Es gibt einige Möglichkeiten, um das Team in einem Büro zu motivieren, zum Beispiel über gemeinsame Ausflüge in Outdoorcamps oder Hochseilgärten. Hierzulande gehört FKK im Büro sicherlich nicht dazu. Anders in den UK: Ein Londoner Unternehmer wollte sein Team näher zusammen bringen und lies die Mitarbeiter vollkommen nackt arbeiten. Wie sollte es auch anders sein, kurz darauf war das Fernsehen mit im Boot und machte daraus eine Doku-Soap. Das Formatangebot von RTL2, über das sich Silvia hier noch kürzlich ausließ, ist im Vergleich dazu fast schon ein intellektuelles Highlight.
Ich frage mich ernsthaft, wo da der Teambuilding-Effekt ist. Wie soll es das gegenseitige Vertrauen stärken, seine Kollegen im Eva- und Adams-Kostüm zu sehen? Im TV-Experiment wird das Ganze zwar von einem "Leadership-Guru" begleitet, aber fragwürdig finde ich das trotzdem. Soll wohl eher den professionellen Gedanken dahinter vortäuschen.
Davon mal abgesehen würde sich doch kein normaler Büromitarbeiter solch einer bodenlosen Demütigung hingeben. Für "The Naked Office" fanden sich dann aber doch sechs todesmutige Unternehmen - ein Obst-Händler und ein Beauty Business sind mit von der Partie. Klingt unglaubwürdig und lässt Scripted Reality hinter dem Konzept vermuten. Denn dafür finden sich ja anscheinend immer Willige.
Und auch wer solch ein tiefes Niveau den deutschen TV-Machern nicht zumuten würde, sollte sich mal folgendes vor Augen führen: Reichlich nackte Haut im deutschen Fernsehen gibt es momentan ja auch in X-Diaries zu sehen, was die Sendepause von Big Brother überbrücken soll. Davon ist es kein weiter Weg mehr bis zum Naked Office. Und hätten wir so etwas wirklich von den Engländern erwartet? Wohl kaum …
Kategorie: Allgemeines
Wer nachmittags versehentlich zu Hause ist und dabei in Versuchung gerät den Fernseher einzuschalten, wird auf der Suche nach qualitativ hochwertiger Unterhaltung leider enttäuscht. Scripted Reality heißt das neue Sendeformat, dass, laut einem Artikel in der Horizont, im nächsten Jahr zunehmend die Sendeplätze belegen wird. Dabei folgen insbesondere die privaten Sender der Maxime: "Never touch a running system". Trotz des geringen Anspruchs, belohnt der Zuschauer diese Formate mit einer recht hohen Reichweite, sodass es den Sendern leicht gemacht wird, Kosten bei der Produktion zu sparen.
Ehrlich gesagt, wenn ich mich hin und wieder ins Nachmittagsprogramm verirre, dann denke ich jedes Mal, beim Anblick der herausragenden und überzeugenden Darbietung der Laienschauspieler: "Das kann nicht viel gekostet haben!" Und manche Darsteller sieht man sogar immer wieder in unterschiedlichen Sendungen auftauchen. Also Laienschauspieler als neuer Berufstrend?!
Der sinkende Qualitätsanspruch hat allerdings auch Folgen auf die Zielgruppenanteile der Sender und somit auf deren Attraktivität für die Werbewirtschaft. Insbesondere die besser verdienenden und jüngeren Zuschauer, die sich durch Scripted Reality nicht angesprochen fühlen, weichen auf andere Alternativen, wie z.B. Video-on-Demand und die Online-Portale der Fernsehsender aus, um sich das Wunschprogramm selbst zusammenzustellen. Das eigentliche Fernsehprogramm verliert dabei an Bedeutung. Wen wundert es da, dass das Fernsehprogramm für viele nur noch ein Hintergrundgeräusch ist und die eigentliche Unterhaltung im Internet stattfindet?
Wie denkt ihr über das Thema? Haben sich eure Fernsehgewohnheiten geändert in der letzten Zeit? Ich freue mich über eure Kommentare!


