Um eine Hausarbeit oder eine Doktorarbeit zu fälschen, braucht man schon ein gewisses kriminelles Potenzial. Aber das ist alles nichts im Vergleich zu dem, was jetzt im norditalienischen Verona aufgedeckt wurde. Eine ganze Universität, die zunächst vor sechs Jahren in Rom ohne Anerkennung des Bildungsministeriums gegründet wurde und später nach Verona „umzog“, wurde jetzt als Schein-Universität entlarvt.
Die „Carolus Magnus Universität“ bot ihren Studenten Kurse in sehr weit gefassten Bereichen wie Unternehmens- und Wirtschaftsmanagement sowie Kunst- und Eventmanagement an. Selbstverständlich gegen Studiengebühren in Höhe von 7000 Euro. Aber nicht nur das verlorene Geld und die falschen und ungültigen Diplome sind besonders ärgerlich. Auch die verlorene Zeit wird den betroffenen Studenten wohl nicht ersetzt werden können.
Klingt alles ganz schön absurd, aber die enttarnte Schein-Uni ist kein Einzelfall. Hinter solchen Schein-Unis steckt eine ganze Industrie, die sich auf die Verleihung von ungültigen Urkunden und Diploma für zahlende „Kunden“ spezialisiert hat. Sogenannte „Titelmühlen“ schießen in Europa wie Pilze aus dem Boden. Diese verleihen jedoch nicht nur ungültige Zertifikate, sondern lassen sich ihre „Studiengänge“ auch durch selbstgegründete Akkreditierungs-Komitees beglaubigen.
Im vergangenen Jahr konnte ein Anstieg von 31 Prozent dieser Titelmühlen in Europa festgestellt werden. Dabei liegt Großbritannien mit 339 Diplom- und Akkreditierungsmühlen auf Platz eins in Europa. In Italien, das an zweiter Stelle kommt, konnte im vergangenen Jahr ein Anstieg von 207 Prozent der bekannten Titelmühlen verzeichnet werden. Natürlich sind die hier erworbenen Titel kaum irgendwo gültig. In Deutschland ist man selbst für die Prüfung der Rechtmäßigkeit seines erworbenen Titels verantwortlich und kann sogar strafrechtlich belangt werden falls es sich um einen "Schein-Diplom" handelt.
Gegen Plagiate wird an den Unis mittlerweile mit harten Bandagen gekämpft. Aber was ist
eigentlich mit den wissenschaftlichen Arbeiten von Nicht-Studenten? An der Uni Göttigen ist die Bombe jetzt geplatzt. Eine Hand voll sogenannter Forscher soll beim Antrag auf Förderung nicht ganz die Wahrheit gesagt haben und sogar einige Publikationen frei erfunden haben um sich Fördergelder zu erschleichen.
„Wissenschaftliches Fehlverhalten“ nennt sich so was dann. Vielleicht könnte man es auch einfach als „Betrug“ verzeichnen. Dummerweise flog der Schwindel Anfang des Jahres auf und der Antrag auf 8,6 Millionen Euro Forschungsgelder wurde von der Hochschule zurückgezogen. Die Georg-August-Universität fürchtet nun, verständlicherweise, um ihren Ruf als Elite-Universität und will nun prüfen lassen, ob die bisher bewilligten Gelder angemessen eingesetzt worden sind. Laut „Spiegel“ könnten mindestens 200 000 Euro zweckentfremdet worden sein.


