Kategorie: Allgemeines
Dass weniger manchmal mehr ist, haben wir schon oft gemerkt. Dass das auch für unser Konsum- und Arbeitsverhalten gelten kann, ist den meisten neu. Stetig wachsender Erfolgs- und Leistungsdruck bringt mittlerweile selbst hartgesottene Manager ins Straucheln. Ihnen steigt die Jagd von einem Termin zum nächsten, das Sammeln von Bonusmeilen und die permanente Erreichbarkeit zu Kopf. Das Handy klingelt und vibriert was das Zeug hält, der Terminplaner platzt aus allen Nähten und der Labtop schnurrt von früh bis spät auf dem Schreibtisch wie eine müde Katze.
Hier kommen nicht nur die Geräte an ihre Grenzen, sondern auch ihre Betreiber, bei denen sich eine Frage nicht länger verdrängen lässt: Wozu das Ganze? Immer mehr Arbeitstiere wagen den Ausstieg aus der Tretmühle ihres Jobs. Prominente Beispiele gibt es genug. Da verabschieden sich Entertainer plötzlich von der Bildschirmfläche, lassen sich einen Vollbart stehen und reisen um die Welt. Andere pilgern am Jakobsweg und wieder andere kündigen ihren Job als erfolgreiche Kommunikationsdirektorin um eine Jugendherberge in den Bergen zu leiten.
Eingefleischte und unbelehrbare Workaholics können da nur verständnislos mit dem Kopf schütteln. Doch was diese Menschen treibt, ist der Wunsch nach mehr Lebensqualität, weniger Gehalt und die Einsicht, dass nicht jeder den Unterschied zwischen einem H&M-Fummel und dem teuren Chanel-Jäckchen erkennt. Und dennoch: Der Ausstieg fällt nicht allen leicht. Bei einigen bedarf es eines Schlüsselerlebnisses und andere kommen erst bei einem Magengeschwür ins Grübeln und überlegen sich, ob ihr Körper so noch Karriere machen wird.
Beim Downshifting geht es nicht um den klassischen Aussteiger aus der Gesellschaft, der ohne Strom und Wasser lebt und sich von selbst erlegten Tieren ernährt. Hier geht es um ein bewusstes berufliches und somit finanzielles Kürzertreten, das eine Entschleunigung des eigenen Lebensstils einschließt. Mit dem Downshifting beenden immer mehr ihren Überstundenirrsinn um mehr Zeit für sich und andere Dinge zu finden. Da werden die Gute-Nacht-Küsse nicht mehr per MMS vom Schreibtisch aus verschickt, sondern ganz real im Schlafanzug nach dem Zähneputzen verteilt und die Zeiten, wo man als eifriges Arbeitstier mit fettverschmierten Fingern sein Sandwich zwischen Tastatur und Telefon am Ohr verschlang, sind vorbei.
Statt des Porsches, steht nun der geräumige Familienvan in der Garage. Und statt Entspannung auf den Seychellen sucht man seine Erholung jetzt bei einem Campingurlaub in Holland. Die Frage nach den Einschränkungen stellt sich hierbei keinem der überzeugten „Downshifter“, denn sie haben von allem genug. Und wer wollte nicht schon mal seinen verdutzen Kollegen verkünden, dass er dann mal weg ist?


