Ich habs ja schon immer gewusst: Powerpoint macht dumm. Wenn der Beamer angeht und der Referent loslegt, schaltet das Hirn, des eben noch so voll-motivierten Studenten auf Standby. Was jedem schon lange irgendwie dämmerte wurde jetzt durch Studien belegt. Powerpoint lähmt das Verständnis. Laut der University of New South Wales liegt das am visuellen und akustischen Misch Masch, der unser Gehirn schlichtweg überfordert. Wenn dann noch animierte Passagen von oben ins Bild segeln, resigniere das Gehirn völlig.
Powerpoint ist bei falscher Anwendung also sogar kontraproduktiv. Oft ist sie ja ohnehin nur ein Werkzeug, um schlechte und inhaltsleere Vorträge ein bisschen aufzublasen. Wer mit den selbstgeschriebenen Folien auf dem Overhead-Projektor ankommt, dem wird nicht allzu selten Inkompetenz und Unprofessionalität unterstellt.
Falls mich bei den Vorbereitungen für mein nächstes Referat ein Anflug von Nostalgie überkommen sollte, schreibe ich die Folien trotzdem wieder mit der Hand. Back to the Roots.
Obwohl sie sich noch nicht so etabliert haben wie die sogenannten Poetry Slams, sind die ersten Science Slams fast genauso beliebt. Bei einem Science Slam werden allerdings keine selbstverfassten Kurzgeschichten zum Besten gegeben, sondern wissenschaftliche Themen und Arbeiten populärwissenschaftlich aufbereitet und den Zuhörern schmackhaft gemacht. Das Ganze erinnert dann an eine Mischung aus Ghetto Hip-Hop-Battle und Kolloquium.
Langweiler haben hier schlechte Karten, denn sie werden mit schlechter Punktewertung von der Jury und Buh-Rufen des Publikums bestraft. Bei einem Science Slam ist erlaubt, was gefällt und unterhält. Musik, Filmchen und Bilder – alles was das trockene Thema bunter und netter macht ist erlaubt. Die Fachrichtung aus der das präsentierte Thema stammt ist ebenfalls egal. Hauptsache, das Publikum wird unterhalten und informiert. In Braunschweig, Darmstadt und auch in Hamburg finden bereits Veranstaltungen dieser Art statt. Also haltet die Augen auf, denn vielleicht findet der nächste Science Slam schon in eurer Uni statt.
Referate sind vielen Studenten ein Dorn im Auge. Lieber eine 20-seitige Hausarbeit verfassen, als vor versammelter Mannschaft eine halbgare Präsentation vorstellen. Erst will der Beamer nicht, dann erscheint plötzlich aus dem Nichts der Desktop in überdimensionaler Größe an der Wand des Hörsaals. Als Hintergrundbild ein Schnappschuss aus dem letzten Mallorca-Urlaub mit dem Liebsten. Das Drama nimmt seinen Lauf. Vom leisen Nuscheln bis zum hastigen Schnattern, vom nervösen Gestikulieren bis zur erstarrten Salzsäule. Nicht zu vergessen die lästigen „Ähs“, die sich immer wieder unbemerkt einschleichen: Falsch machen kann man einiges bei einer Präsentation. Aber gekonnt vortragen kann man lernen.
Um sich also zu steigern, sollte man sich ja bekanntlich nach oben orientieren. Sind wir also bescheiden und schauen, wie es Barack Obama in seinem vorbildlichen Rhetorik-Marathon im Präsidentschafts-Wahlkampf vorgemacht hat. Selbst wenn man nicht soviel Ahnung vom Inhalt seines Vortrags hat, wie Herr Obama, helfen einige Grundvoraussetzungen, um die Zuhörerschaft zu seinen Ergebenen zu machen. Dabei ist eine charismatische und selbstsichere Ausstrahlung das A und O. Ein charmantes Lächeln hier, eine gekonnte Geste da und schon zweifelt keiner mehr an der Souveränität des Redners.
Wichtig ist außerdem die Intonation in einem Vortrag. Monotones Gebrabbel will keiner hören. Wer also nicht die klassische Einschläferungs-Taktik verfolgen will, sollte darauf achten, dass die Betonung sinnvoll eingesetzt wird. Dabei sollte vor allem mit Schlüsselbegriffen nicht gegeizt werden, damit sie sich beim Zuhörer ins Gedächtnis brennen (Ich sage nur „Hope“ und „Change“).
Natürlich wird man es kaum schaffen, einen pathetischen Vortrag über die „Historische Lexikographie im Deutschen“ zu halten und bei seinen jubelnden Kommilitonen für Gänsehaut sorgen. Aber Rhetorik ist die halbe Miete. Und da man nicht Präsident werden will, sondern lediglich einen Schein braucht, darf man auch getrost nach dem Motto „all rhetoric, no substance“ verfahren. Mit anderen Worten „Selbstsicheres Auftreten, bei völliger Ahnungslosigkeit.“


