Nachdem ich mich in meinem letzten Blog über unser betriebliches Gesundheitsmanagement ausgelassen habe und über die zunehmenden Bestrebungen die „Work-Life-Balance“ bei uns umzusetzen, habe ich heute eine tolle Studie zur Generation „Y“ gelesen. Wenn Ihr Euch fragt wer das ist, na ihr seid die Generation. Hier stand geschrieben, dass sich die Werte wandeln und die Lebensinteressen und Lebensperspektiven sich ständig ändern. Das heißt heute, weg von Pflicht- und Akzeptanzwerten, hin zu Selbstverwirklichungs- und Engagementwerten. Die heutige "Generation Y“ verfolgt Erlebnisfreude, will Spaß und hat eine Abneigung gegen Routinearbeit. Wer kann hier wirklich widersprechen? Na, ein bisschen schon. Ein gewisser Anteil an Routinearbeit kann auch zur „Work-Life-Balance“ beitragen. Insgesamt bleibt es aber dabei, wie Ahlrichs es formuliert hat: „Today, candidates need a compelling reason to join and to stay.” Na in diesem Sinne doch ein gesundes Arbeiten in einem gesunden Unternehmen!
Gestern kam Jürgen, ein hochbegabter und engagierter junger Fachmann Anfang 30 im Bereich Development – Entwicklung neuer Standorte -, den wir sehr schätzen für seine exzellente Arbeit, mit einem besonderen Anliegen zu mir ins Personalbüro. Das Gespräch hat mich sehr betroffen gemacht und geht mir nicht aus dem Kopf. Er möchte Pflegezeit in Anspruch nehmen. Seine Frau ist vor einem Jahr an einer besonders schweren Form von Krebs erkrankt, in den vergangenen Monaten gab es mehrere Operationen, Chemos und Strahlentherapien.
Die Beiden durchlebten eine schwere Zeit, Hoffnungen und Niederlagen wechselten sich ab. Der Zustand seiner Frau hat sich im letzten Monat stark verschlechtert und die Ärzte geben ihr eine sehr negative Prognose. Jürgen hat sich entschieden, die verbleibende Zeit mit seiner Frau zu verbringen, möglichst zu Hause und nicht im Krankenhaus. Er möchte sie pflegen und unterstützen. Er hat um einige Monate "Auszeit" von seiner Arbeit gebeten. Als größeres Unternehmen möchten und werden wir ihm diesen Pflegezeitanspruch auch gewähren. Maximal sechs Monate sind möglich.
Nun die Herausforderung für mich als Personaler: Wie kann ich innerhalb von zwei Wochen einen Ersatz finden, der zumindest die Routinearbeit von Jürgen für einige Monate übernehmen kann? Welche Kollegen aus dem Umfeld können einzelne Aufgaben vorübergehend mit übernehmen? Kann Jürgen selbst am Anfang zumindest für eine Stunde am Tag telefonisch mit Rat zur Verfügung stehen? Viele Herausforderungen, aber das ist nichts im Vergleich dazu, was Jürgen momentan durchmacht. Verantwortliche Personalarbeit findet zwar im Unternehmen, aber immer rundum den Menschen statt und hört nicht an der Ausgangstür auf!


