Von den Studenten freier Kunstklassen können nach dem Abschluss lediglich fünf Prozent mit ihren Werken die Brötchen verdienen. Damit haben sie es weitaus schwerer als andere Absolventen, wirtschaftlich Fuß zu fassen. Laut Unicum sind die Universitäten daran wohl nicht ganz unschuldig, denn sie vermitteln nur selten das nötige betriebswirtschaftliche Grundwissen.
Auch die tollsten Kunstwerke und Installationen helfen nichts, wenn man nicht weiß, wie man sie an den Mann bringen soll. Kurse, die die Studenten auf das spätere praktische Leben vorbereiten, sollten daher auf jedem Lehrplan stehen – tun sie aber meist nicht. Das freiwillige Seminar "Kunst und Wirtschaft" der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bildet die Ausnahme. Darin bespricht die Kulturreferentin Julia Lehner Grundlagen des Selbstmarketings, VWL und Sponsoring. Außerdem klärt sie Fragen wie "Über welche Wege kann ich meine Kunst vertreiben und wie finde ich eine Galerie?" oder "Wie sichere ich mich über die Künstlersozialkasse ab?".
An vielen Unis ist so etwas aber eher als kommerzielles Denken verschrien und stört die künstlerische Selbstentfaltung. Wo einem die Uni also nicht unter die Arme greift, sollten Studenten der freien Künste frühzeitig selbst damit beginnen, sich mit solchen Themen auseinander zu setzen. Denn laut Lehner haben es auch die meisten großen Künstler nicht ohne ein Quäntchen Geschäftssinn zum Erfolg gebracht.
Ein 21-jähriger Student aus North Carolina hat sich zwar selbst in Schwierigkeiten gebracht, ist dabei allerdings auch auf einen Schlag berühmt geworden. Joseph Carnevale suchte sich nachts auf einer Baustelle ein paar Fahrbahnabsperrungen zusammen und errichtete daraus direkt neben dem Highway das für mich jetzt schon fast legendäre "Traffic Barrel Monster". Der Student betont es sei Kunst, zumindest die Polizei hat für Kunstwerke dieser Art aber nichts übrig. Für sie war es schlichtweg Vandalismus, Carnevale landete zunächst mal im Gefängnis und wird sich wohl vor Gericht dafür verantworten müssen.
Aber ... das ganze hat im Internet innerhalb weniger Stunden so hohe Wellen geschlagen und dem jungen Künstler so viel Publicity eingebracht, dass die Baufirma ihn nun sogar damit beauftragt hat, vor deren Hauptgeschäftsitz ein neues "Monster" zu errichten.


