Wer während seines Studiums die ein oder andere wissenschaftliche Arbeit verfasst hat, der hat sich wahrscheinlich auch oft gefragt, was nun das wissenschaftliche Arbeiten ausmacht. Ein bunter Mix aus Sekundärliteratur und das Exzerpieren und Zusammenfassen von Thesen, die lediglich aus der Sekundärliteratur entnommen werden? Schnell entsteht so ein Flickenteppich, aus Zitaten und Quellenangaben und man fragt sich, wo hier jetzt der sogenannte Eigenanteil steckt. Vielleicht in der selbstformulierten Einleitung, oder in dem kleinen aufbäumenden Fazit? Die Dozenten sind sich jedenfalls einig: Erst in der Masterarbeit oder Dissertation werden eigene Thesen und Fertigkeiten wirklich erwartet. Das Grundstudium soll lediglich eine Trockenübung darstellen.
Diese Erwartungshaltung macht das Schreiben natürlich zu einer echten Gratwanderung und viele Studenten schreiben wild drauf los. Den Schein vor Augen stürzen sich die meisten in ein Meer aus Sekundärliteratur und laufen, ohne es zu wissen, in die Plagiatsfalle. Guttenberg sei Dank, hat sich ein neues Bewusstsein für dieses Problem entwickelt: Von der Hausarbeit zur Dissertation dürften viele jetzt schwitzige Hände bekommen, sobald sie ein Zitat einfügen, oder einen Gedanken wiedergeben. Doppelt und dreifach werden jetzt die Quellenangaben überprüft. Schließlich will man nicht dem Guttenbergschen Vorbild folgen.
Spätestens jetzt dürfte vielen klargeworden sein, dass ein Plagiat kein Kavaliersdelikt ist. Daher sollte man vor Abgabe seiner Arbeit nochmal genauestens überprüfen, ob man auch wirklich alle Quellen korrekt angegeben hat. Wer auf Nummer Sicher gehen will, der sollte sich nach kostenloser Plagiats-Software an seiner Uni oder im Internet informieren und vor Abgabe seine Arbeit durch das Programm jagen. Möglicherweise blitzt hier nochmal die ein oder andere Textpassage auf, die man sicherheitshalber nochmal überarbeiten sollte.
Gegen Plagiate wird an den Unis mittlerweile mit harten Bandagen gekämpft. Aber was ist
eigentlich mit den wissenschaftlichen Arbeiten von Nicht-Studenten? An der Uni Göttigen ist die Bombe jetzt geplatzt. Eine Hand voll sogenannter Forscher soll beim Antrag auf Förderung nicht ganz die Wahrheit gesagt haben und sogar einige Publikationen frei erfunden haben um sich Fördergelder zu erschleichen.
„Wissenschaftliches Fehlverhalten“ nennt sich so was dann. Vielleicht könnte man es auch einfach als „Betrug“ verzeichnen. Dummerweise flog der Schwindel Anfang des Jahres auf und der Antrag auf 8,6 Millionen Euro Forschungsgelder wurde von der Hochschule zurückgezogen. Die Georg-August-Universität fürchtet nun, verständlicherweise, um ihren Ruf als Elite-Universität und will nun prüfen lassen, ob die bisher bewilligten Gelder angemessen eingesetzt worden sind. Laut „Spiegel“ könnten mindestens 200 000 Euro zweckentfremdet worden sein.
Wer an der Universität Kassel studiert und dort gerade an seiner Diplom-, Bachelor- oder Masterarbeit sitzt, der sollte in Zukunft mehr als ohnehin schon darauf achten, dass er möglichst wenig Sachen einfach so aus dem Internet kopiert und in seine Arbeit einfügt (ohne dies kenntlich zu machen natürlich). Nachdem bundesweit Plagiate, welche von Studenten als ihr eigenes Werk ausgegeben werden, immer mehr zunehmen und auch die Uni Kassel sehr schlechte Erfahrungen in den letzten Jahren gemacht hat, beginnt nun der Kampf gegen die Fälscher. In Kassel werden nun beispielsweise alle Abschluss-Arbeiten aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften per Software unter die Lupe genommen (ich bin mir mehr als sicher, an anderen Unis ist dies auch der Fall) und auch Hausarbeiten werden hin und wieder mal auf ihre Echtheit überprüft. Kassel steht hier stellvertretend, für alle Unis, die sich gegen eingereichte Plagiate wehren wollen. Unterstützung erhalten die Universitäten in Baden-Württemberg jetzt z.B. aber auch von einem neuen Hochschulgesetz. Wird man erwischt, droht einem nicht nur eine schlechte Note, sondern im schlimmsten Fall die Exmatrikulation. In Nordrhein-Westfalen kann es bis zu 50.000 Euro kosten, die Arbeit anderer als seine eigene auszugeben.
Tja, ich weiss selber ganz genau wie der Hase läuft, wenn man eine Arbeit schreibt und sich das ein oder andere aus anderen schlauen Quellen zusammen sucht. Wer sich aber noch nicht mal die Mühe macht, den fremden Inhalt umzuformulieren oder mit Ausrufezeichen und Quellenangaben zu kennzeichnen, der riskiert schon ne ganze Menge und ist meiner Meinung nach auch selber Schuld. Naja, ich bin mir ziemlich sicher, ich brauche hier niemandem was zu erzählen, aber wenn schon bescheissen, dann auch so, dass es keiner merkt. Und das wird immer wichtiger ...
Vor ein paar Tagen habe ich ja darüber geschrieben, dass in England jeder zweite Student schon von anderen "geklaut" und dies dann als sein eigenes Werk ausgegeben hat. Das gleiche Problem gibt es natürlich verstärkt auch an unseren Unis und ähnlich wie in England gibt es auch hier Menschen, die sich dagegen wehren. Auf sueddeutsche.de habe ich heute ein interessantes Interview zum Thema Plagiate gefunden. Richtig interessant, schaut auf jeden Fall mal rein (sueddeutsche.de)! 

