Die endlose Bologna-Diskussion kennen wir ja bereits zur Genüge. Jetzt heizte die Verabschiedung einer Novellierung des Landeshochschulgesetzes von Mecklenburg-Vorpommern diese Diskussion weiter an. Hier können nun seit kurzem Masterabsolventen der Ingenieurwissenschaften ihren Abschluss gegen ein altehrwürdiges Diplom eintauschen. Diese Wiedereinführung des Diploms sorgt landesweit für geteilte Meinungen. Aber auch an den Fachhochschulen kann sogar Bachelorabsolventen ihren Abschluss, nach acht Semestern und einer bestimmten Anzahl von Credit Points, als Diplom anerkannt werden.
Die einen bejubeln die Rettungsversuche der alten Abschlüsse und sehen darin eine Vorbild für andere Länder. Die anderen sind entsetzt bis irritiert und fragen sich zu Recht, ob dieses Konzept nicht eher für Verwirrung im In- und Ausland sorgen wird. Komisch finde ich die Idee auch. Zumal Mecklenburg-Vorpommern sich in den nächsten Semestern wahrscheinlich auf einen Studentenansturm gefasst machen kann, der sich gewaschen hat und dessen Konsequenzen eigentlich schon absehbar seien dürften: überfüllte Hörsäle und schlechtere Betreuung. Das könnte man auch „Wettbewerbsvorteil“ nennen – aber darunter dürften vor allem die Studenten leiden.
Was soll also der Firlefanz um die scheinbar beliebig verteilten Abschlüssen? Ich frage mich, was den Arbeitgeber heute wohl mehr verwirrt: Ein Masterabsolvent, der auch auf dem Papier einer ist, oder ein Diplomabsolvent auf dem Papier, der aber eigentlich Masterabsolvent an einer Uni ist, oder ein verkappter Bachelor-Student von der FH, der aber acht Semester studiert hat…
Die Frage erübrigt sich glaube ich von selbst. Klar ist einzig und allein die Tatsache, dass wenn bald jeder sein eigenes Süppchen kocht, man die Bologna-Reform wohl endgültig als gescheitert bezeichnen kann.



22. Juni 2011 at 01:29
Inzwischen gibt es nicht nur in Mecklenburg, sondern Deutschlandweit Diplomstudiengänge. Alles Studiengänge zum Diplom, neu wieder eingeführt!
An der TU-Dresden gibt es bereits 16 Diplomstudiengänge wieder, nachdem auch alle anderen Universitäten der TU9-Gruppe im Jahr 2010 beschlossen hatten, für ihre Abschlüsse wieder den Dipl.-Ing. Titel zu verleihen!
Und in Mecklenburg-Vorpommern wird der Studiengang Diplom-Ingenieur im WS 2011 wieder eingeführt, nach Beschluss der Landesregierung im Dez. 2010.
Dann erhalten dort nicht nur Masterabsolventen den begehrten Titel Dipl.-Ing., sondern auch Bachelorstudenten, die im Studium 240 ECTS erreicht haben.
An der TU Kaiserslautern wurde Anfang 2011 beschlossen, das die Diplomstudiengänge 2012 nicht mehr auslaufen werden, sondern im Gegenteil das Diplom einfach beibehalten wird!
Und an der Universität des Saarlands plant die Abteilung Wirtschaftswissenschaften die Wiedereinführung des Diploms.
Ebenfalls das Gleiche passiert an der Uni Aachen!
Die Uni Zittau/Görlitz bietet mehrere Diplomstudiengänge an und die Universität Greifswald bietet einen Diplomstudiengang in Wirtschaftswissenschaften an.
22. Juni 2011 at 13:23
Danke für das ausführliche Update
Da darf man also gespannt sein, wie sich das Bachelor-Master-Diplom-Wirrwarr in Zukunft entwickelt. Den entsprechenden Unis dürfte ein Studentenzulauf in Zukunft aber sicher sein.