Mal ganz ehrlich, das Nervigste und Überflüssigste, was das Internet uns beschert hat, ist wohl Twitter. Belanglose geistige Ergüsse, zusammengefasst in ein paar Zeichen. Da geschieht es den Usern meiner Meinung nach ganz recht, dass sich ein paar findige Holländer zusammengetan haben und einen praktischen Service für Einbrecher anbieten. Gebündelte Informationen über die Statusmeldungen der einzelnen User dürften für jeden Langfinger ein Traum sein. „Morgen geht’s in den Urlaub! Hurra!“ Hurra, dürfte auch der clevere Einbrecher sich denken, denn nicht nur Statusmeldung, sondern natürlich auch der Standort ist bekannt.
Wenn ich also meine erfolgreiche Diebestour planen möchte, dann finde ich zuerst das Jahreseinkommen bei myspace heraus um zu gucken, ob sich ein Einbruch überhaupt lohnt. Als nächstes wird der Beziehungsstatus bei Facebook überprüft. Schließlich möchte man bei einem Einbruch nicht von der Ehefrau überrascht zu werden. Via Google Earth werden noch schnell die Lage des Hauses und mögliche Fluchtwege gecheckt und schon kann der perfekte Bruch 2.0 starten.
Ist natürlich alles nicht so ganz ernst gemeint, sondern soll eine Warnung vor dem allzu sorglosen Umgang mit persönlichen Daten warnen. Aber eingefleischte Twitter-Fans und Netzwerk-User werden sich davon nicht beirren lassen. Schließlich geht es ja gerade darum: Zeigen wer man ist und was man macht. Allen potenziellen Einbrechern sei aber noch ein Tipp gegeben: Falschangaben haben im Netz Hochkonjunktur. Wer sich also auf die Gehaltsangabe von „196.000€ und höher“ bei myspace verlässt, könnte durchaus enttäuscht werden.
Jetzt ist es raus! Schockierenderweise nutzen die meisten von uns Social Networking Sites wie MySpace, Twitter oder Facebook nicht um die Welt zu verbessern, sondern weil wir dort unsere narzisstischen Züge ausleben können. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie, welche Wissenschafter der San Diego State University (SDSU) durchgeführt haben. 57 Prozent von den befragten Studenten gaben an, dass Personen in ihrer Altersgruppe Social-Networking-Sites vorwiegend für Selbstvermarktung, Narzissmus und Aufmerksamkeitssuche verwenden würden. Generell legen laut dieser Studie Menschen die nach 1980 geboren wurden (Generation-Y), mehr Wert auf ihre Selbstvermarktung und haben ein erhöhtes Aufmerksamkeitsbedürfnis. 40 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass solche selbstzentrierten Charaktereigenschaften durchaus hilfreich sind, um in der heutigen sehr konkurrenzbetonten Welt bestehen zu können. Tja, und mehr als 80% gaben an, dass Sie MySpace oder Facebook mehrmals am Tag besuchen. Der Narzissmus will ja auch gelebt werden! Kommt jetzt für mich persönlich sehr überraschend, dass es auf Plattformen auf denen man sich selber präsentieren kann, tatsächlich Leute gibt, die genau das tun. Denke mal für die Untersuchung hätte ich einen halben Tag benötigt. Oh, aber was mir persönlich am besten gefällt, ist die eigene Homepage der Leiterin dieser Studie. Der Narzissmus scheint sich also nicht nur auf die Studenten zu beschränken ...


