Zum Wintersemester 2011/12 werden eine halbe Millionen Erstsemester an den deutschen Hochschulen erwartet, so viele wie noch nie zuvor. Gründe hierfür sind, dass in Niedersachsen und Bayern gleich zwei Abiturjahrgänge abgehen, dass durch den Wegfall der Wehrpflicht weitere 50.000 junge Männer an die Unis gespült werden und dass die steigende Zahl von Studenten durchaus politisch gewollt ist - erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, die Akademikerrate von derzeit rund 24 auf 40 Prozent zu erhöhen. Alles in allem wird 2011 also ein absolutes Rekordjahr werden was den Studienbeginn betrifft und das ist noch nicht alles. Bis zu einer Million Studienanfänger zusätzlich werden bis zum Ende des Jahrzehnts erwartet.Neben der anstehenden Studentenschwemme wird auf die Hochschulen langsam aber sicher eine weitere Herausforderung zukommen, denn durch die Einschulung mit fünf, G8 bzw. Express-Abitur werden immer mehr Minderjährige ein Studium beginnen – z. Zt. sind es lt. Statistischem Bundesamt 761 Minderjährige, die an deutschen Hochschulen eingeschrieben sind. Das hört sich nicht nach besonders viel an aber das Thema wird in Zukunft bildungspolitische Relevanz haben. Zumindest geht davon die Berliner Wissenschaftssenatsverwaltung aus. Zwar könne man noch keine genaue Prognose bezüglich der zukünftigen Anzahl minderjähriger Studierender abgeben, trotzdem rechne man mit kontinuierlich steigenden Zahlen.
Neben der Frage ob das „Hetzen“ durch die einzelnen schulischen Institutionen mit dem Terminus Kindheit zu vereinbaren ist, treten auch ganz profane Probleme auf. Minderjährige sind nicht geschäftsfähig, können sich also z. B. ohne Zustimmung der Eltern weder immatrikulieren noch einen Bibliotheksausweis beantragen. Und wie sieht es aus, wenn nicht-jugendfreie Inhalte Thema einer Lehrveranstaltung sind, sei es nun gewaltverherrlichendes oder pornographisches Material? Weiterhin wird an Universitäten zu verschiedenen Anlässen auch Alkohol ausgeschenkt.
Zusätzlich zu diesen rechtlichen und strukturellen Aspekten kommt auch noch die soziale Komponente. Seit das Alter für die Einschulung vorverlegt wurde, startet manche Schullaufbahn bereits mit fünfeinhalb Jahren. In Kombination mit der Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre ("G8") führt das zu durchschnittlich 17-jährigen Erstsemestern. Dann gibt es auch Schüler, die ein oder zwei Klassen überspringen. Das bedeutet, dass bereits mit 15 oder 16 Jahren ein Studium aufgenommen wird. Fällt es 15-, 16-Jährigen schwerer, sozialen Anschluss an die älteren Kommilitonen zu finden, obwohl sie als Hochbegabte auch im sozialen Bereich eine Tick besser als die anderen sind? Können Spätpubertierende im Zuge einer Medizinerausbildung so ohne weiteres am Krankenbett eines Patienten stehen? Weiterhin erfordert z. B. die kritische Auseinandersetzung mit bestimmten Themen der Geistes- und Sozialwissenschaften eine gewisse Reife der Persönlichkeit.
Werden demnächst die Hochschulen Erziehungsaufgaben übernehmen? Bisher verstehen sich deutsche Hochschulen als Orte der Erwachsenenbildung. Sozialpädagogische Unterstützung und strukturelle Maßnahmepakete für sehr junge Leute sind bisher Fehlanzeige im Gegensatz zu britischen oder US-amerikanischen Universitäten, die auf Minderjährige Studierende von betreuten Wohnheimen bis zu altersspezifischen Sportprogrammen ausgerichtet sind. Es bleibt abzuwarten inwiefern die deutschen Hochschulen in Zukunft Aufgaben der Schule übernehmen werden.
Egal ob Fremdsprachenkenntnisse oder Schullaufbahn – laut einer aktuellen Umfrage der Zeitschrift Wirtschaftswoche achten Personaler scheinbar genau darauf, von welcher Hochschule ein Bewerber kommt. Ein Abschluss an der Technischen Hochschule Aachen ist demnach am beliebtesten.
Informatiker und Ingenieure erhalten dort eine erstklassige Ausbildung. Im Bereich Maschinenbau ist die RWTH Aachen mit weitem Abstand eine der Top-Adressen, denn laut dieser Umfrage vertreten etwa 70 Prozent der Personaler die Meinung, dass Aachen die besten Nachwuchs-Maschinenbauer ausbildet. Auch Absolventen der Universität Mannheim im Fach Betriebswirtschaftslehre sind heiß begehrt. Neben Mannheim erreichten auch die Universitäten in Frankfurt am Main, Münster und Köln sowie die Ludwig-Maximilians-Universität hohe Punktzahlen.
Wer jedoch keine dieser Hochschulen besucht, sollte den Kopf nicht in den Sand stecken, schließlich kommt es auch auf die Persönlichkeit des einzelnen Bewerbers an. Rund 87 Prozent der Personalchefs achten auf diesen Gewichtspunkt, ebenso wie Soft Skills und Praxiserfahrungen.
Nachdem es beschlossene Sache ist, dass die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt wird, macht man sich anscheinend so langsam Gedanken, was das wohl für die Unis bedeuten könnte. Gegenüber dem Handelsblatt vermeldet jetzt der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), "dass die Hochschulen 2011 bis zu 50 000 zusätzliche Studenten aufnehmen müssen". Das sind dann genau die, die eigentlich ihren Zivil- oder Wehrdienst hätten leisten müssten, nun aber nach Ihrem Abitur sofort an die Unis strömen werden. Ein besonderes Problem bei der ganzen Sache ist, dass für das Jahr 2011 ohnehin mit einem besonders großen Andrang gerechnet wird. In dem Jahr legen nämlich in den Bundesländern Bayern und Niedersachsen doppelte Jahrgänge ihr Abitur ab.
Die Rechnung der KMK ist die Folgende:
Letztes Jahr wurden 68 000 Männer zum Wehrdienst einberufen, 90 000 leisteten ihren Zivildienst. Geht man jetzt also davon aus, dass knapp 40 Prozent eine Hochschulzugangsberechtigung haben, wären das um die 64 000 potenziellen Anwärter. Wenn von denen dann die üblichen 70% tatsächlich ein Studium aufnehmen, wären es also 45 000 bis 50 000 zusätzliche Studienanfänger.
Die Hochschulrektorenkonferenz geht zwar davon aus, dass im kommenden Jahr "nur" 18 000 bis 20 000 aus der oben genannten Gruppe an die Hochschulen kommen werden, da ist möglicherweise aber der Wunsch auch mehr Vater der Gedanken. Betrachtet man die augenblicklich schon aus allen Nähten platzenden Unis, kann man allen Studienanfängern des Jahres 2011 nur viel Spaß wünschen! Denen die schon da sind, natürlich auch ...
Seit ein paar Tagen können sich künftige Studierende unter der Internetadresse www.was-studiere-ich.de online selber testen und somit herausfinden, welches Fach zu ihnen passt. Das Verfahren kann von allen Hochschulen für das ab 2011 für alle Studieninteressierte notwendige Orientierungsverfahren verwendet werden. Der Orientierungstest ist ein standardisiertes Frage-Antwort-Verfahren. Mit seiner Hilfe sollen Interessen und kognitive Fähigkeiten von Studieninteressierten festgestellt werden und mit den Anforderungen von Studienfächern (und Berufen) abgeglichen werden. Gegliedert ist der Test in zwei Teile, einen Fähigkeitstest und einen Interessentest. Der Fähigkeitstest kann freiwillig absolviert werden, der Interessentest ist hingegen Pflicht und dauert knapp 15 Minuten. Nach Beendigung des Tests erhält man dann eine Auswertung mit Informationen zu den eigenen Studieninteressen und -fähigkeiten, zusammen mit Empfehlungen im Hinblick auf potentielle Studiengänge oder spätere Berufsmöglichkeiten. Die Hochschulen erhalten gleichzeitig eine Bestätigung, dass der Test gemacht wurde.
Hintergrund ist, dass ab 2011 Hochschulen in Deutschland verpflichtende Orientierungsverfahren einführen müssen, die dann Voraussetzung für die Aufnahme des Studiums sind. Der Online-Test ist nicht verpflichtend, die Hochschulen können auch andere Verfahren wählen. Schon längere Zeit online ist übrigens der Orientierungstest für künftige Lehramtsstudenten. Wer später gerne mal an einem Gymnasium unterrichten möchte, für den ist dieser bereits ab dem kommenden Wintersemester verpflichtend, alle anderen Lehrämter machen ab 2011 damit Bekanntschaft.
Ich selber halte von solchen Tests übrigens überhaupt nichts und bin froh, dass mir so etwas erspart geblieben ist ...
Kategorie: Karriere
Die Bologna-Reform ist in aller Munde und treibt in der bundesweiten Bildungsstreikwoche über 70.000 Menschen auf die Straße. Passend zur derzeitigen Debatte über bessere Bildung und Studienbedingungen, veröffentlicht nun die FernUniversität Hagen ihre Ergebnisse einer Umfrage im vergangenen WS 09/10 zur Umsetzung der Bologna-Prozesse. Und diese zeigt, dass die befragten Bachelor- und Masterstudierenden (ab dem dritten Semester) durchaus hinter dem Konzept stehen.
Zwei Drittel der befragten Studenten nennen, dass sie mit der Betreuung sehr zufrieden sind. Grund hierfür ist z.B., dass bereits 2006 feste Vorgaben für die Modularisierung gemacht wurden, um so Probleme bei der Leistungsbeurteilung und Prüfungsorganisation zu verhindern. Im Hinblick auf die Tatsache, dass 86 Prozent der Befragten berufstätig sind, ermöglicht die verkürzte Studienzeit zudem einen schnelleren Studienabschluss und die Fernstudenten geben an, dass die Studienbedingungen gut zu ihren persönlichen Lebensumständen passen.
Allerdings war die Beteiligung mit 12 Prozent eher gering und zeugt für ein minimales Interesse an der derzeitigen Diskussion. Knapp die Hälfte der befragten Fernstudenten macht die Angabe, die Kritik als überhaupt nicht oder nur bedingt berechtigt zu empfinden. Hinsichtlich der Leistungsanforderungen geht die Meinung von Präsenz- und Fernstudenten ebenfalls auseinander. Letztere gaben in der Befragung an, dass es weder zu viele noch zu schwere Prüfungen gibt.
"Normale Studenten" werden nicht nur bei dieser Aussage die Nase rümpfen und sich fragen, ob nicht entscheidende Unterschiede zwischen Fern- und Präsenzuniversität liegen. Kaum ein Fernstudent wird Erfahrungen damit gemacht haben, wie es ist, in einem überfüllten und stickigem Raum die klausurrelevanten Wortfetzen des Profs mitzuschreiben, der die ganze Zeit gegen das allgegenwärtige Gemurmel anschreit. Auch wird er nie aus einem Kurs rausgeflogen sein, weil zu viele Studenten nicht nur die Fluchtwege blockieren, sondern auch die Prüfungskapazitäten sprengen. Hier gilt in der Regel: Alter vor Schönheit! Um älteren Semestern endlich Zutritt zu den letzten Prüfungen zu gewähren, müssen die Jüngeren noch mal eine Ehrenrunde drehen. Wen wundert es daher, dass Regelstudienzeiten kaum einzuhalten sind und der Traum von einem schnellen Studienabschluss, bereits nach wenigen Semestern, in weite Ferne rückt.
Mein Fazit lautet an dieser Stelle: Entweder studieren wir demnächst alle voller Selbstdisziplin von zu Hause aus oder man sieht sich demnächst wieder auf der Straße, um unserer Stimme Gehör zu verleihen!
Kaum ein Studienanfänger kommt gerne erst mitten im Semester an einer Universität an - ohne Freunde, Wohnung und einen blassen Schimmer, wie man sich zurechtfinden soll. In diesem Semester muss das aber ca. 18.000 Studenten so ergangen sein, denn so viele Studienplätze blieben dank Einschreibechaos bis spät im Semester unbesetzt. Nicht auszurechnen, wie diese Zahl wohl ohne die Studienplatzbörse ausgesehen hätte.
Im Jahr 2004 wurde den deutschen Hochschulen mit der Möglichkeit der Direktbewerbungen mehr Eigenverantwortung bei der Auswahl ihrer Studenten eingeräumt. Die griffen aber größtenteils genau wie die ZVS auf einen Numerus Clausus zurück.
Schlimm genug, dass angehende Studenten wegen lästigen NCs in beliebten Studiengängen zahlreiche Bewerbungen abschicken müssen, um überhaupt irgendwo angenommen zu werden. Wenn die dann aber trotzdem dank Nachrückverfahren teilweise wochenlang auf gutes Wetter warten müssen, ist das schlichtweg unfair. Niemand kann den Studenten (mit Einser-Abitur) aber vorwerfen, dass sie ihre endgültige Studienplatzwahl lange abwägen und durch Doppeleinschreibungen eigentlich freie Studienplätze lange besetzen. Ganz nach dem Motto: "Wenn ich schon bezahle, darf ich auch selbst entscheiden, wo ich studiere." Andere bleiben dann eben lange auf der Strecke.
Das kann bis zu acht Nachrückverfahren nach sich ziehen - irgendwas im System muss also fürchterlich schlecht funktionieren. Sicherlich würde auch eine zentrale Vergabe für jeden Studiengang jämmerlich scheitern, deshalb versprechen Bund und Länder ab Herbst 2011 ein computergesteuertes Verfahren, das Abhilfe schaffen soll.
Es ist fragwürdig, ob ein sagenumwobenes Computerverfahren dem Chaos ein Ende bereiten kann. Aber es scheint wohl dank des begrenzten Einfallsreichtums der Hochschulen vorerst die einzige Lösung zu sein.
Die Studierenden in Baden-Württemberg müssen weiterhin für ihre Bildung bezahlen. 2007 wurden die Studiengebühren in Höhe von 500 Euro eingeführt. In der letzten Zeit gab es immer mehr Beschwerden und Proteste gegen diese Beiträge. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat jedoch entschieden, dass sie verfassungsgemäß und sozialverträglich sind. Damit wurden die Klagen gegen die Universität Karlsruhe und der Pädagogischen Hochschule in Freiburg abgelehnt.
Der Kampf gegen die Studiengebühren wird von der LAK (LandesAstenKonferenz) unterstützt. Die LAK ist der Dachverband von Studierendenvertretungen, der in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein existiert.
Wie in Baden-Württemberg muss auch in vielen anderen Bundesländern fürs Studium gezahlt werden, zu sehen bei Studis-Online. In NRW und Bayern können die Hochschulen selbst festlegen, wie hoch die Beiträge sein sollen. Höchstbetrag ist jedoch 500 Euro. Auch in Niedersachsen wird man mit 500 Euro zur Kasse gebeten. Anders ist es zum Beispiel in Berlin oder Brandenburg. Hier sind bis jetzt keine Gebühren zu zahlen und auch Hessen hat die Beiträge von 500 Euro bereits wieder abgeschafft. In anderen Bundesländern wird immer wieder heiß über dieses Thema diskutiert, bleibt abzuwarten wie es sich entwickelt.
Wie kann das sein? Noch vor wenigen Monaten wurde doch heiß darüber diskutiert, ob mit der Einführung von Studiengebühren nicht die Zahl der Studienanfänger sinken wird. Und jetzt sowas: Das statistische Bundesamt veröffentlichte letzte Woche die Zahlen zum Studienjahr 2008 und überraschenderweise gab es zuvor noch nie so viele Studienanfänger - studieren liegt also im Trend.
Der vorherige Spitzenwert aus dem Jahr 2003 wurde um ganze 2,4 Prozent übertroffen und stieg somit auf rund 386.500 „Erstis“ an. Auch die weibliche Welt der Studenten legte einen ordentlichen Vormarsch hin: Wohingegen 2003 noch 181.800 Frauen angefangen habe zu studieren, starteten 2008 5,8 Prozent mehr Frauen ins Studienleben – 192.300 also. Ihre männlichen Mitstudenten verfehlten ihren Höchstwert aus dem Jahr 2003 um 0,7 Prozent.
Eine brisante Veränderung gibt es auch in Bezug auf die Studienfächer – hier liegt die Fächergruppe Ingenieurwissenschaften ganz weit vorne: Um ganze 9,2 Prozent ist die Anzahl der Studienanfänger nach oben geklettert. Negativ-Stitzenreiter bei den Erstimmatrikulierten sind die Sprach- und Kulturwissenschaftler: Im Gegensatz zu 2003 sank die Zahl um 11,6 Prozent auf 68.000.
Außerdem bemerkenswert ist der Unterschied zwischen den Hochschulen. Wohingegen Fachhochschulen einen Anstieg von 21,5 Prozent im Gegensatz zu 2003 verbuchen können, zählen Universitäten 5,4 Prozent weniger Studienanfänger als 2003.
Jetzt kann man gespannt abwarten, wie sich die Studienzahlen in diesem Jahr entwickeln werden und welche Trends wohl zu verzeichnen sind.


