Kategorie: Allgemeines
Referate sind vielen Studenten ein Dorn im Auge. Lieber eine 20-seitige Hausarbeit verfassen, als vor versammelter Mannschaft eine halbgare Präsentation vorstellen. Erst will der Beamer nicht, dann erscheint plötzlich aus dem Nichts der Desktop in überdimensionaler Größe an der Wand des Hörsaals. Als Hintergrundbild ein Schnappschuss aus dem letzten Mallorca-Urlaub mit dem Liebsten. Das Drama nimmt seinen Lauf. Vom leisen Nuscheln bis zum hastigen Schnattern, vom nervösen Gestikulieren bis zur erstarrten Salzsäule. Nicht zu vergessen die lästigen „Ähs“, die sich immer wieder unbemerkt einschleichen: Falsch machen kann man einiges bei einer Präsentation. Aber gekonnt vortragen kann man lernen.
Um sich also zu steigern, sollte man sich ja bekanntlich nach oben orientieren. Sind wir also bescheiden und schauen, wie es Barack Obama in seinem vorbildlichen Rhetorik-Marathon im Präsidentschafts-Wahlkampf vorgemacht hat. Selbst wenn man nicht soviel Ahnung vom Inhalt seines Vortrags hat, wie Herr Obama, helfen einige Grundvoraussetzungen, um die Zuhörerschaft zu seinen Ergebenen zu machen. Dabei ist eine charismatische und selbstsichere Ausstrahlung das A und O. Ein charmantes Lächeln hier, eine gekonnte Geste da und schon zweifelt keiner mehr an der Souveränität des Redners.
Wichtig ist außerdem die Intonation in einem Vortrag. Monotones Gebrabbel will keiner hören. Wer also nicht die klassische Einschläferungs-Taktik verfolgen will, sollte darauf achten, dass die Betonung sinnvoll eingesetzt wird. Dabei sollte vor allem mit Schlüsselbegriffen nicht gegeizt werden, damit sie sich beim Zuhörer ins Gedächtnis brennen (Ich sage nur „Hope“ und „Change“).
Natürlich wird man es kaum schaffen, einen pathetischen Vortrag über die „Historische Lexikographie im Deutschen“ zu halten und bei seinen jubelnden Kommilitonen für Gänsehaut sorgen. Aber Rhetorik ist die halbe Miete. Und da man nicht Präsident werden will, sondern lediglich einen Schein braucht, darf man auch getrost nach dem Motto „all rhetoric, no substance“ verfahren. Mit anderen Worten „Selbstsicheres Auftreten, bei völliger Ahnungslosigkeit.“


