Arztgeheimnis? Davon scheinen in den USA einige Medizinstudenten noch nie gehört zu haben, und dass, obwohl Ärzte und deren Assistenten zur absoluten Schweigepflicht verpflichtet sind. Es ist streng verboten über persönliche Daten oder Krankheitsgeschichten zu reden, noch schlimmer ist es natürlich diese im Internet, in einem Netzwerk wie Facebook zu verbreiten. Wer aber in den USA lebt und gerne mal seine eigene Krankengeschichte bei Facebook nachlesen möchte, für den stehen die Chancen gar nicht so schlecht. Laut einer aktuellen Studie plaudern Medizinstudenten dort ganz gerne und dann auch ausgiebig Patientendaten und Krankengeschichten aus. Für die Studie wurden insgesamt 130 medizinische Universitäten angeschrieben, 78 Universitäten nahmen daran teil. Hiervon gaben 60% zu, dass Studenten ihrer Universität schon Texte im Internet veröffentlicht haben.
Bei Facebook selber ist man ziemlich machtlos. Reagiert haben aber Teile der medizinischen Universitäten, welche (im Rahmen dieser Untersuchung) davon berichteten, dass es zu Fällen kam, in denen Studenten "unangemessene Texte" im Internet veröffentlichten. An sechs dieser Universitäten kam es zu diesen Zwischenfällen, in denen vertrauliche Daten von Patienten preisgegeben wurden. Aufgrund der detailgetreuen Beschreibungen der Krankengeschichten konnten sich die Betroffenen ohne Probleme wiedererkennen, auch wenn deren Name nicht genannt wurde (ist es dann nicht halb so wild, wenn sich nur die Betroffenen wiedererkennen?). Neben mehreren Abmahnungen wurden drei Studierende sogar von der Hochschule ausgeschlossen.
Dr. House ist nicht nur eine der (zumindest aus meiner Sicht) besten TV Sendungen, sondern dient Studenten an der Uni Marburg jetzt sogar als Anschauungs- bzw. Diskussionsmaterial. Im "Dr. House" Seminar schauen sich die Studenten zusammen mit ihrem Professor jede Woche eine Folge (zumindest Auszüge einer Folge) der Arztserie an, und diskutieren anschließend Diagnose und Vorgehen des Fernseharztes. Wer jetzt glaubt, dass die meisten der Dr. House Fälle meilenweit an der Realität vorbei schießen, der irrt sich, anscheinend sind sowohl die Krankheitssymptome der Patienten als auch die Diagnosen und Behandlungsmethoden von Dr. House sehr realitätsgetreu. Dr. House als Vorbild für Medizinstudenten?! Ich find's klasse und denke mal, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis uns im Krankenhaus junge Ärzte mit Gehstock auf dem Flur begegnen und sich im Vorbeigehen ein paar Schmerztabletten einschmeißen.
Tja, da hab ich eben noch gedacht, dass ich in ein paar Jahren jedes mal ins Ausland fahren müsste, wenn ich mal krank bin ... Mit ein bisschen Glück muss ich das aber doch nicht. Wie? Was? Warum? Ich habe eben einen Bericht gelesen, in dem steht, dass die Ruhr Universität Bochum unter Medizinstudenten in ganz Deutschland mal nachgefragt hat, wie denn deren Zukunftsplanung so aussieht. Dabei ist (angeblich) herausgekommen, dass knapp 70% nach ihrem Studium ins Ausland gehen wollen. Gründe dafür seien unter anderem die Arbeitszeiten und das schlechte Einkommen.
Aus Neugier hab ich mir dann mal die Original Pressemitteilung der Universität Bochum angeschaut und was muss ich da lesen: "70 Prozent der angehenden Ärzte können sich vorstellen auszuwandern". Das ist jetzt keine Sensationsentdeckung, zwischen "wollen" und "können" besteht aber grundsätzlich ein himmelweiter Unterschied und das sollte man doch eigentlich auch beim Focus wissen!? Nötig gewesen wäre diese kleine "Änderung" meiner Meinung nach eigentlich auch nicht gewesen, denn das die Studie so oder so durchaus erschreckend ist, steht wohl außer Frage. Bleibt zu hoffen, dass ein Großteil der befragten Studenten dann doch in Deutschland bleibt ...


