuer Wohnort und ein neuer Job bedeutet auch immer ein Neuanfang. Und hier sollte man sich fragen, wie lange man das Spielchen mitspielen will und wann der richtige Zeitpunkt ist um sesshaft zu werden. Denn wie sagt man so schön: Wir werden alle nicht jünger.
"Oh Gott, ich bin im siebten Semester und habe immer noch nicht alle ECTS-Punkte für die Bachelorarbeit zusammen!" Kommt euch dieser Satz bekannt vor? Es scheint, als wenn man das in den Gängen der Uni heute von allen Seiten hört. Das böse Wörtchen "Regelstudienzeit" sitzt hämisch auf unserer Schulter und trinkt sich mit dem Hartz VI-Männchen schon mal ein Bierchen. So zumindest scheint es uns: Wenn wir nicht in sechs Semestern das Studium schaffen (fünf Praktika, Auslandssemester und exzellente Noten eingeschlossen), können wir das mit dem Einstiegsjob eh gleich knicken. Im Angesicht der Zukunft büffeln wir also was das Zeug hält und versuchen, dem schlechten Gewissen zuvor zu kommen oder, besser noch, gleich unter der Regelstudienzeit zu bleiben. Aber lohnt sich das überhaupt beziehungsweise interessiert das die Arbeitgeber?
Diese Frage hat für den Segen der Studenten jetzt endlich Justus Bender in der Zeit gestellt. Er beschreibt die irrationale Paranoia einiger Studis, wie dem 20-jährigen Felix, der sein Bachelor-Studium in drei Semestern abschloss und nebenbei sicher nicht viel vom Leben gesehen hat. Die im Hintergrund tickende Karriere-Uhr ist wohl auch ein Grund, warum mein Mitbewohner, Informatik-Student im 28. Semester, seit einem halben Jahr endlich mal Dampf macht und im Akkord für Prüfungen lernt.
Vor wenigen Jahren noch war der Langzeit-Student ein zwar nicht gern, dafür aber häufig gesehenes Phänomen an deutschen Unis. Die Wirtschaft schrie mit Blick auf die Konkurrenz anderer Industriestaaten nach jüngeren Absolventen. Mit Einführung von Studiengebühren und Bachelor / Master haben sie diese nun bekommen – und beschweren sich neuerdings über Absolventen, die noch zu grün hinter den Ohren sind. Tatsächlich hat aber die Studiendauer keine Auswirkungen auf das spätere Gehalt. Im Gegenteil werden Studenten, die mehr Praxis mitgenommen haben und dafür länger studieren mussten, bevorzugt eingestellt. Als Beweis zitiert Bender nicht nur Studien, sondern auch einige Personalchefs, die es ja wirklich wissen müssen.
Die Ängste werden also lediglich ausgelöst durch die Berichterstattung in den Medien: Karriereratgeber propagieren immer noch, dass das schnelle Studium ein entscheidender Erfolgsfaktor bei der Jobsuche sei. Statt auf Teufel komm raus durch's Studium zu rasen, sollten Studenten also lieber ein bisschen Muse walten lassen und neben der dazu gewonnenen Zeit versuchen mit Jobs, Praktika oder sonst was Erfahrungen zu sammeln. Und zum Prozess der persönlichen Reifung gehören nun mal auch der Rucksack-Trip durch Indien oder entspannte Gespräche in der Cafeteria…
Zugegeben, für mich haben Castingshows bisher immer nur für kurzweilige Abende hergehalten und keine wirklichen Lerneffekte hervorgerufen. Aber bei genauerem Hinsehen habe ich bemerkt, dass man sich besonders als Berufseinsteiger noch einige Tricks für das Vorankommen im Job abschauen kann. Es geht in Castingshows nämlich auch darum, wie ambitionierte junge Köche, Designer, Sänger oder Models das Fundament für ihre Karriere legen. Nehmen wir also passend zum Start der sechsten Staffel Germany's Next Topmodel und Co. mal genauer unter die Lupe.
Über den eigenen Schatten springen
Wie oft haben wir bei Germany's Next Top Model beobachtet, wie sich unscheinbare Mauerblümchen in Schwäne verwandelt haben? Daran waren nicht nur die legendären Umstyling-Aktionen schuld, sondern es hat sich meist tatsächlich was in der Ausstrahlung und vor allem der Einstellung der Nachwuchs-Models geändert. Laufstegtrainings, Fotoshootings und die Erfahrung an sich lassen die Mädels über sich hinaus wachsen – vorausgesetzt sie lassen sich darauf ein und scheuen keine Risiken.
Die Lektion für uns: Selbstbewusstes Auftreten und Charisma sind nicht nur im Model-Business existentiell, um voran zu kommen. Für manchen Berufseinsteiger ist es schwierig, sich in seiner neuen Rolle zu behaupten, denn im Berufsalltag lauern die alltäglichen kleinen Tücken wie Small Talk oder Präsentationen. Wer nicht ins kalte Wasser springen will, der kann schon während dem Studium versuchen, sich eben solchen Situationen bewusst auszusetzen – sei's im Praktikum, bei Studenteninitiativen oder indem man sich freiwillig meldet, um die Gruppenarbeit vorzustellen. Und obwohl man als Durchschnittsabsolvent wohl selten einen Catwalk betritt, sollte man sich auch im Alltag an die Devise "Kopf hoch, Brust raus" halten, denn die richtige Körperhaltung wirkt Wunder für das Selbstbewusstsein.
Ich kann nicht gibt's nicht
Habt ihr euch auch schon oft über die Models bei GNMT aufgeregt, die sich manchmal für die einfachsten Sachen zu fein sind? Da möchte man sich nicht zu freizügig geben und dort ist das Hochhaus-Shooting nicht mit der Höhenangst vereinbar. Wer sich dann von vornherein weigert, ist unten durch. Und genauso ist es auch im Job: Hin und wieder bekommt man Aufgaben zugeteilt, die in der vorgegebenen Zeit oder mit deinem Wissensstand erst mal unmöglich zu schaffen scheinen. Dann heißt es aber trotzdem: Zähne zusammenbeißen, denn auf den Chef macht ein Rückzieher wohl keinen guten Eindruck. So versucht man es wenigstens und schafft es am Ende vielleicht doch.
Zeitdruck inspiriert
Nehmen wir uns mal als zweites Beispiel "Project Runway" – die amerikanische Castingshow für Jungdesigner, ebenfalls moderiert von Heidi Klum: Für jede Challenge, in der die Teilnehmer je ein komplettes Outfit zusammenstellen sollen, haben sie meist nur einen Tag Zeit - das erfordert ein hohes Maß an Belastbarkeit. Und obwohl Stress meist nicht besonders inspirierend ist, schaffen es die Nachwuchsdesigner, trotzdem kleine Meisterwerke zu schaffen. Das muss wohl daran liegen, dass sie alle ein klares Ziel vor Augen haben – und eine Deadline, die ihnen Blockaden nicht erlaubt.
Gerade Studenten kennen das sicher gut: Monatelang schiebt man Hausarbeiten und Lernstoff vor sich her, bis dann (vermeintlich) zu wenig Zeit bleibt, um alles rechtzeitig zu schaffen. Aber nix da: Meist klappt es eben doch und gerade dann besonders gut. Nicht umsonst sagen viele: "Ohne Druck kann ich mich nicht motivieren." Es würde also helfen, sich seine Aufgaben gerade bei großen Projekten in kleinere Einheiten aufzuteilen und sich dafür dann selbst Deadlines zu setzen – es braucht nicht immer eine Heidi, um sich Druck zu machen.
Feedback einholen!
Alle Castingshows, also auch DSDS und dergleichen, haben eines gemeinsam: Regelmäßig erhalten die Kandidaten mehr oder weniger konstruktive Kritik – auch mal in Form des Rausschmisses oder eines bissigen Kommentars von Dieter Bohlen. Davon aber mal abgesehen kann man von Feedback nur lernen. Leider stehen in Unternehmen Feedbackgespräche nicht immer regelmäßig an, trotzdem sollte man aber danach fragen, um zu wissen, wo man steht und was man noch verbessern kann.
Was können Arbeitgeber von Berufseinsteigern erwarten? Ein breites Fachwissen, gute Noten und vielleicht noch ein paar Soft Skills. Aber einschlägige Berufserfahrung? Laut der aktuellen Studie "Campus 360" ist es tatsächlich genau das, worauf Personalentscheider den größten Wert legen. In 20 Ländern befragte trendence die Recruiter der Unternehmen mit dem größten Recruitingvolumen, wie sie über den akademischen Nachwuchs denken. Dass Praxiserfahrungen einen wichtigen Punkt im Lebenslauf darstellen, war ja zu erwarten. Aber dass sie laut Studie auf Platz eins der Einstellungskriterien landen, ist schon ein wenig überraschend. 67,9 Prozent der Befragten denken, dass Jungakademiker direkt nach dem Studium auch genauso einsetzbar sein sollten wie Professionals, die seit vielen Jahren im Beruf tätig sind. Der Studienschwerpunkt kommt auf Platz zwei (56,3 Prozent), mit weitem Abstand gefolgt von der Abschlussnote auf Platz drei (30,3 Prozent).
Widerspricht sich das nicht ein bisschen? Einerseits sollen Studenten die Uni mit einem breiten Fachwissen verlassen und andererseits verlangen Unternehmen, dass sie bitteschön genauso berufserfahren sind, wie solche, die schon ein paar Jährchen Berufsalltag hinter sich haben. Natürlich sind Praktika und Nebenjobs eine Möglichkeit. Dank Bologna schaffen es aber noch nicht alle Studenten, neben dem Bachelor-Studium in die Praxis zu gehen. Ich selbst habe genügend Kommilitonen, die bis kurz vor Studienabschluss noch keine Praxiserfahrung sammeln konnten. Denn auch Praxissemester sind selten im Studienplan vorgesehen.
Bei diesen Aussichten heißt es wohl weiterhin "Zähne zusammenbeißen": Studenten müssen versuchen, neben dem Klausurenstress Praktika oder außeruniversitäres Engagement mit in ihren Zeitplan zu integrieren. Oder man macht gleich ein duales Studium. Denn im Bewerbungsprozess bringt auch ein gutes Abschlusszeugnis nicht viel ohne einschlägige Berufserfahrung.
Und wer dann denkt, dass er zumindest schon mal mit guten Noten trumpfen kann, wird ebenfalls enttäuscht: Soft Skills und Persönlichkeit sehen die Personaler bei der Prognose von Karriereaussichten eines Bewerbers als wesentlich wichtiger an als die Hard Skills. Ganz vorne mit dabei sind Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke und Flexibilität. Und genau bei den Soft Skills sehen die Unternehmen auch die größte Schwachstelle von Absolventen. Die Fähigkeit, theoretisches Fachwissen in die Praxis umzusetzen, fehle häufig und führe dazu, dass viele Berufseinsteiger noch in der Probezeit gehen dürfen. An dieser Stelle schließt sich also der Kreis: Diese Fähigkeit kann man nur durch Berufserfahrung erlangen...
An den amerikanischen Hochschulen geht seit den jüngsten WikiLeaks-Enthüllungen ein neues Schreckgespenst um: Per E-Mail wurden Studenten von Universitäten, die als die Kaderschmieden für Diplomaten des Landes gelten, vor dem Zugriff auf die WikiLeaks-Dokumente gewarnt. Die Studenten würden wohlmöglich den Sicherheitscheck nicht bestehen, der nötig ist, um später im öffentlichen Dienst zu arbeiten, oder ein Praktikumsplatz zu bekommen. Denn durch den Zugriff auf die Dokumente könnte ihre Vertraulichkeit in Frage gestellt werden.
Die Studenten sind verunsichert und viele Professoren empört: Die Meinungs- und Informationsfreiheit wird eingeschränkt. Schließlich sind die Dokumente ohnehin für jedermann zugänglich und haben keine rechtliche Grundlage. Hier würde lediglich Angst geschürt um Schadensbegrenzung zu betreiben. Wer diese Warnungen verschickt hat ist unklar. Das Außenministerium distanzierte sich jedenfalls davon, derartige Warnungen versendet zu haben.
Erschreckend ist es allemal, denn schließlich sollte es doch Teil des Studiums sein, neugierig zu bleiben, frei zu diskutieren und sich auch mit aktuellen Themen auseinander zu setzen.
Aber gerade das scheint an den Kaderschmieden des Landes gerade nicht gern gesehen zu sein. Und mit der Angst der Studenten, später keinen Job zu bekommen, zu spielen scheint sich zu lohnen. Viele angehende Diplomaten fürchten, dass sie bei Aufnahmegesprächen, die auch Fragen über den unerlaubten Zugriff auf Regierungsdaten beinhalten, abgelehnt würden. Das Risiko möchten die meisten nicht eingehen und so lassen sie lieber die Finger von den Dokumenten.


