Noch vor kurzem tönte unser Bundesbildungsministerin Annette Schavan, dass man jungen Menschen mit herausragenden Fähigkeiten doch den Rücken stärken müsse. Dies bezog sich aber offensichtlich nur auf die Einführung ihres vieldiskutierten „Deutschlandstipendiums“. Hierbei sollen Kinder (unabhängig vom Einkommen der Eltern) mit einem Zuschuss von bis zu 300 Euro monatlich bezuschusst werden, wenn sie durch außerordentliche Leistungen in Schule oder Studium glänzen können.
Kritisiert wurde an dem Konzept vor allem die Tatsache, dass die Vergabe des Stipendiums unabhängig vom Einkommen der Eltern ist und dass durch die Einführung ein erhöhter Verwaltungsaufwand für die Unis entsteht, als sie ohnehin schon zu bewältigen haben. Zudem verschlingt das Projekt rund 5 Millionen Euro für Verwaltung und Werbung.
Der springende Punkt an der ganzen Geschichte ist allerdings, dass ausgerechnet jetzt der Leistungsbonus für Bafög-Empfänger gestrichen wurde.
Die Opposition argwöhnt nun, dass das so eingesparte Kapital in das „Deutschlandstipendium“ fließen soll. Viel entscheidender finde ich allerdings das Bild, dass dadurch entsteht und das eine soziale Ungerechtigkeit widerspiegelt: Diese Umverteilung des Kapitals zu Lasten der Bafög-Empfänger zeigt, dass hier eher einer Mehrzahl von Studenten Leistungsanreize genommen werden, als es sie beim „Deutschlandstipendium“ geben wird. Die Frage ist nämlich, ob nicht nur Studenten aus „bildungsnahen Elternhäusern“ von dem Stipendium profitieren werden. Von dem Bafög-Leistungsbonus profitierten bislang rund 12.000 Studenten.
So, heute gibt es mal wieder Neuigkeiten, die vor allem für jetzige Bafög-Empfänger und zukünftige Studenten interessant sein dürfte. Der Bundestag hat (schon am Freitag) eine Erhöhung der staatlichen Förderung für Studenten beschlossen. Das Bafög soll künftig auf bis zu 670 Euro im Monat steigen. Die festgelegte Altersgrenze wurde von 30 auf 35 Jahre hochgesetzt (darüber lässt sich meiner Meinung nach streiten, aber nun gut ...). Leider sind Beschlüsse vom Bundestag noch lange keine Garantie für die Durchsetzung eines Vorhabens. Die Zustimmung des Bundesrates steht noch aus, zudem zeigen sich die Ministerpräsidenten einzelner Bundesländer wenig begeistert. Am Freitag wurde neben der Erhöhung des Bafög auch das Nationale Stipendienprogramm vom Bundestag (von der Koalition) verabschiedet. Hochschulen sollen künftig bis zu acht Prozent der besonders begabten Studenten mit 300 Euro pro Monat einkommensunabhängig unterstützen können. Auf den ersten Blick eine feine Sache, auf den zweiten aber dann auch schon nicht mehr so ganz. Da das Geld ja irgendwo herkommen muss, sollen Unternehmen die Hälfte der Kosten tragen und es ist noch relativ unklar, ob es auch genug Unternehmen gibt, die sich daran beteiligen wollen (Sponsoren zu finden, bleibt übrigens den Hochschulen selbst überlassen). Müßig zu erwähnen, dass die Opposition auch diesem Vorschlag von FDP und CDU eher kritisch gegenübersteht ...
Bildungsministerin Annette Schavan will mit diesen Änderungen genau dem Trend entgegen treten, welchen wir in unserem letzten Blog erst wieder angesprochen haben, nämlich einer immer größeren Ausgrenzung von Kindern aus einkommensschwachen Familien. Ob 13 Euro mehr im Monat dafür ausreichen, lasse ich mal dahingestellt. Das hieße ja immerhin eine Stunde weniger arbeiten und eine Stunde mehr lernen ...
Na, wer von euch liebäugelt nicht gern mit dieser besonderen Studienförderung?
Der neueste Trend in der Stipendien-Welt entstammt der Universität Oldenburg – genauer gesagt: der Fakultät für Physik. Dort wurde in der jüngsten Zeit mit dem Slogan „Die Studiengebühren zahlt der Prof!“ dafür geworben, ausgewählten und begabten Studenten die ersten vier Semester der Studiengebühren zu finanzieren. 2.000 Euro – haben oder nicht? Keine Frage. Und da Deutschland mit kümmerlichen 2 Prozent Stipendiaten weltweit ziemlich abgeschlagen ist, würde dieses Studienförderungsprogramm die Statistik ein wenig beschönigen.
Kritiker unken jedoch, dass dahinter nicht mehr als bloße Studentenabzocke steckt. Schauen wir uns dieses innovative Programm mal genauer an: Das Stipendium wird an insgesamt drei „besonders motivierte oder begabte“ Studenten vergeben. Voraussetzung ist die Mitarbeit als studentische Hilfskraft im Institut für Physik, welche auf 10,5 Stunden pro Monat ausgelegt ist. Die Initiatoren werben mit den kleinen Einblicken, die der motivierte Student in rund 2,5 Stunden wöchentlich erlangen kann. Natürlich leistet der Student im fairen Gegenzug auch seinen kleinen Beitrag für die Forschung des Institutes.
Skeptiker werden spätestens dann still, wenn ihnen bewusst wird, dass eine studentische Hilfskraft in Niedersachsen mit einem Stundenlohn von 7,98 Euro bedacht wird. Rechnet man diesen Lohn mit der Arbeitszeit pro Semester auf, dann geht der besonders motivierte Student ebenso wie der begabte nach Abzug der Semesterbeiträge von 500 Euro mit genau 2,74 Euro mehr auf dem Konto aus. Leistet man sich dann eine mittägliche Portion Pasta mit Salat und einem Nachtisch, bleiben 14 Cent. Da ist man doch gleich noch mal so motiviert.


