Solidarität wird in diesen Tagen wohl groß geschrieben unter Studenten. Nachdem unter anderem in Wien und Salzburg Studenten in Österreich zum Protest Hörsääle besetzt hatten, ist gleiches nun mittlerweile auch in München, Münster, Heidelberg und Potsdam der Fall. Wie hat alles angefangen ...
In Österreich ist es in den Hörsäälen zu voll, gleichzeitig mag man aber keine Zulassungsbeschränkungen und natürlich auch keine Studiengebühren. Daraufhin entschloss man sich Hörsääle zu besetzen und auf ein Gespräch mit dem Wissenschaftsminister Hahn zu pochen. Der hat keine Zeit, die Studenten dafür umso mehr. Per Livestream aus dem Wiener Audimax oder Twitter Feed wird nun jeder auf dem Laufenden gehalten.
Sofort begeistert von der Idee der "Besetzung" waren die Studenten der "Akademie der bildenden Künste" in München und auch der Uni Münster (auch hier mit Live-Übertragung). Sehr passend, dass hier auch gerade interessierten Schülern am "Hochschultag" das Uni Leben mal ein bisschen gezeigt wird. Einen besseren Einblick kann es ja fast nicht geben. Und einmal in Fahrt lohnt es sich natürlich auch per Plakat im Audimax die zweite Welle des Bildungsstreiks anzukündigen, welcher am 17.11.2009 in die zweite Runde gehen soll.
Im schönen Heidelberg nahmen am Dienstagabend 150 Studenten den Hörsaal 14 der Neuen Universität in Beschlag - Und auch wenn es über Nacht nur noch knapp 30 waren - der Asta glaubt, dass der "Funke aus Österreich" überspringt. Spätestens als dann per Live Schaltung nach Wien die österreichischen Kollegen die Heidelberger in Echtzeit dazu aufforderten "die Bewegung nach Deutschland zu tragen" war für diese klar: Hier gehen wir nicht mehr weg! Nachdem im Juni aber noch die Polizei anrücken musste um vor dem Rektorat kampierende Studenten wegzutragen, scheint hier bislang alles friedlich abzulaufen. Sogar die Tür zum Hörsaal steht offen ...
In Potsdam stimmt am Mittwoch eine Vollversammlung "für die Solidarisierung" mit Österreich. Auch hier gab es Live-Schaltungen und das "Streikkomitee der Universität Potsdam" verbuchte die Aktion bereits als vollen Erfolg. Uni und Asta meldeten auch hier das Audimax am Donnerstagnachmittag offiziell als besetzt.
Es ist schon eine Weile her mit dem Bildungsstreik und alle warten gespannt auf die Taten, die jetzt folgen sollen. In 80 Städten gingen um die 100.000 Schüler und Studenten auf die Straße, um für ein gerechteres Bildungssystem zu demonstrieren. Man kann von unserer Generation sagen, sie sei unpolitisch und ideenlos, aber beim Bildungsstreik überraschte sie mit so viel politischem Engagement, wie nie zuvor. Da kam der Satz von Bundesbildungsministerin Annette Schavan gar nicht gut an. Denn die Forderungen des Bildungsstreiks als „gestrig“ zu bezeichnen, war nicht besonders klug und gab dem Ganzen einen arroganten Beigeschmack. Eine Generation, die sich seit langem nicht mehr zu Wort gemeldet hat, geht schließlich nicht aus Langeweile auf die Straße, sondern will ernst genommen werden.
Jetzt bin ich mal gespannt ob es irgendwelche Entwicklungen in naher Zukunft geben wird oder ob man wieder mit leeren Versprechungen hingehalten wird. Zwar wurde jetzt die Aufmerksamkeit erregt, aber jetzt geht es darum, sie auch zu behalten. Naja, bald ist wieder Wahl und mal gucken was sich da so in Sachen Bildung so tut. Mit dem Bildungsstreik wurde jedenfalls der Grundstein gelegt und egal, was dabei rumkommt: Wir sind endlich mal wieder auf die Straße gegangen und haben dem ganzen Ärger mal Luft gemacht und uns Gehör verschafft.
So, jetzt ist es so weit! Ab morgen beginnt der Studenten-Streik-Sommer. Ich habe an dieser Stelle ja vor ein paar Tagen davon berichtet, deswegen werde ich da jetzt nicht nochmal näher drauf eingehen. Geplant sind Demonstrationen, Vorlesungsboykotts, Seminarbesetzungen und symbolische Banküberfälle (!!) in über 70 Hochschulstädten in ganz Deutschland. Die meisten von euch werden ja wohl mittlerweile aber auch selber schon genug drüber wissen. Wer Zeit und Lust hat kann uns ja berichten, was an der "eigenen" Uni bzw. Stadt denn tatsächlich so auf die Beine gestellt wird. Momentan befürchten viele Politiker ja, dass das ganze von linken Gruppierungen eher missbraucht wird und dann in einigen Städten dann doch zu einem Frankreich 2.0 ausarten könnte. Ich bin schon richtig gespannt, wie diese Woche verlaufen wird ... 

