Wenn man sich an der Uni umhört, dann wollen die meisten nach ihrem Abschluss vor allem einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz, der noch Zeit für Freizeit und Familie lässt. Die Frage nach der Moral spielt häufig eine untergeordnete Rolle. Aber wie ist das eigentlich, wenn man sich plötzlich in einem Beruf wiederfindet, der sich mit den Moralvorstellungen, die noch an der Uni für einen galten, nicht vereinbaren lässt?
Beispiele für derartige Berufsfelder gibt es zu Hauf. Zwar sind die Moralvorstellungen individuell, aber dennoch finden sich immer wieder Berufe, bei denen man durchaus in einen Gewissenskonflikt geraten kann. Für die einen ist nichts dabei, Menschen per Telefon Dinge zu verkaufen, die sie nicht brauchen, aber für die anderen ist selbst das bereits verwerflich. Aber auch beliebte Berufsgruppen, wie Juristen, spalten die Gemüter.
Bei vielen Berufen stellt sich die Frage, ob bei einer angemessenen Entlohnung auch mal die Moralvorstellungen über Bord geworfen werden können. Denn auf der einen Seite steht der persönliche Nutzen des Berufs, der den eigenen sozialen Status sichern soll und auf der anderen Seite die moralischen Werte. Lassen sich diese beiden Faktoren überhaupt miteinander vereinbaren? Ethikforscher sind der Ansicht, dass es keine unmoralischen Berufe gibt. Nicht das was gemacht wird ist entscheidend, sondern das „wie“.
Wie steht ihr zu moralischen Werten bei der Berufswahl? Kann man sich bei guter Bezahlung auch auf einen Beruf einlassen, der den eigenen Moralvorstellungen widerspricht?
Den einen packt es schon mit Anfang dreißig, die anderen brauchen etwas länger, aber irgendwann stellen sich viele die Frage: Ist mein Job eigentlich der richtige? Oft ging der Berufswahl eine reine Vernunftentscheidung voraus, die wenig mit einer persönlichen Leidenschaft zu tun hat. Die Berufswahl ist für viele keine wirkliche Wahl, sondern das Ergebnis von Entwicklung und einem Bedürfnis nach Sicherheit. Viele merken erst, wenn ihnen die Routine zu Kopf steigt, dass sie etwas ändern möchten.
Wer sein Hobby zum Beruf machen will, obwohl er noch in einem Arbeitsverhältnis steckt, für den gestaltet sich der Umstieg besonders schwer. Vor allem die finanzielle Sicherheit ist für viele ein gutes Argument, im alten Beruf zu bleiben. Gerade wenn man eine Familie hat, braucht es viel Mut, das Altbewährte hinter sich zu lassen. Wer den Umstieg dennoch wagen will und schon eine konkrete Vorstellung hat, der kann sich in speziellen Seminaren den nötigen Zuspruch sowie zahlreiche Tipps geben lassen.
Wichtig ist, dass Geld in jeder Hinsicht eine untergeordnete Rolle spielen muss. Wer sein Hobby auf irgendeine Weise zum Beruf machen möchte, der kann sich sicher sein, dass der Verdienst, zumindest in der Anfangszeit, unter dem Gehalt liegt, das man noch in seinem vorigen Job verdient hat. Wahrscheinlich muss man für seinen Traum sogar mehr arbeiten, bei einem kleineren Einkommen. Neben der finanziellen Absicherung z.B. durch den Partner, sollte man auch immer einen Plan B haben.
Außerdem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man ein Gefühl von Professionalität für sein Hobby entwickeln muss. Aus der einstigen freiwilligen Leidenschaft wird mit dem Beruf eine neue Pflicht, die auch zu einer neuen Routine werden kann. Wenn man allerdings keine Zweifel hegt, dass einen das Hobby als Berufsbild mehr ausfüllt, als jeder noch so gut bezahlte Job, dann sollte man sich tatsächlich überlegen, ob man nicht tatsächlich den Schritt wagen sollte.
Wer sich gegen Ende des Studiums schon das ein oder andere Mal mit seinen Kommilitonen über die zentralen Fragen, die die persönliche Zukunft betreffen, unterhalten hat, dem wird aufgefallen sein, dass es nur zwei Arten von Menschen gibt: Die einen, die weder die Stadt noch das Land interessiert, in dem sie später für ihren Traumjob landen und sich hauptsächlich am besten Jobangebot orientieren und die anderen, für die Faktoren wie die Nähe zum Partner, zu Freunden sowie die Stadt an sich entscheidend sind.
Viele zieht es für ihren Traumjob in das hinterletzte Kaff, andere bevorzugen das Altbewährte oder suchen gezielt in ihrer Traumstadt nach einem Job. Was aber hat Vorrang? Das persönliche oder das berufliche Glück? Und wie schwer lässt sich beides miteinander vereinen? Fernbeziehungen und Umzugskarussell sind in unserer Generation zum Standard geworden. Schließlich muss man nehmen, was man kriegen kann. Alles miteinander vereinen zu können, scheint für viele undenkbar, sodass sie ihre Prioritäten setzen.
Diese Einstellung ist vor allem das Resultat wachsender Unsicherheit und die Unwissenheit über den eigenen Marktwert gerade zum Berufseinstieg. Die meisten sind zunächst froh, wenn sie den ersten Job in Aussicht haben und stürzen sich auf das erstbeste Angebot. Wer danach noch einen Wechsel wagen will, der braucht viel Mut und Entscheidungswillen. Ein neuer Wohnort und ein neuer Job bedeutet auch immer ein Neuanfang. Und hier sollte man sich fragen, wie lange man das Spielchen mitspielen will und wann der richtige Zeitpunkt ist um sesshaft zu werden. Denn wie sagt man so schön: Wir werden alle nicht jünger.
Auch kurz nach dem Abschluss soll es ja den ein oder anderen Absolvent geben, der keine Ahnung hat, was er mit seinem Leben anfangen soll. Mehr oder minder hilfreich sind dabei kostenlose Berufswahltests, von denen es im Internet nur so wimmelt. Wie wär's dann zur Abwechslung mit einem Berufswahltest, der die Lieblingsfarben analysiert, anstatt auf Situationsfragen zu setzen?
Obwohl ich schon eine etwas genauere Vorstellung von meinem Traumberuf habe, probierte ich diesen Test aus Spaß einfach mal aus. Man klickt sich durch verschiedene Farbreihen, indem man je nach Anweisung diejenige eliminiert, die einem am besten oder am schlechtesten gefällt. Mit zwei Minuten Bearbeitungszeit ist es wohl zumindest schon mal der schnellste Berufswahltest der Welt.
Und tatsächlich: Mir werden zwei Profile angeboten (Creator und Organizer), deren Beschreibungen gar nicht mal so weit von meinen Interessen und Fähigkeiten entfernt liegen. Leider halten sich die Job-Möglichkeiten doch sehr vage – die Vorschläge reichen von Anwältin über Designerin, Architektin, Elektrikerin oder Werbefachfrau. Aha. Würde hier jemand fündig werden, der tatsächlich nach Antworten sucht und keine Ahnung hat, wo seine Reise hingehen soll? Ich habe das Gefühl, dass die Treffsicherheit des Tests Glückskeksen und Zeitungs-Horoskopen sehr nahe kommt.
Da sehe ich, dass laut Webseite das Dewey Color System das "genaueste Karriere-Test-Instrument der Welt" sein soll. Der Link zu einem Artikel im North American Journal of Psychology, der das vielleicht beweisen könnte, funktioniert leider nicht, weshalb ich weiterhin skeptisch bleibe. Angeblich wurden zur Entwicklung des Systems Online-User dazu befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Job sind. Die 750.000 Teilnehmer mit der Antwort "strongly agree" wurden anschließend auf ihre Farb-Präferenzen untersucht. Und vielleicht ist da ja wirklich was dran: Immerhin fällt bei der Farbabfrage jegliche Verzerrung durch falsche Selbstwahrnehmung weg, die sich bei textbasierten Berufswahltests gerne mal einschleicht. Also: Probieren kostet nichts.
P.S.: Wen die Funktionsweise genauer interessiert, der findet eine gute Erklärung im Careerbuilder.
Egal ob Lehrer, Anwalt oder Manager: Oft schlagen die Kinder einen ähnlichen Weg ein, wie ihre Eltern. Viele gehen den Weg ihrer Eltern, weil sie wissen was sie erwartet und welche Vorzüge der Beruf mit sich bringt. Besonders wenn die Eltern erfolgreich in ihrem Beruf sind und ihren Kindern das Gefühl vermitteln, dass es sich um einen erfüllenden Beruf handelt, wächst bei den Sprösslingen der Wunsch später selbst in diesem Beruf zu arbeiten. Aber Erfolg und Zufriedenheit sind nicht immer vererbbar und was viele Vorteile hat, kann ebenso viele Nachteile mit sich bringen.
Denn wer den Weg der Eltern wählt, der läuft Gefahr, sich ständig beobachtet zu fühlen. Möglicherweise fühlt man sich sogar unter Druck gesetzt an die beruflichen Erfolge der Eltern anknüpfen zu müssen. An dieser Stelle sind natürlich die Eltern gefragt, die sich bei der Berufswahl unterstützend, aber nicht fordernd zeigen sollten.
Bevor man sich für den Berufsweg der Eltern entscheidet, sollte man sich aber auch selber über einige Dinge im Klaren sein. So sollte man sich zunächst die Frage stellen, warum man den Beruf der Eltern überhaupt wählt. Ist es wirklich der eigene Wunsch, oder trifft man die Entscheidung lediglich, um die Eltern glücklich zu machen? Will man wirklich denselben Weg einschlagen, oder wählt man ihn, weil es der Einfachste ist? Habe ich wirklich die Fähigkeiten, die man für diesen Beruf benötigt, oder muss man sich eingestehen, dass man letztendlich nicht der Typ dafür ist?
Auch wenn man nicht den beruflichen Weg der Eltern wählt, sollte man dies nicht einfach um der Opposition willen machen, sondern weil man wirklich etwas Eigenes schaffen möchte. So gibt es viele Fragen, die man sich ehrlich beantworten sollte, bevor man sich für einen Weg entscheidet, denn letzten Endes kann man nur dann erfolgreich sein, wenn man voll dahinter steht.
Es gibt ja die interessantesten Studien und Umfragen zum Thema Berufswahl. Auf eine besonders ungewöhnliche Studie bin ich neulich gestoßen: Hier wurde vom Bundesbildungsministerium eine Umfrage in Auftrag gegeben, die Aufschluss darüber geben sollte, welche Faktoren bei dem Berufswunsch eine Rolle spielen. Befragt wurden dabei rund 2.500 Jugendliche, die kurz vor ihrem Schulabschluss standen. Erstaunlich ist, dass für rund 23 % aller befragten Schülerinnen, Fernsehserien eine größere Rolle bei der Berufswahl spielen, als die Berufsberatung oder die Schule.
Gegen „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und Co. sah die Berufsberatung ganz schön alt aus. Nur 17 % fühlten sich durch die Berufsberatung zu ihrem jetzigen Berufswunsch inspiriert und 13 % durch den Schulunterricht. Auffällig ist vor allem, dass laut Bildungsministerium Frauen in TV-Serien seltener über ihren Beruf definiert werden als Männer: „Bei 56 Prozent der männlichen, aber nur bei 40 Prozent der weiblichen Haupt- und Nebenrollen steht der Beruf im Zentrum des Handelns.“ Außerdem sind nur 0,7 % der Protagonistinnen im Bereich der Forschung und Naturwissenschaften tätig.
Nicht nur im Fernsehen sind Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen unterrepräsentiert. Auch im wahren Leben entscheiden sich die meisten Frauen gegen einen technischen oder naturwissenschaftlichen Werdegang. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels im Bereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sollen daher laut Bundesbildungsministerium schon in frühen Jahren Mädchen verstärkt an Technik und Naturwissenschaften herangeführt werden. Mit Initiativen wie zum Beispiel dem „Girls Day“ sollen Mädchen weg von den klassischen Berufsbildern hin zu vermeintlich männertypischen Berufen geführt werden. Und auch wenn ich nur ungerne Politiker zitiere, aber um es mit den Worten unserer Bildungsministerin zu sagen: „…meine Botschaft an alle Mädchen und jungen Frauen: Wir brauchen mehr Ingenieurinnen, Forscherinnen, Naturwissenschaftlerinnen.“
>>>Die meisten Studenten wünschen sich Praktika in namhaften Unternehmen. Aber dort lernt man meist nur eine Abteilung kennen und bekommt nicht besonders viel Verantwortung übertragen. Ein Praktikum in einem Start-Up dagegen bringt einem ganz entscheidende Vorteile, wie in der Gründerszene zu lesen ist.
>>>Daniela vom Bewerberblog gibt zu Bedenken, dass typische Berufsbilder in Fernsehserien die Berufswahl junger Menschen beeinflusst. Besonders Frauen in MINT-Fächern sind da eher selten, obwohl genau die gebraucht werden. Das soll sich demnächst ändern.
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