Menschen die sich sympathisch sind, fangen an, sich unbewusst zu imitieren. So synchronisieren wir sowohl Worte als auch Körpersprache. In der Fachsprache wird diese Technik der Chamäleon-Effekt genannt. Diesen Effekt kann man auch ganz oft im Alltag beobachten – zum Beispiel bei verliebten Paaren in einem Kaffee oder bei Arbeitskollegen in der Kantine.
Hinter dem Chamäleon-Effekt steckt unser Verlangen nach Harmonie. So ist es oft der Fall, dass Ausgegrenzte einige Gruppenmitglieder häufiger imitieren. Gleichzeitig ist dieses Verhalten sogar eine Art sozialer Klebstoff. In der Psychologie werden dabei drei Verhaltensweisen unterschieden: Zum einen wird durch "Matching" die Körpersprache des Gegenübers analysiert und maximal zu 50 Prozent durch die eigene reflektiert. Beim "Pacing" werden sowohl die Körpersprache, Gestik, Sprache als auch die Mimik verstärkt synchronisiert. Beim "Rapport" gibt es eine fast vollständige Symmetrie.
Dieses Verhalten gleicht einem Spiegel, an dem man ablesen kann, wie harmonisch ein Gespräch tatsächlich verläuft. Auch kann der Chamäleon-Effekt dazu dienen, die Distanz zu einem Gesprächspartner abzubauen, ohne dass dieser sich in irgendeiner Weise manipuliert fühlt. Nur nicht komplett „nachäffen“, das könnte mächtig nach hinten losgehen. Vielleicht einfach nur das Sprechtempo oder die Wortwahl anpassen. Denn das Imitieren kann die Ablehnung bei Menschen, die einem ohnehin schon feindselig gegenüber eingestellt sind sogar verschlimmern. In den meisten Fällen ist besser, die Technik zunächst einmal bei Freunden oder Bekannten auszuprobieren bevor zum Beispiel über neue Gehaltswünsche mit dem Vorgesetzten diskutiert wird.
Als Kinder haben sie uns den Fußball geklaut oder wollten immer den Anführer spielen. Heute weisen sie ihre Mitarbeiter zurecht und bestimmen über die Aufgabenverteilung in ihrer Abteilung als Führungskraft. Psychologen gehen davon aus, dass das kein Zufall ist. Viele suchen sich nämlich unbewusst Strukturen z.B. im Berufsalltag, die den vertrauten Strukturen aus der eigenen Kindheit ähneln.
So sollen Erstgeborene häufiger in einflussreichen Positionen arbeiten, da sie früh gelernt haben Verantwortung zu übernehmen und sich durchzusetzen (unsere Angela ist dafür das Paradebeispiel einer Erstgeborenen.) Zweitgeborene haben es da schwerer: Sie müssen sich ihre Rolle erst Erarbeiten und sich Nischen suchen. Deswegen gelten sie häufig als kreativer und sozialer. Auch die Erwartungshaltung der Eltern soll dabei eine entscheidende Rolle spielen. An Einzelkinder und Erstgeborene werden oft hohe Erwartungen gestellt. Die Erziehung des ersten Kindes sei oft sehr viel unentspannter, als die des Zweitgeborenen und das habe auch Auswirkungen auf die Berufswahl.
Einzelkinder und Erstgeborene sind also die perfekten Führungskräfte, weil sie schon immer kleine statusorientierte Egomanen waren, die sich die Privilegien ihrer Eltern erschlichen haben? Und die armen Zweitgeborenen ergeben sich in die Rolle des ewigen Zweiten und erfüllen ihre Assistenzaufgaben mit hoher sozialer Verantwortung und Gewissenhaftigkeit?
Wer weiß. Diese Erkenntnis kann vor allem dann hilfreich sein, wenn der Chef einem das nächste Mal krumm kommt: Einfach dran denken, dass er gar nicht anders kann, weil er wahrscheinlich der Erstgeborene von 4 Geschwistern ist und schon als Kind den Kleineren die Süßigkeiten geklaut hat.


