Der Gesundheitsreport der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) hat in den vergangenen Wochen besorgniserregende Zahlen veröffentlicht: Demnach lassen sich junge Arbeitnehmer doppelt so häufig krankschreiben, wie ihre älteren Kollegen. So fehlen junge Arbeitnehmer zweimal im Jahr und das für durchschnittlich sechs Tage. Ihre älteren Kollegen hingegen fehlten im Schnitt nur einmal pro Jahr. Sie brauchen jedoch rund 19 Tage um sich auszukurieren.
Hauptgründe für die Krankschreibungen waren bei den unter 30-Jährigen vor allem Atemwegs- und Infektionskrankheiten. Allerdings ist auch ein deutlicher Anstieg von Krankschreibungen aufgrund von psychischen Erkrankungen festgestellt worden. Der Grund für diese Entwicklung liegt laut DAK vor allem in der Berufssituation der jungen Arbeitnehmer. Ein unsicheres und oft befristetes Arbeitsverhältnis sorgt bei vielen für einen permanenten psychischen Stress, der sich dann auf die körperliche Gesundheit auswirkt. So empfinden 71 Prozent der jungen Arbeitnehmer ihren Arbeitsalltag als belastend. Aber nicht nur Druck, sondern auch Unterforderung und permanente Unzufriedenheit können sich negativ auf die Gesundheit auswirken.
Diese Ergebnisse könnten ein Plädoyer für ein Umdenken sein. So ist der DAK-Chef der Ansicht, dass es gut wäre, „wenn man unsichere Berufsaussichten als Normalität der Zukunftserwartungen in Schule und Ausbildung transportieren könnte.“ Diese etwas vage Präventivmaßnahme ist schön und gut. Trotzdem frage ich mich einmal mehr, was dieses Ergebnis über unser Arbeitsklima in Deutschland aussagt: Sind die jungen Berufseinsteiger einfach zu verwöhnt, dass sie dem Stress und den Anforderungen nicht mehr gewachsen sind? Mangelt es den Deutschen also tatsächlich an Biss und Durchhaltevermögen mangelt? Oder weht wirklich ein rauerer Wind durch die deutsche Arbeitswelt?
Die Deutschen melden sich häufiger krank, als noch vor 5 Jahren. Das geht aus dem aktuellen Fehlzeiten-Report (ja, sowas gibt es tatsächlich) hervor. 2010 wurde demnach der höchste Halbjahresstand in den letzten 5 Jahren gemeldet. Für Zahlen- und Statistik-Freunde: Die Fehlquote im ersten Halbjahr liegt bei 4 Fehltagen. Das sind 3,58% der Sollarbeitszeit. Frauen fehlten laut Statistik 0,36% häufiger als Männer.
Was auf den ersten Blick beunruhigend wirken mag, ist eigentlich durchaus positiv zu bewerten. Schließlich bedeuten diese Statistiken nicht, dass die Deutschen zwangsläufig auch häufiger krank sind (und auch nicht, dass sie häufiger blau machen). Das Ganze ist laut Arbeitsmarktexperten eher saisonal bedingt. Aber vor allem die konjunkturelle Situation spielt eine wichtige Rolle. So melden sich in Krisenzeiten weniger Arbeitnehmer krank, aus Angst ihren Job zu gefährden.
Vielleicht ändert sich aber auch langsam das Bewusstsein dafür, was richtig ist und was nicht. Schließlich macht es keinen Sinn, krank zur Arbeit zu erscheinen, weil man Angst um seine Arbeitsstelle hat. Oft schadet es nämlich sogar eher, wenn der kranke Kollege die anderen ansteckt und auch die Konzentration und Leistungsfähigkeit leidet gehörig. Außerdem folgen auf eine verschleppte Krankheit häufig noch mehr Fehltage, als wenn man sich einmal richtig auskuriert.
Früher oder später macht jeder damit seine Erfahrungen: Liebeskummer. Natürlich trifft es den Verlassenen mehr, da dieser vor vollendete Tatsachen gestellt wird und in der Regel dauert es seine Zeit, bis man die Trennung verarbeitet hat. Alltägliche Dinge oder Handlungen erinnern stets an den verflossenen Partner und so wird die Wunde immer wieder aufgerissen. Wer bereits Liebeskummer hatte weiß, dass Symptome, wie Magenschmerzen, Übelkeit, Herzrasen und Kopfschmerzen keine Seltenheit sind. Alle Versuche, sich abzulenken, scheitern und man kann sich auf nichts längere Zeit konzentrieren. Erste Hilfe ist, sich den Frust von der Seele zu reden. Aber was tut man gegen die körperlichen Beschwerden? Sollte man sich nun wegen Liebeskummer krankschreiben lassen?
Diese Frage lässt sich meiner Meinung nach nicht pauschal beantworten, da es immer auf die individuelle Situation ankommt. Dennoch ist bei ernsthaften Beschwerden, wie starken Kopfschmerzen und Magenbeschwerden, die die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz einschränken, ein Gang zum Arzt ratsam, denn auch ein gebrochenes Herz kann krank machen. Ein paar Tage Ruhe helfen meist, den ersten "Schock" zu verarbeiten und sich schließlich auch wieder auf den Alltag und die Arbeit zu konzentrieren. Allerdings sollte man sich nicht auf Liebeskummer ausruhen um "blau zumachen", denn das kann schnell den Job gefährden. Und mal im Ernst: Keine Ex-Beziehung ist es wert, seinen Arbeitsplatz zu riskieren, oder?
Falls ihr bereits Erfahrungen zu diesem Thema gemacht habt, schreibt doch einen Kommentar zum Artikel.
Arbeitslosigkeit ist nicht nur schlecht für das Portemonnaie, sondern auch für die Gesundheit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat herausgefunden, dass Arbeitslose ihren Gesundheitszustand mehr als doppelt so häufig wie Beschäftige als mittelmäßig bis sehr schlecht bewerten. Von Januar bis November haben sich im Jahr 2009 knapp 1,7 Millionen Arbeitslose krank gemeldet, im Vergleich zum Jahr 2008 ist das ein Sprung von 13 Prozent. Schon im Jahr 2007 betrug die durchschnittliche Krankheitsdauer von Arbeitslosen satte 35 Tage. Mehr als dreimal so viele wie bei pflichversicherten Arbeitnehmern und zweieinhalb mal so hoch wie bei Arbeitern.
Die Erwerbslosen leiden öfter an Stoffwechselkrankheiten und erkranken fast doppelt so häufig an Krebs, wie beschäftigte Personen. Vor allem was psychische Störungen betrifft, liegen Arbeitslose aber ganz weit vorne. Diese Zahl liegt sogar um das vierfache Höher wie bei Arbeitnehmern. Mehr als jedem siebten Arbeitslosen werden demnach mittlerweile Psychopharmaka verordnet. Grund dafür sind angeblich die schwierige Lebensgestaltung mit geringen finanziellen Mitteln sowie die Verarbeitung von Misserfolgen bei Bewerbungen.
Interessante und vor allem auch sehr streitbare Studie würde ich sagen. Gleichzeitig aber auch relativ nichtssagend, weil sie etwas oberflächlich ist. Das "nichts tun" krank macht ist sicherlich eine Erkenntnis, die auf den ersten Blick etwas verwunderlich ist. Gleichzeitig weiß man ja schon seit Jahren, dass ein Großteil der Arbeitnehmer Krankheiten mit ins Büro schleppt, aus der Befürchtung heraus, dass man mit dem krank feiern möglicherweise seinen Job riskiert. Naja, die Studie analysieren müssen andere, ich lasse das einfach mal so stehen ...
Ich habe ja an dieser Stelle schon über die Uni Kiel berichtet, die von Studenten, die eine Prüfung aus Krankheitsgründen ausfallen lassen müssen, ein umfassendes Krankheitsbild verlangt, das weit über das übliche Attest hinaus geht. Dabei sollten die zuständigen Ärzte sogar ihre Schweigepflicht aufheben, indem sie z.B. Auskunft über die einzelnen Krankheitssymptome sowie die voraussichtliche Dauer der Krankheit geben.
Dass das für einen Aufstand bei den Studenten und dem AStA sorgte, war absehbar. Jetzt ruderte die Uni Kiel zurück und änderte das entsprechende Formular. Die Ärzte seien jetzt lediglich verpflichtet, darüber Auskunft zu geben, ob die Krankheitssymptome prüfungsrelevant seien oder nicht. Auch andere Unis, wie die Uni Konstanz, Münster, Koblenz und die TU Dortmund wollen es bei einer Krankschreibung genau wissen. Es scheint also nicht nur an der Uni Kiel gang und gäbe zu sein, die Studenten in Sachen Krankschreibung genauer unter die Lupe zu nehmen.
Soziale Netzwerke haben ja so ihre Tücken. Aber für eine Angestellte einer Versicherungsfirma endete der Besuch auf Facebook mit der Kündigung. Nachdem sie sich wegen Migräne krank gemeldet hatte, entdeckte ihr Arbeitgeber, dass sie trotz Krankheit auf Facebook unterwegs war. Daraufhin flatterte ihr kurzerhand die Kündigung ins Haus, mit der Begründung, dass jemand der surfen kann auch arbeiten könnte und dass das Vertrauensverhältnis deshalb zerstört sei.
Meiner Meinung ist das Verhalten der Angestellten auch ein bisschen fahrlässig, schließlich weiß man doch, dass man dort jederzeit gesehen werden kann. Wenn man schon surfen muss, dann doch anonym. Und wenn man bei starker Migräne nicht zur Arbeit erscheinen kann, weil man dort am Computer arbeiten muss, dann dürfte das Surfen am heimischen Computer auch nicht gerade zur Genesung beitragen.
Man kann natürlich nicht ahnen, dass der Arbeitgeber gleich zu so drastischen Maßnahmen greift, aber fahrlässig ist es trotzdem. Die Angestellte wirft der Firma vor, sie mit Hilfe eines unechten Accounts, dessen Freundschaftseinladung sie kurz zuvor angenommen hatte, ausspioniert zu haben. Ziemlich naiv das Ganze. Da muss man sich auch nicht wundern, wenn nachher das böse Erwachen kommt. Wer sich also das nächste Mal krank meldet, der sollte sich genau überlegen, was er tut oder lieber lässt. Denn die Kündigung des Arbeitsplatzes ist ein Facebook-Besuch nun wirklich nicht wert.
Die Uni Kiel fährt jetzt harte Geschütze auf, um gegen potenzielle Schwänzer vorzugehen. Dazu sollen Ärzte ihre Schweigepflicht aufheben. Eine übliche Krankschreibung reicht nicht mehr, da die Uni befürchtet, dass die Ärzte den Studenten häufig aus Gefälligkeit ein Attest erstellen, damit sie eine Prüfung wiederholen können. Deswegen gibt es jetzt ein Formular, das weit mehr als eine übliche Krankschreibung umfasst. Angaben zur Bezeichnung der Krankheit, Symptome und die voraussichtliche Dauer der Krankheit, sollen helfen, die Schwänzer auffliegen zu lassen.
Datenschützer schwingen schon wieder die Moral-Keule, aber wenn ich mir überlege, wie viele meiner Mit-Studenten sich vor den Vorlesungen und Prüfungen drücken, weil sie lieber ausschlafen oder gerne zu spät kommen, während man selber sich alltäglich dazu aufrafft und bemüht, pünktlich zu sein. Natürlich geht es niemanden etwas an, warum man nicht zur Prüfung kommen kann und man kann auch mal einen schlechten Tag haben und sollte lieber auf Vertrauen anstatt Kontrolle setzen. Dennoch ist es auch nur fair denen gegenüber, die sich nicht wegen jeder Lappalie ein Attest ausstellen lassen und sich bemühen, sich angemessen auf eine Prüfung vorzubereiten. Blaumacher an der Uni Kiel wird das Leben jedenfalls jetzt etwas schwerer gemacht.


