Ob in der Uni oder im Job: Wir alle wollen in der Regel mit guten Leistungen glänzen. Eine gute Abschlussarbeit oder die tadellose Präsentation eines Projekts können einen da ganz schön unter Druck setzen. Ein gesundes Maß an Ehrgeiz ist da genau das Richtige. Denn auch das Fertigwerden mit Misserfolgen stärkt das Selbstbewusstsein genau wie eine gute Note oder Erfolge im Beruf. Problematisch wird es erst, wenn man sich zum absoluten Perfektionsfanatiker entwickelt.
Die sind nämlich weder unter Kollegen noch unter Kommilitonen wirklich beliebt. Ihnen ist nichts gut genug und der kleinste Fehler wird nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei anderen getadelt. Verbissenheit und übertriebener Leistungsdruck können zu einer echten Blockade auf dem Weg zum Erfolg werden. Denn nicht selten läuft etwas anders als geplant: Fristen werden verlegt oder Themenschwerpunkte kurzfristig geändert. Wer sich hier verbissen an seinen ausgefeilten Arbeitsplan klammert, der gerät schnell in die Bredouille. Hier zeigt sich auch, woran es den meisten Perfektionisten mangelt: Flexibilität und Kreativität sind dabei nur zwei Defizite. Ebenso gelten Perfektionisten als wenig teamfähig, da sie oft an ihren Plänen festhalten und sich schwer auf andere Vorschläge einlassen können, aus Angst einen Fehler zu begehen.
Auch im Bewerbungsgespräch wird Perfektion häufig zum Thema, wenn die Frage nach den persönlichen Schwächen gestellt wird. Eine beliebte Antwort ist „Ich bin perfektionistisch.“ Aber mal ehrlich: Mir würde als Personaler diese Antwort zum Halse raushängen, weil es offensichtlich ist, dass derjenige doch eher eine als Schwäche getarnte Stärke preisgeben will. Ich finde, Perfektionismus ist eine handfeste Schwäche, die nicht mit Zuverlässigkeit oder einem gesunden Ehrgeiz verwechselt werden darf.
Gerade während der Krise haben Absolventen oft die Erfahrung machen müssen, dass der Berufseinstieg eher mühselig verlief: Absagen oder unsichere Arbeitsverhältnisse bereiten vielen Berufseinsteigern schlaflose Nächte.
Damit ist jetzt Schluss! Denn laut einer aktuellen Langzeitstudie des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) ist diese Angst unbegründet und das Motto „Früher war das alles leichter“ stimmt auch nicht so ganz: Wer heute als Fachkraft fest angestellt ist, der verliert laut WZB seinen Job nicht schneller als noch vor 25 Jahren.
Das Wissenschaftszentrum beobachtete über einen Zeitraum von 25 Jahren die Erwerbsverläufe von knapp 10.000 ausgebildeten Angestellten. Dabei kam heraus, dass das Risiko, entlassen zu werden, heute nicht höher ist als damals. Selbst wer die Stelle verlor, kam heute genauso schnell wie damals wieder bei einem neuen Arbeitgeber unter. Wer also gut ausgebildet ist und sich geschickt anstellt, der braucht sich nicht zu sorgen. Selbst die Anzahl der Absolventen, die zunächst unter einem Zeitvertrag arbeiten, ist laut der Studie kaum gestiegen. Bei Frauen liegt die Quote bei knapp fünf Prozent, bei den Männern bei zehn.
Das klingt erst mal beruhigend, aber wie sieht es mit denjenigen aus, die schon eine Weile Berufserfahrung auf dem Buckel haben? Da würde ich eher bezweifeln, dass der Berufseinstieg für diejenigen, die mit 50+ ihren Job heute verlieren, genauso gute Chancen haben, wie noch vor 25 Jahren. Aber was uns Absolventen betrifft würde ich ganz egoistisch sagen: Wir sind jung und brauchen das Geld. Was in den nächsten 25 Jahren passiert ist ohnehin nicht planbar.
Tja, ich weiß nicht genau, ob das bei vielen einfach reine Selbstüberschätzung oder einfach eine gehörige Portion Selbstvertrauen ist. Trotz der momentanen Wirtschaftskrise sehen Studenten einer aktuellen Studie von Ernst & Young zufolge eigentlich keine größeren Probleme, nach dem Studium einen Job zu bekommen. Das Wunschgehalt stieg im Vergleich zum Vorjahr sogar von 37.000 Euro auf 38.000 Euro an. Rund 50% der 3.000 befragten Studenten gab zwar an, dass die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sich prinzipiell eher verschlechtert hätten, 86% glauben jedoch, dass Sie nach dem Studium sehr schnell einen Job finden werden, der den eigenen Erwartungen und Qualifikationen entspricht.
Studenten von heute haben aber nicht nur höhere Gehaltsvorstellungen als noch vor einem Jahr, sie sind zudem weniger dazu bereit für einen Job umzuziehen. Es sind zwar immer noch 84%, die einen Umzug in Betracht ziehen würden und damit nur 1% weniger als 2008, aber auch das finde ich ziemlich bemerkenswert.
Nur um das noch mal kurz zusammenzufassen: es dürfte also kein Problem sein, direkt nach dem Studium einen Job zu finden, der meinen Erwartungen erspricht, für den ich nicht umziehen muss und der auch noch sehr gut bezahlt ist!? Viel Glück kann ich da nur sagen. Die meisten werden es brauchen ... ...
Jetzt will ich die Optimisten nicht unnötig beunruhigen, aber laut Ernst & Young hat sich der Arbeitsmarkt für Berufsteinsteiger im letzten Jahr deutlich zum negativen verändert. Wo Unternehmen 2008 noch verzweifelt nach jungen Nachwuchskräften gesucht haben, stehen die Studenten momentan vor größtenteils verschlossenen Türen. Einige dürften da also schneller wieder auf den Planeten Erde zurück geholt werden, als es ihnen lieb ist. Klar ist, zieht die Konjunktur erst wieder an, ändert sich das ganze wieder. Das Absolventen-Job-Schlaraffenland wird es aber auf absehbare Zeit erst mal nicht (mehr) geben.


