Wir wussten es ja schon immer: Studenten sind in der Regel arm und kratzen am Existenzminimum. So das gängige Klischee. Allerdings wird das hart ersparte Geld häufig in teure Smartphones, Laptops oder Mp3-Player gesteckt. Und genau das macht wohl die Uni zu einer wahren Hochburg der Kriminalität. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gutgläubig einige Studenten ihren Laptop der ihr Handy an ihren Arbeitsplätzen in der Bibliothek unbeaufsichtigt rumliegen lassen, während sie nur kurz zur Toilette gehen oder sich einen Kaffee holen. Ich hingegen trage fast krankhaft meinen Laptop und meine Wertsachen bei mir, auch wenn ich nur kurz meinen Arbeitsplatz verlasse.
Zu Recht, wie jetzt eine Umfrage der Zeitschrift Unicum ergab. Danach wurden fast 10% aller Befragten schon mal in der Uni bestohlen. Klingt zunächst nicht viel, aber der finanzielle Schaden ist dafür umso höher: Rund ein Drittel der gestohlenen Geräte war von 200 bis über 1.000 Euro wert. Nicht zuletzt sind es bei Laptops und Handys vor allem die verlorenen Daten und Kontakte, die bei einem Diebstahl besonders bitter sind.
Das beste Beispiel wie ärgerlich ein Diebstahl werden kann, zeigt der Hilferuf per Aushang einer Studentin der Uni Paderborn, der in der Bibliothek ihr Laptop mit samt der Diplomarbeit geklaut wurde. Nicht so schlimm, will man meinen, da sie von der Arbeit sicherlich irgendwo eine Kopie gemacht hat. Ja, hatte sie. Und zwar auf einem USB-Stick, der selbstverständlich am geklauten Laptop steckte.
Wer sich den Ärger also ersparen möchte, der sollte nicht zu gutgläubig sein und, was ohnehin immer wichtig ist, seine Daten zu Hause sichern. Schließlich weiß man nie, wer es auf das Hab und Gut abgesehen hat.
Schon wieder gibt es in Deutschland einen neuen Fall einer nicht nachvollziehbaren Kündigung. Eine 59-jährige Küchenhelferin eines Krankenhauses soll drei Brötchen gestohlen haben und erhielt dafür eine fristlose Kündigung. Dagegen ging die Frau vors Arbeitsgericht, um die ungerechtfertigte Kündigung anzufechten. Sie wollte ihren Job wiederhaben, denn schließlich habe sie die Brötchen nur für sich und eine Arbeitskollegin zurückgelegt, um diese nach Feierabend zu vertilgen. Also wenn das eine fleißige Mitarbeiterin, die dem Krankenhaus 20 Jahre treu war, nach all den Jahren nötig hat, dann kann sie eigentlich froh sein, den Job los zu sein.
Zwar bekam die entlassene Küchenhelferin vor Gericht den Zuspruch des ehemaligen Arbeitgebers, ihr das Gehalt bis September fortzuzahlen. Den Vorwurf des Diebstahls konnte er jedoch nicht durchsetzen, aber das Vertrauen zu der Mitarbeiterin sei so sehr geschädigt, dass sie nicht weiter im Krankenhaus arbeiten könne. Die Brötchen sind einfach nur ein unglaubwürdiger Grund, die Mitarbeiterin los zu werden. Warum sonst hat man in ihrem Spint nach etwas, was gegen sie verwendet werden kann, gesucht und es gefunden?
Auch andere Kündigungen wegen Bagatellschäden erregen Aufsehen. Bekannt ist ja schon der Fall einer Kassiererin, die nach 30 Jahren treuer Arbeit im Supermarkt, Pfandbons im Wert von 1,30 Euro einsteckte. In einem anderen Fall verlor ein Müllmann seinen Job, da er ein Kinderbett vom Müll mitgenommen hatte. Zwei Bäcker erhielten die fristlose Kündigung, weil sie Brötchenbelag, im Wert von ein paar Cent, während ihrer Arbeit gegessen haben. Werden die Diebe nur immer dreister oder die Arbeitgeber immer kleinkarierter?
Kein Geld, leerer Kühlschrank und provisorische Einrichtung – so stellt man sich das typische Studentenleben vor. Eine mittellose Spezies, immer am Existenzminimum kratzend. Diese Umstände bringen es scheinbar mit sich, dass einige nicht mehr zu Ikea fahren, um günstige Haushaltsgegenstände, Geschirr und Besteck zu kaufen, sondern die Cafeteria oder die Mensa nutzen, um ihren Hausstand aufzustocken. Ein Kaffee-Tässchen hier, ein Teelöffel da und so kommt mit der Zeit ein beachtliches Sortiment an Besteck und Geschirr zusammen.
Und so finden sich in fast jeder WG mindestens ein Kaffee-Becher mit dem Logo der Uni oder ein Tee-Löffel, der irgendwie nicht zu den anderen passt und auf unbekannte Weise den weiten Weg aus der Mensa in die heimische Besteckschublade gefunden hat. Sein schlechtes Gewissen kann man dann damit beruhigen, dass man ja schließlich Studiengebühren zahlt und ein Teelöffel im Semester drin sein müsste.
Schlecht nur, wenn man sich so dumm anstellt, wie eine Studentin der Uni Paderborn, die sich nicht nur als besonders dreist, sondern auch noch als besonders ungeschickt erwies: Nachdem sie sich in der Mensa mit reichlich Besteck in den Ärmeln ihrer Jacke in Richtung Sitzplatz bewegte, fiel ihr plötzlich, nach einer ungeschickten Bewegung, unter lautem Klimpern und Scheppern das gesamte Diebesgut zu Boden. Die ungläubigen Blicke der Mensa-Besucher und der Spott ihrer Mit-Studenten dürften Strafe genug gewesen sein.


