Kategorie: Karriere
Nur ein Viertel der IT-Absolventen schaffen direkt beim ersten Vorstellungsgespräch den Berufseinstieg. Über die Hälfte müssen sogar drei oder mehr Gespräche führen, bis es endlich klappt mit der Anstellung. Die Quote studierter Geisteswissenschaftler liegt sicher noch höher. Daher sollte man nicht damit rechnen, gleich beim ersten Vorstellungsgespräch einen Treffer zu landen.
Absagen sind kein Weltuntergang
Ganz im Gegenteil ist es nicht mal so schlecht, wenn man beim ersten Mal nicht gleich für den absoluten Traumjob vorspricht. Denn gerade dann läuft noch einiges etwas holprig und unerwartete Fragen können nur mittelmäßig beantwortet werden. Selbst mit der besten Vorbereitung kann man schließlich nicht auf alle Eventualitäten gefasst sein.
Die richtige Nachbereitung
Auf jeden Fall sollte man jedes Vorstellungsgespräch auch als Übung nutzen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass einen jedes gemeisterte Vorstellungsgespräch sicherer macht. Aber nur dann, wenn man im Anschluss an jedes Gespräch den Ablauf noch einmal Revue passieren lässt, kann man sich verbessern. Es hilft, sich möglichst bald nach jedem Interview mit Stift und Zettel hinzusetzen und detailliert seine Eindrücke zu notieren.
- Welche Fragen konnte ich nicht zufrieden stellend beantworten? Wie kann ich mich in Zukunft besser auf diese Art von Fragen vorbereiten?
- Wo bin ich ins Straucheln gekommen?
- Konnte ich meine Stärken ausreichend deutlich machen?
- Habe ich wichtige Punkte eventuell vergessen zu nennen?
- Was hätte ich lieber nicht sagen sollen? Wann habe ich unpassend reagiert?
Überlege aber auch, was dir positiv aufgefallen ist und mit welchen Antworten du punkten konntest. Umso selbstbewusster kannst du dann ins nächste Gespräch gehen und so deinen Wunscharbeitgeber beeindrucken.
Aufrechte Körperhaltung und Schultern nicht hängen lassen: So sieht ein selbstbewusster Mensch aus. Wissenschaftler haben nun bewiesen, dass die Körperhaltung alles entscheidet und Mut sowie Führungsqualität beeinflusst. Um eine gute Wirkung auf andere zu haben, zum Beispiel in einem Vorstellungsgespräch, heißt es dann "Brust raus und Rücken gerade".
Forscher der Kellogg School of Management im US-amerikanischen Illinois ließen 77 Studenten einen Fragebogen ausfüllen, um zunächst ihre angebliche Führungsqualität einschätzen zu können. Anschließend folgte für alle Probanden ein Sitztest, bei dem die eine Hälfte auf einem gemütlichen Bürosessel Platz nahm. Die andere Hälfte saß automatisch zusammengekauert auf einem viel kleineren Stuhl. Zudem wurden die Studenten gebeten, sieben Wortfragmente zu ergänzen, die in Verbindung mit Stärke und Durchsetzungskraft standen. Und tatsächlich: "Wer in einer ausladenden Pose sitzen konnte", so Professor Adam Galinsky, "erreichte einen Punktestand von 3,44, wer sich hingegen zusammenkauern musste, kam nur auf 2,78."
Zudem hat die Körperhaltung einen Einfluss auf unsere Psyche. Wer also zusammengekauert durchs Leben geht, verliert nicht nur im Job sondern auch psychisch an Power. Eigentlich genug Gründe, an der eigenen Körperhaltung zu arbeiten. Jedoch sollte man sich hier wiederum nicht überschätzen, rät die Psychotherapeutin Maja Storch: "Wenn man noch nie mit dem eigenen Körper gearbeitet hat, wird es eine Weile dauern, bis man seine einzelnen Komponenten erspüren und beeinflussen kann."
Warum sind Sie genau der Richtige für diesen Job? Sie arbeiten doch lieber im Team? Was tun Sie in Konfliktsituationen? Diese und viele andere Fragen sind beliebte Fangfragen, um den Bewerber bei einem Vorstellungsgespräch ins Schwitzen zu bringen. Sie sind da, damit Personaler herausfinden, was nicht in den Bewerbungsunterlagen steht. „Im Wesentlichen gibt es nur eine begrenzte Anzahl möglicher Fragen im Bewerbungsgespräch. Wer sich gut darauf vorbereitet, wer sich bewusst macht, was hinter scheinbar fiesen Fragen steckt und wie er am besten darauf antwortet, wird im Gespräch punkten“, erklärt Karriereberater Christian Püttjer.
Personaler erkundigen sich zudem gerne über vergangene Arbeitserfolge eines Bewerbers. Dabei geht es weniger um seine Motivation, sondern viel mehr um sein „Können“. Auch hier heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und zu überlegen, welche Ziele der Bewerber in seiner Vergangenheit erreicht hat. Zudem ist es wichtig, sich im Vorfeld schon gründlich mit dem Unternehmen auseinanderzusetzen. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, sich auf der Homepage eines Unternehmens zu informieren, oder aber auch Info-Material in der PR-Abteilung anzufordern.
Zu einer der beliebtesten Fragen gehört wohl auch, warum gerade „Sie“ der oder die Richtige für den Job sind. Bei dieser Frage handelt es sich um eine Stressfrage, um zu schauen, inwieweit der Bewerber nervös wird. Diese sollte der Bewerber aber als Chance sehen, indem er souverän aufzeigt, was er beruflich alles leisten kann. Deshalb: Keine Angst vor unangenehmen Themen, denn wer gut vorbereitet ist und immer einen kühlen Kopf bewahrt, ist auf der Gewinnerseite.
Es ist tatsächlich wahr: Um Fach- und Führungskräfte für Jobs im Ausland zu begeistern, stellen Unternehmen sogar deren Ehepartner mit ein. Frei nach dem Motto "Ein Angestellter mit glücklichem Familienleben kann mehr Leistung bringen als ein frustrierter, geschiedener Single" bestimmt dieser neue Trend die aktuelle Arbeitswelt.
Und einen Namen für diese neue Förderung gibt es sogar auch schon. Mit den sogenannten "Double-Career-Programmen" versuchen Firmen, ihren Mitarbeitern die Vorteile der Globalisierung und der daraus resultierenden Mobilität aufzuzeigen. Dabei ist der Aufwand, den ein Unternehmen damit auf sich nimmt, nicht immer gering. Oft versuchen sie nicht nur eine Stelle für den Ehepartner zu finden, sondern kümmern sich auch um einen Schulplatz für die Kinder. "Sie spielen eine zunehmend wichtigere Rolle, da es heute immer mehr Paare gibt, in denen beide Partner erwerbstätig sind", erklärt Jana Schimke vom Arbeitgeberverband BDA dem Focus.
Bosch beschäftigt zurzeit 20 Paare im Ausland. "In der Managementliteratur ist der Fachkräftemangel das zentrale Argument für Double-Career-Programme – sie sollen eine Waffe im Wettbewerb um Talente sein", betont Markus Gottwald vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.
Ursprünglich kommt dieser Trend aus den USA und ist dort mittlerweile völlig normal. In Deutschland hat dieses Problem jedoch noch Akzeptanzprobleme, wenn zwei Lebenspartner im selben Unternehmen Karriere machen. Falsch wäre es nämlich, wenn Arbeitnehmer direkt beim Vorstellungsgespräch mit der Tür ins Haus fallen und keck fordern, dass sie nur mit Bärchen zusammenarbeiten wollen.
Lücken im Lebenslauf werden häufig negativ interpretiert. Daher ist es besonders wichtig, diese sinnvoll erklären zu können, denn der Bewerber sollte sich stets von seiner besten Seite zeigen. Aber Vorsicht ist geboten, wenn Bewerber Jobs angeben, die gar nicht existiert haben. Viele Unternehmen beauftragen sogar Detektive, um Lügnern auf die Schliche zu kommen. "Im Lebenslauf darf nichts kaschiert oder anders dargestellt werden, als es ist. Eine Untersuchung unserer Detektei hat ergeben, dass von 5000 begutachteten Bewerbungen ungefähr 1500 Unregelmäßigkeiten aufwiesen", erklärt Manfred Lotze, Geschäftsführer der Detektei Kocks gegenüber der Zeit.
Zudem möchten einige Bewerber auch mit einer Weltreise Eindruck schinden, um die Phase der Arbeitslosigkeit zu tuschieren. Ziel einer guten Bewerbung ist es, Schwächen als Stärken hervorzuheben sowie Lücken positiv darzustellen. So bringt eine Reise eine Menge Erfahrungen über Kultur und Sprache mit sich, "Reisen bildet" heißt es ja schließlich. Auch wenn der Bewerber für eine längere Zeit arbeitslos war, so hat er dennoch nicht nur ausgiebig gefaulenzt. Ob ehrenamtliche Arbeiten, Sprachkurse oder ein Nebenjob, all diese Tätigkeiten können Pluspunkte sein.
Das Wichtigste bei einer Bewerbung ist die offensive und ehrliche Selbstvermarktung, die auch einem Vorstellungsgespräch standhält: Seid stolz auf euren Lebenslauf und reflektiert die Vorteile, die mögliche Umwege mit sich gebracht haben!
Bei der Wahl des Outfits, ganz egal ob für den Arbeitsalltag, das Praktikum oder ein Vorstellungsgespräch, gilt Marketing in eigener Sache. Das heißt möglichst nicht in zu lässiger Kleidung, wie Jeans und T-Shirt erscheinen, schon gar nicht bei einem Vorstellungsgespräch. Auch wenn man die nötigen Qualifikationen für den Job mitbringt, macht einem die unpassende Kleiderwahl sonst schnell einen Strich durch die Rechnung.
Ist man sich unsicher, welche Kleidung für das Gespräch am Besten geeignet ist, sollte man sich vorab ein paar Informationen über die Branche holen. In Unternehmen wie Banken und Versicherungen ist ein seriöser Auftritt beim Kunden das A und O. Die Kleidung sollte dies auch ausstrahlen und den Typ unterstreichen. Frauen sind mit einem Hosenanzug oder einem nicht zu kurzem Kostüm in gedeckten Farben (passend zum Typ) am Besten beraten. Männer sollten zu diesem Anlass ebenfalls einen schlichten Anzug mit Hemd und passender Krawatte wählen. Bei den Accessoires, wie Schmuck und Parfum, ist weniger mehr. Schließlich sollte man dem Personaler durch seine Qualifikationen in Erinnerung bleiben und nicht durch einen penetranten Duft oder protzigen Schmuck. Weitere Tipps zu diesem Thema findet ihr in unserem Wiki.
Für den Arbeitsalltag empfiehlt der Knigge: "Je kreativer die Branche, desto weiter dürfen Sie sich vom klassischen Dresscode entfernen" und "je höher Sie in der Betriebshierarchie stehen, desto strenger ist der Business-Dresscode.“ Somit sollte auch morgens nicht blindlings in den Schrank gegriffen werden, wenn es darum geht, ein Bürooutfit zu wählen.
Manche Unternehmen bieten ihren Angestellten auch die Möglichkeit des "Casual Friday", um die Kleideretikette ein wenig zu lockern, z.B. keine Krawatten- oder Kostümpflicht an diesem Tag. Als Arbeitnehmer sollte man aber stets die Erlaubnis des Arbeitgebers abwarten, bevor man zu legerer Kleidung greift. Jobeinsteiger sind in der Regel gut beraten, wenn sie sich an dem Stil ihrer Kollegen orientieren und gegebenenfalls nachfragen, welche die passende Kleidung ist.
Wie überzeuge ich die Personaler im Vorstellungsgespräch? Vielen Absolventen ist bewusst, dass sie nicht nur einfach ihre Fähigkeiten aufzählen sollen, nach dem Motto "Ich bin kreativ, teamfähig und belastbar." Derartige Aussagen müssen erst einmal bewiesen werden, damit sie den Personaler wirklich überzeugen – man muss zeigen, dass man seine Soft Skills bereits erfolgreich in der Vergangenheit angewendet hat. Das machst du am effektivsten mit Geschichten, die deine Beispiele besser strukturieren und veranschaulichen. Storytelling wird häufig in der Werbung verwendet, warum soll es also nicht auch bei der eigenen BEwerbung helfen? Die Kommunikationsexpertin Sigrid Hauer weiß: "Geschichten verknüpfen Fakten mit Emotionen. Je ausführlicher man das, was man anderen vermitteln will, ausmalt, umso mehr Kraft entwickelt eine Geschichte."
"Nennen Sie eine Situation, in der Sie einen Konflikt lösen mussten." "Was war Ihre schwerste Entscheidung bisher?" So oder so ähnlich hören sich Verhaltensfragen im Vorstellungsgespräch an. Der Fragende will damit nicht nur herausfinden, wie du dich in einer Situation verhalten hast. Er leitet davon ab, wie du in Zukunft mit Problemen am Arbeitsplatz umgehen würdest. Diese Fragen sind also optimal, um die Technik des Geschichtenerzählens anzuwenden. Auch Fragen, die nicht auf eine konkrete Situation abzielen, bieten Gelegenheit, um Beispiele in einer kurzen Erzählung zu verpacken:
Bewaffne dich also vor einem Vorstellungsgespräch mit fünf bis sechs persönlichen Erfahrungen und Erfolgen, die du gut in Geschichten umformen kannst. Werde dir auch bewusst über den optimalen Aufbau deiner Story: Springe nicht direkt in die Situation, die du beschreiben willst. Der Zuhörer braucht einen Kontext. Wo und wann ist das Ganze passiert? In einer Gruppenarbeit oder im Praktikum? Wer war involviert? Danach kannst du erst auf deine eigene Rolle eingehen, also von deinen Aufgaben und Verantwortlichkeiten in der Situation berichten. Was war das Problem und wie bist du damit umgegangen? Gehe zum Schluss dann explizit auf die Ergebnisse ein. Wurden deine Konzepte im Unternehmen umgesetzt? Was hast du daraus gelernt oder wie würdest du in Zukunft anders an die Situation herangehen? Diesen letzten sehr wichtigen Schritt vergessen leider die meisten. Dabei zeigt er dem Personaler noch einmal ganz deutlich deine Fähigkeit zur kritischen Selbstreflektion.
"Was wissen Sie über unser Unternehmen?" Eine gefürchtete Frage, die bei einigen Absolventen mit dem Bedürfnis einhergeht, die gesamte Firmengeschichte auswendig zu lernen. Der Personaler, der euch interviewt, kennt diese schon zur Genüge – und will sie ganz sicher nicht ein hundertstes Mal hören. Er möchte so nur testen, wie viel euch an seinem Unternehmen liegt. Laut der HR-Spezialistin Gerti Puschitz reicht es daher aus, sich wichtige Eckdaten des Unternehmens einzuprägen und schlaue Fragen für das Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Noch wichtiger ist es dann, Experte in eigener Sache zu werden, denn der Personaler will hauptsächlich etwas über den Bewerber selbst erfahren!
Befasst euch bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch also möglichst intensiv mit eurem Werdegang. Ja, ich weiß, ihr wart von Geburt an dabei und denkt, dass ihr die wichtigsten Stationen im Schlaf herbeten könnt. Ganz so einfach ist es aber nicht: Ihr müsst in der Lage sein, flüssig zu reden und auch Lücken oder ungewöhnliche Karriereschritte erklären zu können. Wer stockend über seine Zukunftspläne berichtet oder gar keine hat, hinterlässt sofort einen schlechten Eindruck. Ein guter Tipp ist es auch, sich noch einmal die Kernpunkte und das Fazit seiner Abschlussarbeit zu Gemüte zu ziehen. Vor allem, wer ein schwieriges Thema verständlich in wenigen Sätzen erklären kann, sammelt Pluspunkte.
Also los geht's und noch mal den eigenen Lebenslauf gebüffelt, bevor es ernst wird. Weitere nützliche Tipps findet ihr wie immer in unserem Bewerbungs-Wiki.


