Die nukleare Katastrophe in Japan und die damit verbundene Diskussion in Deutschland, der Sturz mehrerer stabil geglaubter Regierungen in der arabischen Welt, Grenzkontrollen in Dänemark, Inflationsgefahr und der erste grüne Ministerpräsident: Unsere Nachrichtenlage wird stetig komplexer.
Wer soll da noch durchsteigen? Politologen. Das Fach Politikwissenschaft erfreut sich mittlerweile an immer größerer Beliebtheit. Derzeit unterrichten in Deutschland 324 Professoren über 31.000 Studenten. Das Hochschulinformationssytem kam im Rahmen einer Studie zu dem Ergebnis, dass der Arbeitsmarkt für Politologen alle gesellschaftlichen Bereiche umfasst. Ob Auswärtiges Amt, Deutsche Bank bis hin zu McKinsey, die Möglichkeiten sind breit gefächert.
Nichts scheint momentan mehr sicher in der Politik. Das ist gleichzeitig eine Herausforderung an die Politikwissenschaft, mit den aktuellen Veränderungen mitzuhalten. Die Studiengänge heißen auch nicht mehr Politikwissenschaft, sondern Gender Studies, Public Management oder European Studies.
Die Internationalisierung hat dazu geführt, dass die deutsche Forschung im internationalen Vergleich sehr gut abschneidet. Sie ist sogar ein wichtiger Indikator für die Qualität der Lehre geworden. Zwar hat diese Wissenschaft in der Vergangenheit ihr Gesicht verändert, indem sie versucht hat, mit der komplexen Nachrichtenlage Schritt zu halten. Gleichzeitig ist sie aber eine lebendige Wissenschaft, die internationaler geworden ist. Jobs im Bereich Politikwissenschaft findet Ihr bei Jobware, dem Karriereportal für Fach und Führungskräfte.
Die Guttenberg-Debatte scheint wohl ausgestanden. Der Bundesverteidigungsminister ist in Folge der Plagiatsvorwürfe gegenüber seiner Doktorarbeit zurückgetreten. Vorher hatte er bereits seinen Doktortitel niedergelegt und dieser wurde auch von der Universität Bayreuth offiziell wieder eingezogen. Ziemlich viel Ärger wegen einem akademischen Grad, man fragt sich also warum? Was bedeutet ein Doktortitel tatsächlich und vor allem, was bringt er?Eine Promotion vermittelt nach außen eine bestimmte Botschaft: Kompetenz, Vertrauenswürdigkeit und Ausdauer. Die zwei Buchstaben vor dem Namen lassen einen also in einem ganz anderen Licht erscheinen, sie schaffen ein Bild von Elite und wirken deshalb auch als Karrieremotor.
Die FAZ bezeichnet ihn als „Karrierekatalysator“, sowohl in Politik wie auch in der Wirtschaft. Knapp jeder fünfte Bundestagsabgeordnete hat promoviert (115 von 622), neun (Karl-Theodor zu Guttenberg nicht eingerechnet) von 16 Mitgliedern des Bundeskabinetts führen eine Doktortitel. Was für die Politik recht ist, ist für die Wirtschaft billig. Aufstiegs- und Gehaltsperspektiven sind in der Wirtschaft eng mit einem Doktortitel verbunden. So führt in den Chefetagen deutscher Unternehmen jeder zweite Manager einen Doktortitel.
Etwa 25.000 neue Doktoren kommen in Deutschland jedes Jahr neu dazu, wovon nur einer von zehn eine wissenschaftliche Karriere anstrebt (in Wissenschaft und Forschung sowie in der Medizin ist die Promotion ein Muss für höhere Positionen). Der Rest entscheidet sich für die Wirtschaft. Der Spiegel fragt deshalb, was der Titel noch wert sei. An den Universitäten gibt es inzwischen schon Bedenken – man fürchtet, das Ansehen der akademischen Grade könnte durch die „Flut“ der Karrieredoktoren Schaden nehmen.
Die Sorge ist durchaus zu verstehen, denn es geht weniger um den Nachweis wissenschaftlicher Fähigkeiten als vielmehr um gesteigertes Sozialprestige, bessere Aufstiegsmöglichkeiten sowie mehr Gehalt. So kann einer Studie der Personalberatung Kienbaum zufolge, das Anfangsgehalt für einen Hochschulabsolventen mit Promotion um bis zu 15.000 Euro höher liegen als das eines Absolventen mit einfachem Hochschulabschluss. Und auch sonst liegt das Durchschnittsgehalt eines promovierten Mitarbeiters höher, als das seiner Kollegen ohne Doktortitel.
Der Spiegel führt weiter an, dass dadurch auch der Druck auf die Hochschulabsolventen steigt aus der Masse der Bewerber hervorzustechen. Zu einem qualifizierten Bewerber gehört inzwischen oftmals auch der Doktortitel. Vielleicht trägt der „Karrierekatalysator“ Promotion wirklich zu einem laxeren Umgang mit Fach- und Formvorschriften für den Titelerwerb bei. In Zeiten von Google ist das „Zusammenbauen“ einer wissenschaftlichen Arbeit per copy-and-paste wesentlich einfacher geworden. Deshalb hat der Deutsche Hochschulverband, die Vertretung der deutschen Wissenschaftler, im vergangenen Jahr extra eine Resolution "Wider das Plagiatsunwesen" verabschiedet, in der ein Verhaltenskodex gefordert wird.
Fakt ist, dass in Zukunft – auch in Hinblick auf die Guttenberg-Debatte – die Universitäten wohl einen noch genaueren Blick auf wissenschaftliche Arbeiten werfen werden.
So sollte der Titel einer neuen Pro7 Sendung lauten, in der fünf Studenten mit dem Ziel gegeinander antreten sollten, so schnell wie möglich 50 Frauen oder Männer ins Bett zu bekommen. Wo ich noch darüber nachgedacht habe, welches kranke Hirn sich so einen Schwachsinn überhaupt ausdenkt, sind Kirche und Politik gegen dieses Format längst Sturm gelaufen und Pro7 hat es nun zunächst einmal ausgesetzt. Es sollte eine fünfteilige Reihe werden, in der Münchener Studenten darum wetten, wer es schafft, in einem Semester 50 Frauen oder Männer rumzukriegen. Das ganze sollte im Nachmittagsprogramm gezeigt werden und hätte meiner Meinung nach auch perfekt zum sogenannten "Unterschichten-Fernsehen" gepasst, auf welches sich nicht nur Pro7 vor allem für diese Tageszeit spezialisiert haben.
Zwar hatte Pro7 bereits erklärt, dass es sich bei den Studenten und ihren potentiellen "Bettpartnern" um Laienschauspieler und somit nicht um Reality-TV handelt, den Start der Serie mussten Sie aber dennoch verschieben. Augeschoben ist ja aber bekanntlich nicht aufgehoben und früher oder später wird das Privatfernsehen wohl dann einen neuen Tiefpunkt erreicht haben.
Es ist schon eine Weile her mit dem Bildungsstreik und alle warten gespannt auf die Taten, die jetzt folgen sollen. In 80 Städten gingen um die 100.000 Schüler und Studenten auf die Straße, um für ein gerechteres Bildungssystem zu demonstrieren. Man kann von unserer Generation sagen, sie sei unpolitisch und ideenlos, aber beim Bildungsstreik überraschte sie mit so viel politischem Engagement, wie nie zuvor. Da kam der Satz von Bundesbildungsministerin Annette Schavan gar nicht gut an. Denn die Forderungen des Bildungsstreiks als „gestrig“ zu bezeichnen, war nicht besonders klug und gab dem Ganzen einen arroganten Beigeschmack. Eine Generation, die sich seit langem nicht mehr zu Wort gemeldet hat, geht schließlich nicht aus Langeweile auf die Straße, sondern will ernst genommen werden.
Jetzt bin ich mal gespannt ob es irgendwelche Entwicklungen in naher Zukunft geben wird oder ob man wieder mit leeren Versprechungen hingehalten wird. Zwar wurde jetzt die Aufmerksamkeit erregt, aber jetzt geht es darum, sie auch zu behalten. Naja, bald ist wieder Wahl und mal gucken was sich da so in Sachen Bildung so tut. Mit dem Bildungsstreik wurde jedenfalls der Grundstein gelegt und egal, was dabei rumkommt: Wir sind endlich mal wieder auf die Straße gegangen und haben dem ganzen Ärger mal Luft gemacht und uns Gehör verschafft.
Politik fand schon in meiner Schulzeit wenig Anklang. Jetzt ist es offiziell: Meine Generation ist ein unpolitischer, „labiler und teilnahmsloser“ Haufen. Eine Studie der Uni Konstanz, bei der 8.350 Studenten an 25 Hochschulen befragt wurden, ergab, dass sich nur 37% für Politik interessieren. Immer weniger bezeichnen sich als „links“ oder „rechts“, stattdessen wächst die Zahl derer, die sich in der „politischen Mitte“ sehen oder sich gar keinem Lager zuordnen wollen. Zudem engagieren sich immer weniger Studenten in Bürgerinitiativen und Parteien.
Die Zeiten der großen studentischen Aufstände sind also endgültig vorbei. Ab und zu demonstriert man noch gegen die Studiengebühren, aber das wars dann auch schon. Apropos Studiengebühren: Bald ist mal wieder Wahl und da liegt die Frage nahe, wonach die Studenten von heute gehen, wenn sie zur Urne gehen. Bleibt zu hoffen, dass sich der teilnahmslose Haufen überhaupt aufrafft, um am 27. September sein Kreuzchen zu machen.
Die Empörung ist groß. Genauso wie die Erklärungsnot. Denn die SPD Gruppe im StudiVZ wurde ohne Ankündigung gelöscht. Alle Mitglieder und Nachrichten sind irgendwo im Nirgendwo verschwunden. Kein Problem soweit. Kann ja mal passieren. Aber dann das: Nach Neugründung der Gruppe verschwand diese genau auf dieselbe Weise erneut sang und klanglos im Datennirwana.
Zensur schreien die einen, ein Versehen die anderen. In diversen Foren werden derzeit die möglichen Gründe für die Löschung heiß diskutiert. Die Erklärungen reichen von bewusster Zensur der Gruppe durch StudiVZ über ein versehentliches oder absichtliches Löschen durch den Gruppengründer oder ein paar anonyme Hacker.
StudiVZ hat sich bereits dazu geäußert und betont in einer E-Mail an den Gruppengründer, dass es sich um ein Versehen handele. Ein Fehler im Support. Demokratische Diskussionen seien im StudiVZ sogar willkommen.
Wie dem auch sei, ein fahler Beigeschmack bleibt trotzdem zurück.
Gaby hat Euch ja bereits über die aktuelle Situation von Franzi und Max berichtet. Ich nutze diese „trügerische“ Ruhe, um mit euch über unsere eklatante Bildungsmisere nachzudenken.
Max und ich haben schon im Vorfeld lange über den von der Bundesregierung groß angekündigten „Bildungsgipfel“ diskutiert. Was dann nach dem „Gipfel“ als Errungenschaft herausgestellt und mediengerecht von der Bildungsministerin als Erfolg verkauft wurde, war ein großes Paket „heißer Luft“. Was können denn auch im Rahmen eines 2-stündigen Gespräches für grundlegende Entscheidungen getroffen werden? Rechnet doch bitte einmal mit und korrigiert mich, wenn ich falsch liege.
Wir haben 16 Bundesländer. Wenn jeder Bildungsminister eines Landes zu Wort kommen sollte, so verblieben ihm umgerechnet durchschnittlich 7,5 Minuten, wobei die Statements der Kanzlerin und der Bundesministerin bei dieser Rechnung noch unberücksichtigt sind; eine Farce. Wie also sollten innerhalb dieser Zeit gezielte Ist-Analysen der Bildungssituation der einzelnen Bundesländer möglich sein, geschweige denn, die Findung von Lösungsansätzen? Der Bund träufelt zur Beruhigung aller Kritiker – jedoch ohne die notwendige Gegenfinanzierung zu offenbaren - in den nächsten Jahren einige Milliarden in die „dahinsiechende“ Bildung und klebt somit ein Pflaster auf deren weit auseinanderklaffende Wunde, die allerdings ständig - um im Bild zu bleiben - nachblutet.
Geld allein wird es, so fürchte ich, nicht richten. Was meint Ihr dazu? Nehmt ihr Alles als gegeben hin, weil Ihr es – Eurer Meinung nach - doch nicht ändern könnt? Es geht um Euch, um Eure Zukunft! Denkt einfach mal darüber nach …


