Kürzlich bin ich auf eine interessante Nebenjob-Möglichkeit gestoßen, die bei immer mehr Studenten in den USA, vor allem in Washington, großen Anklang findet. „Line-Standing“ heißt nämlich dort das neue Kellnern und ist nichts anderes (wie der Name schon vermuten lässt), als für jemand anderen in der Schlange zu stehen und zu warten, zu warten und warten…
Diese „anderen“ sind meist Lobbyisten oder Anwälte, die sich über Agenturen ihren persönlichen „Schlange-Steher“ buchen, um so Zeit zu sparen, bevor sie dann im Kongress im Kapitol an Anhörungen teilnehmen. Die Gebuchten sind oftmals Studenten, die sich mit diesem lukrativen Nebenjob ihr Studium finanzieren. Sie dürfen während des Schlagestehens natürlich nicht sitzen, sondern müssen bis zum Eintreffen des Kunden, der sie gebucht hat, brav anstehen.
Lesen, Musik hören und unterhalten ist natürlich erlaubt. An der Wand lehnen übrigens auch. Die Wartezeiten können bei interessanten und medienwirksamen Anhörungen schon mal bis zu 12 Stunden betragen.
Die Bezahlung scheint die Studenten für ihre Strapazen und das frühe Aufstehen zu entschädigen. Ich stelle es mir nicht so angenehm 8 Stunden oder länger irgendwo in einer Schlage zu stehen und zu warten, aber für umgerechnet 12 Euro pro Stunde könnte man über einen krummen Rücken und kaputte Füße durchaus reden.
Fast jeder vierte Student, der neben seinem Studium arbeitet, ist an der Uni als Hiwi beschäftigt. Für ein mickriges Gehalt tragen sie nicht unerheblich dazu bei, dass der Hochschulbetrieb nicht zusammenbricht. Darunter fallen Tutorien, Wartung von Uni-Computern oder Beratungsaufgaben.Die Arbeitsbedingungen lassen allerdings schwer zu wünschen übrig. Ich sage nur „Dumpinglohnempfänger“ und Arbeiter zweiter Klasse…
Die meisten Hiwis arbeiten unter einem Kurzzeitvertrag, der oft auf ein Semester beschränkt ist. Was natürlich eine zusätzliche psychische Belastung für diejenigen darstellt, die auf die finanziellen Mittel angewiesen sind und sich nach Ablauf ihres Vertrages neu orientieren müssen. Ganz zu schweigen von dem ungleichen Verhältnis zwischen Lohn und Arbeitsaufwand. An einigen Unis ist es sogar gang und gäbe, Studenten als unbezahlte Hilfskräfte einzustellen und sie dann mit „wertvollen Erfahrungen“ zu entlohnen.
Die Wenigsten wollen es sich mit dem Prof verscherzen und sind daher zu zögerlich, wenn es um die Einforderung ihrer Rechte und Bedürfnisse geht, da möglicherweise die Vetragsverlängerung für das nächste Semester auf dem Spiel steht. Wer sich dennoch als Hiwi bewirbt, der sollte sich im Voraus über seine Rechte informieren und genausten abwägen, ob die Entlohnung in einem guten Verhältnis zu den Arbeitsbedingungen steht. Also keine falsche Bescheidenheit! Nur weil man aus demselben Topf finanziert wird, wie ein Tacker oder Bürostuhl, heißt das noch lange nicht, dass man sich mit denselben Bedingungen zufrieden geben muss…
Die Festivalsaison ist schon in vollem Gange und im Portemonnaie herrscht mal wieder Ebbe? Da bietet es sich doch an, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, um sich ein paar Flocken dazu zu verdienen. Wer also ein entspanntes Gemüt hat und sich durch nichts so schnell aus der Ruhe bringen lässt, der sucht sich Arbeit direkt auf dem Festivalgelände. Dabei darf es einem natürlich nicht um irgendwelche seriösen Referenzen im Lebenslauf oder geistige Förderung gehen, sondern einfach um den Spaß, die Atmosphäre und neuen Input in einem ungewöhnlichen Arbeitsumfeld.
Ob Pommes schütteln, Bratwurst brutzeln oder Bier zapfen: Im gastronomischen Bereich gibt es auf Festivals immer einiges zu tun.
Wer eher von der harten Sorte ist, der kann sich auch im Sicherheitsbereich versuchen. Als Ordner oder „Türsteher“ sollte man allerdings ein dickes Fell, ein respekteinflößendes Äußeres und schon etwas Erfahrung mitbringen. Im Bereich Promotion dürfte es schon etwas entspannter zugehen. T-Shirts, Flyer und Schlüsselbänder verteilen erfordert nicht viel Erfahrung, allerdings ein gewisses Maß an Kommunikationsfähigkeit und Kontaktfreude.
Wer also diesen Sommer mal etwas anderes ausprobieren will, um seinen Kontostand aufzubessern und sich nicht zu schade dafür ist, zwischen angetrunkenen Hard-Rockern oder zugedröhnten Ravern durch den Matsch zu stolpern, für den sind Festivaljobs genau das Richtige.


