Gestern Abend hatte unser HR-Director Europe zum Meeting geladen, und alle Personaler sind der Einladung selbstverständlich „freiwillig“ gefolgt. Diese Meetings ähneln in Regel eher dem Sieg des Sitzfleisches über den Geist.
Gestern war er besonders gut drauf. Zwei geschlagene Stunden philosophierte er über Talente. Wir müssen mehr Talente rekrutieren, intern und extern. Talent-Management sollen wir sogar betreiben und das soll auch Gegenstand unserer nächsten Zielvereinbarungen werden. Offen blieb jedoch die Antwort auf die Frage: „Wer oder was ist eigentlich ein Talent?“
Sind Hochschulabsolventen generell Talente oder nur die mit einem Durchschnitt von 1,5 und besser? Gibt es auch Talente ohne Studium, und bedeutet das angesprochene Talent-Management, dass unsere Führungskräfte per se schon das personifizierte Talent-Management darstellen? Es gibt natürlich Menschen mit Talent. Aber wir haben auch schon oft genug Talente eingestellt, die allerdings wenig aus ihrem Talent gemacht haben. Um erfolgreich in unserem Unternehmen zu sein, bedarf es sicherlich einer Portion Talent, aber auch einer Menge an Arbeit, Leidenschaft und Bissigkeit.
Offen bleibt für mich sicherlich auch: Sind alle anderen Mitarbeiter in unserem Unternehmen dann talentfrei? Bewegen wird mich aber in der nächsten Zeit insbesondere die Frage: Woran kann ich Talente erkennen?


